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Einknicken bei Uhu-Schutz lässt Hürde für Berg-Abtrag wegfallen / Nabu plant Beschwerde bei der EU

Land streicht Messingsberg von Schutzgebietsliste

Rinteln/Hannover (crs). Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander tut sich schwer mit dem Schutz des Messingsberges. Das Land hat die Uhu-Brutplätze im Steinbruch Steinbergen aus der Liste der nachzumeldenden EU-Vogelschutzgebiete herausgestrichen - zur Überraschung sämtlicher Fachleute und ohne Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Eine Entscheidung gegen die Uhus, weil damit der Abtrag des Berges rechtlich möglich bleiben soll? Durch das Einknicken des Umweltministers jedenfalls fällt für die Norddeutsche Naturstein GmbH (NNG) eine nicht unerhebliche zusätzliche Genehmigungshürde beim geplanten Abtrag des Berges weg.

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Denn in einem Europäischen Vogelschutzgebiet wären "alle Maßnahmen verboten, die zu erheblichen Beeinträchtigungen des Gebietes" führen könnten - Gesteinsabbau dürfte wohl dazu zählen. Dieser Hintergrund lässt die von Vogelschutz-Experten als nicht nachvollziehbar bewertete Uhu-Entscheidung Sanders in einem anderen Licht erscheinen: Ende 2006 war der Messingsberg zunächst in die Liste der auf EU-Druck hin nachzumeldenden Vogelschutzgebiete aufgenommen worden, im Juni dann aberüberraschend nicht nach Brüssel gemeldet worden. Warum nicht? Diese Antwort bleibt Hans-Heinrich Sander bis heute schuldig. Trotz massiver Proteste aus dem Landkreis Schaumburg bleibt der Umweltminister bei seinem Nein zum Schutzgebiet Messingsberg. Selbst die erneute Intervention von Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier schlug fehl. Dieser hatte den Minister bereits am 6. Juli in einem persönlichen Schreiben aufgefordert, seine Entscheidung zu überdenken: Bei dem Standort handle es sich um den "Brutplatz mit dem längsten und größten nachgewiesenen Bruterfolg", machte Schaumburgs Landrat klar, dass er eine Aufnahme "sehr begrüßen" würde. Mit seiner Antwort ließ sich Sander zwei Monate Zeit: Erst Anfang September schrieb der Minister zurück - ohne allerdings der Bitte Schöttelndreiers nachzukommen, die Gründe für die Nichtmeldung zu erläutern. Eineähnlich unbefriedigende Antwort erhielt die grüne Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold (Grüne) jetzt auf ihre Anfrage zum Vogelschutz am Messingsberg. In seiner Antwort zieht sich der Minister auf die Auskunft zurück, dass lediglich ein repräsentativer Teil der Brutplätze zu melden gewesen sei: Der Uhu-Schutz in Niedersachsen sei auch ohne Einbeziehung des Messingsberges "umfassend gewährleistet". Empört reagiert Helmhold auf diese Antwort: "Entweder wird im Umweltministerium ausgewürfelt, wo Vögel geschützt werden, dann haben die Uhus am Messingsberg einfach nur Pech gehabt, oder der Minister will verhindern, dass geschützte Vögel die weitere Ausweitung des Steinbruchs am Messingsberg verhindern könnten." Noch geben die Abbaugegner nicht auf: Der Nabu will Beschwerde bei der EU einlegen. Aus fachlicher Sicht sei es definitiv sinnvoll, hier ein Schutzgebiet einzurichten, sagt Dr. Holger Buschmann als Artenschutzreferent. "Der Messingsberg ist der erfolgreichste und am längsten existierende Brutplatz für Uhus in ganz Niedersachsen", wehrt sich der Biologe gegen die Nicht-Ausweisung als Schutzgebiet. Dem Nabu fehlen noch letzte Daten zu Uhu-Nistplätzen am Steinbruch, bevor die Beschwerde in der kommenden Woche eingereicht werden kann. "Dann wird sich zeigen, wieernst die EU den Artenschutz nimmt", rechnet Buschmann mit einer Grundsatzentscheidung. Trotz mehrmaliger Anfrage war das Umweltministerium zu einer Stellungnahme nicht in der Lage.

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