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Leguan, Schlange und Co. als Haustiere immer beliebter / Doch viele von ihnen landen schnell in der Wildtierstation

Lästige Exoten

Wildtiere wie Leguane, Schlangen und Schildkröten sind in unserer heimischen Region nicht zu Hause, dennoch werden sie von vielen Menschen gerne als Haustier gehalten. Doch so niedlich und interessant ein Leguanbaby auch sein mag, mit der Zeit erreicht die Echse eine stattliche Größe und wächst aus dem kleinen Terrarium, das am Anfang ausreichte, heraus.

Autor:

Tina Bonfert
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„Grüne Leguane sind bei uns zum Problem geworden. Die meisten werden bei privater Haltung nicht einmal ein Jahr alt“, sagt Florian Brandes, Veterinär und Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. Ausgewachsen werden die aus Süd- und Mittelamerika stammenden Reptilien gut fünf Kilogramm schwer und bringen es auf rund 1,60 Meter Länge. Weil sich die Menschen jedoch vor dem Kauf nicht ausreichend über die Tiere informiert haben, sterben die meisten an den Folgen nicht artgerechter Haltung. Jährlich werden Brandes zufolge im Durchschnitt 10 000 Grüne Leguane importiert. Davon, so schätzt er, werden 90 Prozent kein Jahr alt, und die restlichen landen häufig in Auffangstationen wie der in Sachsenhagen.

Auch Wasserschildkröten gehören zu den Arten, die häufig ausgesetzt und in der Wildtierstation in Sachsenhagen aufgenommen werden. Wasserschildkröten werden mit einer Größe von etwa vier Zentimetern verkauft. „Da ist der Niedlichkeitsfaktor am höchsten. Doch die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon, welcher Aufwand und Folgekosten auf sie zukommen. Häufig unterschätzen Käufer, wie viel Zeit und Geld so ein Tier kostet und wie alt und groß die noch jungen Schildkröten und Echsen werden können“, sagt Brandes.

Eine Wasserschildkröte kann, wenn sie ausgewachsen ist, eine Panzerlänge von bis zu 40 Zentimetern erreichen und 100 Jahre alt werden: „In der Wildtierstation haben wir schon Wasserschildkröten gehabt, die 70 Jahre alt waren – und das ist bei denen noch lange nicht das Ende.“ Papageien können beispielsweise auch bis zu 70 Jahre alt werden. Sie gehören ebenfalls zu den Arten, die häufig in einer Auffangstation enden, weil die Besitzer sich nicht mehr ausreichend um sie kümmern können oder wollen.

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Florian Brandes, Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen, mit einem exotischen Bewohner der Einrichtung.

Wer sich ein solches Tier zulegen möchte, sollte sich nach Ansicht von Brandes unbedingt informieren und sich dabei nicht allein auf das Internet stützen, da dort auch viele falsche Angaben gemacht würden. Der Leiter der Wildtierstation wünscht sich, dass Kunden angehalten werden, beim Kauf eines Tieres einen Sachkundenachweis zu erbringen. Dieser ist momentan nicht Pflicht, es gebe jedoch entsprechende Kurse, die von einigen Haltern freiwillig absolviert werden. „Das ist der richtige Weg“, findet Brandes.

Weil Schildkröten, Echsen und Papageien mittlerweile in nahezu jedem Zoofachhandel und zum Teil sogar in Baumärkten verkauft werden und viele Mitarbeiter sich mit den Tieren selbst nicht richtig auskennen, seien Kunden sich häufig nicht bewusst, was auf sie zukomme. „Wenn beispielsweise geraten wird, ein kleines Terrarium zu wählen, damit die Tiere nicht so schnell wachsen, ist das völliger Blödsinn“, betont der Veterinär.

Bei „Crazy Animals“, einem zoologischen Fachhändler in Stadthagen, zählen einem Mitarbeiter zufolge Geckos und kleine Schlangen zu den am meisten verkauften Exoten. Gerade in der Urlaubszeit bekommen wir viele Tiere zurück“, bedauert der Inhaber, Sven Hitzemann. Aus Erfahrung weiß er, dass viele sich bei den Kosten und dem Zeitfaktor überschätzen: „Einige Kunden stellen sich die Haltung zu einfach vor. Eine Schlange zum Beispiel kann nicht in einem Schuhkarton gehalten werden.“

Zudem musste er häufig feststellen, dass die Menschen sich nicht ausreichend informieren, bevor sie sich ein Tier zulegen. Für eine ausgewachsene Wasserschildkröte sei mindestens ein Aquarium mit 1000 Liter Wasser nötig, das am Besten die Ausmaße eines Teiches besitze, so der Geschäftsinhaber. In einer kleinen Mietwohnung ist da kaum ausreichend Platz. „Andere Zoofachmärkte sind leider eher profitorientiert und versäumen es, die Kunden darauf aufmerksam zu machen, dass die Tiere nicht immer so klein bleiben und ein fußbadgroßes Aquarium eben nicht ausreicht“, betont Hitzemann. Wie auch der Leiter der Wildtierstation würde Hitzemann dazu raten, gleich eine ausreichend große Unterkunft für Wasserschildkröten, Leguane oder auch exotische Barsche zu kaufen. Außerdem appelliert er an Tierhalter, sich mit der Zoohandlung in Stadthagen in Verbindung zu setzen und die Tiere, bevor man sie aussetzt, lieber wieder zurückzubringen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wildtierstation.de.

Immer mehr Menschen entdecken eine Vorliebe für exotische Haustiere. Zu Beginn sind Leguan, Schildkröte und Co. niedlich, später aber erlangen sie oft ungeahnte Größe. Die Folge: Ein überwiegender Teil der Tiere wird nicht einmal ein Jahr alt. Andere Exoten landen in der Wildtierstation in Sachsenhagen. Eine Bestandsaufnahme.

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