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Ilona Fischer und Inge Ehlert zeigen Keramik- und Batikarbeiten im "Curanum"

Kunst geht auch gänzlich ohne Schmerzen

Bad Nenndorf (phr). "Muss Kunst wirklich weh tun?" Mit einem recht energischen Plädoyer gegen den elitären Kultur- und Kunstbetrieb in all' seiner Abstraktion, Kritik und teilweise verstörenden Wirkung hat die Kulturleiterin der "Curanum"-Residenz, Helga Kast, eine neue Ausstellung im Foyer des Seniorenheims eröffnet. "Nicht in einer strengen Kunsthalle, sondern in gemütlicher Atmosphäre in unserem Haus" könne man Inge Ehlerts Keramiken und Ilona Fischers Batik-Arbeiten betrachten.

Kunst oder Kunsthandwerk? Ilona Fischer und Inge Ehlert stellen

Nach ihrer Rede zeigte sie sich beim Sektausschenken versöhnlicher: "Wir hatten auch schon so genannte ernste Kunst. Aber ich denke, hier im Haus, wo man sich nicht unbedingt bewusst entscheidet, sich auf die Objekte einzulassen, braucht man eher etwas Harmonisches." Harmonie strahlen die Ausstellungsstücke auch tatsächlich aus. Fischers Bearbeitungenvon Wilhelm-Busch-Motiven zeigen umschlungene Figuren, in ihren abstrakteren Werken stehen florale Muster und warme, aber nie grelle Farben im Vordergrund. "Vater und Sohn" heißt eine von Ehlerts Tonskulpturen, die eine Einheit der Generationen nahe legt. Auf die Eröffnungsrede Kasts angesprochen, distanziert sich Ehlert ein wenig vom Kunstanspruch: "In der Schaumburger Kunstszene sind wir natürlich verpönt. Und ich muss immer wieder sagen, ich sehe mich eher als Kunsthandwerkerin denn als Künstlerin." Gleichwohl gehe es ihr mit jeder Arbeit darum eine bestimmte Stimmung, einen bestimmten Ausdruck ihrer Figuren festzuhalten. Das wiederum erscheint Ilona Fischer künstlerisch genug: "Wir sollten uns nicht immer so klein machen. Jede meiner Busch-Bearbeitungen erzählt ihre eigene Geschichte, in meinen anderen Arbeiten steckt sehr viel Herzblut", erklärt die Autodidaktin, die laut eigener Aussage "mit Batikaugen" durch die Welt geht. Die Inspiration für die eigene Note komme dann nach der Wahl der Motive während der Arbeit mit dem Stoff. Die Residenzbewohner befassten sich freilich weniger mit dieser Debatte. Sie freuten sich vor allemüber den kulturellen Abend mit Sektempfang und Auftritt des Gospelchores "Caminando va" aus Rodenberg, den sie mit viel Applaus bedachten. Nach einem kurzen Blick auf die Ausstellungsstücke waren allerdings viele der Gäste recht schnell wieder verschwunden. "In Hamburg habe ich mal eine ähnliche Aktion gemacht. Dort waren die Leute sehr viel aufgeschlossener und interessierter", bedauert Ehlert. Dennoch besteht bis September genug Gelegenheit, sich die Exponate anzusehen. Das "Curanum" ist von 9 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet.

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