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Vor Gericht: Ein halbes Jahr Haft / Vom Ladendetektiv ertappt

Ladendiebstahl: "Ein paar Flaschen Wodka" als Tagesration

Bückeburg (ly). Zwischen Richtertisch und Anklagebank mögen fünf Meter liegen. Trotzdem kann Armin Böhm den Mann vor sich gut riechen. "Ich nehme eine kleine Alkoholfahne wahr", sagt der Direktor des Bückeburger Amtsgerichts. Schnaps scheint das Problem des Angeklagten zu sein. Ein Problem, das den 47-Jährigen jetzt ins Gefängnis bringt. Wegen Diebstahls hat Böhm ihn zu sechs Monaten Haft verurteilt. Gegen die Entscheidung sind allerdings noch Rechtsmittel möglich, Berufung oder Revision.

An jenem Tag im September vergangenen Jahres, um den es vor Gericht ging, will der arbeitslose Bückeburger nicht mehr gewusst haben, was er tat. "Aber wenn ich das gemacht habe, bereue ich es", versichert er. "Das" war ein Diebstahl, begangen in einem Bückeburger Supermarkt. Wie immer seit einem schweren Unfall seiner Tochter will der verzweifelte Vater täglich "ein paar Flaschen Wodka" getrunken haben. "Ich zähle sie nicht." Im mehr oder weniger angetrunkenem Zustand betrat der 47-Jährige dann auf der Suche nach Nachschub den Supermarkt, steckte Schnaps und Bier für insgesamt 46 Euro in eine Tasche, schaffte es auch durch die Kassenzone, kam aber nur bis zum Ausgangsbereich, denn dort wartete bereits ein Ladendetektiv. "Der Mann hat geschimpft wie ein Rohrspatz", erinnerte sich der "Privatschnüffler" (38) als Zeuge vor Gericht. Im selben Geschäft hatte der durstige Dieb übrigens schon einmal in die Regale gegriffen. Normalerweise landet niemand als Ersttäter wegen eines Diebstahls in dieser Größenordnung im Knast. Doch "der Kern des Problems liegt im Vorleben meines Mandanten", so Verteidiger Richard Heller. In der Tat ist das Vorstrafenregister recht gut gefüllt. Drogendelikte stehen darin, Unfallflucht, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl und Betrug. Als Straftäter habe der Angeklagte sich "bunt durch das Gesetz" bewegt, wie Richter Böhm feststellte. Weilüber die jetzt verhängten sechs Monate hinaus der Widerruf einer offenen Bewährung droht, steht der Bückeburger mit mindestens einem Bein im Gefängnis. In halbwegs nüchternen Momenten ist das natürlich auch ihm selbst klar. Nun will er zur Therapie. "20 Jahre Lkw-Fahrer", sagt der Hartz-IV-Empfänger und schüttelt den Kopf, "20 Jahre Lkw-Fahrer - und jetzt Säufer."

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