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Kinokritik: "Persepolis" im Steinberger Metropol / Film kommt nach Bückeburg und Stadthagen

Lachen - die subversivste aller Waffen

Dass ein Animationstrickfilm mit einfachen Mitteln und noch dazu in Schwarzweiß so bewegend sein kann. "Persepolis", die Geschichte eines iranischen Mädchens, ist oft lustig, oft sehr traurig, sie erzählt von einer standhaften Familie in einem unterdrückten Land und von einem mutigen Weg ins Erwachsenenleben.

"Punk is not ded", das sorgt wieder für Ärger. Foto: Verleih

Autor:

Cornelia Kurth

Die Regisseurin Marjane Satrapi, 1969 im Iran geboren und heute in Paris lebend, verfilmte zusammen mit Vincent Paronnaud ihre eigene Biographie, die sie zuvor als eigenwilligen Comic veröffentlicht hatte, der im Jahr 2004 als "Comic des Jahres" ausgezeichnet und in insgesamt 25 Sprachen übersetzt worden ist. Mit wenigen Strichen gelingen ihr individuelle Gesichter, die alle nur denkbaren Gefühle ausdrücken können. Und um große Gefühle geht es gewiss, wenn ein kleines keckes Kind mitbekommt, wie seine Verwandten unter dem Regime des Schahs in Gefängnissen verschwinden und gefoltert werden, nur um danach während der Islamischen Revolution ganz unterzugehen. Es ist eine dramatische Geschichte, in der, aus der Sicht eines Kindes und doch exemplarisch, gezeigt wird, wie autoritäre Staaten ihre Bürger deformieren und es aber immer wieder Menschen gibt, die den Widerstand aufrechterhalten. Dass "Persepolis" nicht einfach ein Lehrstück ist, sondern aufregend, spannend und sehr lebendig, hat damit zu tun, dass Marjane Satrapi ihr eigenes Leben und das ihrer Familie genau so wichtig nimmt wie das Schicksal ihres Volkes. Eine kluge, westlich erzogene Großmutter, mitfühlende Eltern, die ihr aufgewecktes Kind zu einem aufgeklärten Menschen machen wollen, Onkels die für die Demokratie kämpfen, sie sorgen dafür, dass die kleine Marjane nicht zu einer jugendlichen Revolutionswächterin wird, sondern wagt, ihre Meinung zu äußern. Sie wettert gegen das Kopftuchgebot, redet sich auf geschickte Weise raus, wenn Erwachsene sie bestrafen wollen und ist so aufmüpfig im Religionsunterricht, dass sie, gerade mal 14-jährig, ins Ausland, nach Wien, geschickt wird. Ganz allein. Die Trennungsszene am Flughafen, die kann einem wohl das Herz zerreißen. In Wien schließt sich Marjane den Punks an, fliegt aus allerlei Wohnungen raus und erleidet einen beinahe tödlichen Liebeskummer. Zurückgekehrt nach Teheran, wo inzwischen der Krieg zwischen Iran und Irak tobt (und in großartigen Schemen-Bildern eingefangen ist, die nicht zufällig an Art Spiegelmanns Maus-Comics über die NS-Zeit erinnern), weiß sie kaum noch, wo sie hingehört und wer sie eigentlich sein will. Der Film endet gut und traurig zugleich. Marjane geht nach Paris, die Eltern aber bleiben zurück in einem Land, in dem sie keine Zukunft mehr haben. Hinweis: "Persepolis" läuft nächsten Dienstag in Bückeburg und in der Woche darauf in Stadthagen.



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