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"Literarisches Kabinett" im Luhdener Kirchenzentrum fortgesetzt

Labskaus zwischen den Balladen

Luhden (sig). Bislang hatten die Abende des "Literarischen Kabinetts" im Luhdener Kirchenzentrum immer ein volles Haus gefunden. Dieses Mal war es anders. Die kleine Schar der Besucher konnte rätseln, woran es wohl gelegen haben mag. War daran die Dichte der kulturellen Veranstaltungen im Eilser Raum in der jüngsten Zeit schuld? Oder steht den heimischen Kulturfreunden weniger der Sinn nach Balladen - auch wenn sie zu einem großen Teil aus der Feder heimischer Autoren stammen?

Diese Fragen werden weitgehend unbeantwortet bleiben. Aber eines steht wohl fest: Die lange währende Blütezeit der Balladen ist vorbei. Immerhin gibt es diese spezielle dramatische oder lyrisch-romantische Sprachschöpfung im deutschen Sprachraum schon seit etlichen Jahrhunderten. Früher bestand ihr Stoff weitgehend aus der poetischen Schilderung besonderer Ereignisse, die sich entwederwirklich ereignet hatten oder überliefert worden sind und deren Wahrheitsgehalt deshalb hinterfragt werden muss. Wenn man so will, gehören die Bänkelsänger zu den Rezitatoren, die zuweilen besonders schlimme Moritaten in balladenartiger Form verbreiteten. Goethe wiederum schuf mit dem "Erlkönig" und Schiller mit der "Bürgschaft" Balladen, die zu den Standardwerken des Deutschunterrichts zählen. Bert Brecht lieferte in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Vorlagen für bekannte Liedermacher. Schließlich gab es noch einen Kreis (zu dem Börries von Münchhausen, Agnes Miegel und Lulu von-Strauß-und Torney gehörten), der sich offensichtlich bemühte, dieser dichterischen Gattung zu einer neuen Blüte zu verhelfen. Das bewährte Rezitatorentrio des Eilser Heimat- und Kulturvereins mit Friedrich Winkelhake, Lutz Gräber und Dieter Gutzeit eröffnete den Abend im Luhdener Kirchenzentrum mit Werken, die sie als ihre Lieblingsballaden bezeichneten. Dazu gehörten auch Reime von Erich Kästner, in denen er Heinrich Heines "Lorely" verballhornte. An einer Stelle heißt es da: "Man stirbt nicht beim Schiffen, nur weil ein blondes Weib sich kämmt". Folgerichtig lässt Kästner dann auch stattdessen einen Turner beim Handstand in die Tiefe stürzen. Gruselig wurde es bei einer Ballade des Börries von Münchhausen, in der die Rede ist von toten Edelleuten, die mit flammenden Würfeln im Fegefeuer spielen. In einer als Lied verwendeten Schilderung eines Ernst von Wildenbruch ist die Rede vom Grafen Wilhelm, der mit seiner Bückeburger Schwadron und mit Kanonen französische Truppen bei Minden in die Flucht schlug. Lulu von-Strauß-und-Torney schrieb über Tod und Pest, die im Zuge des 30-jährigen Krieges auch im Schaumburger Land Einzug hielten. Und sie befasste sich außerdem mit dem blutigen Bauernaufstand, bei dem sogar Mönche nicht verschont wurden. Im Gegensatz dazu geht es in einer "Legende" von Goetheüberhaupt nicht um ein dramatisches oder gar heldisches Geschehen, sondern um das Missachten geringer Dinge wie eines halben Hufeisens. Friedrich Winkelhake hatte zur Abwechslung eine kurze Bilderfolge eingestreut, die zehn Schaumburger Schlösser zeigte. Alle befanden sich einst im Besitz der weitverzweigten Münchhausen-Familie. Außerdem gab es noch eine weitere willkommene Abwechslung in Form von Labskaus. Dieses deftige nordische Gericht, zubereitet von Günter Bergmann, wurde den Besuchern in der Pause gereicht und mundete allengut.




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