×
Staatsanwaltschaft wird erneut mit Hausdurchsuchung gegen Deckberger Künstlerpaar aktiv

"Künstlerische Freiheit" - oder doch Betrug?

Deckbergen (ur). Der im Rintelner Ortsteil Deckbergen ansässige Künstler und Kunsthändler Thomas Sack ("Ich habe mir nichts vorzuwerfen, da kann mein Name ruhig genannt werden!") wurde bereits im April dieses Jahres von der Staatsanwaltschaft Bückeburg mit einer Hausdurchsuchung überzogen, ohne dass dafür eine richterliche Anordnung vorlag. "Gefahrim Verzug", gab die Staatsanwaltschaft damals zur Begründung für das spontane Vorgehen an.

Bei einer erneuten Hausdurchsuchung am Donnerstag vergangener Woche lag bereits eine mündliche Anordnung des Gerichts vor, was der Betroffene allerdings nicht nachvollziehen kann - und wieder handelt es sich um dieselben oder zumindest ähnlich gelagerte Vorwürfe. Gegen den aus Berlin zugezogenen Deckberger geht es um den Anfangsverdacht auf Betrug, nachdem zunächst in einem Zivilprozess Kunstsammler geklagt hatten, weil sie sich durch möglicherweise gefälschte Werke von Meistern wie Max Liebermann oder Kees van Dongen über den Tisch gezogen sahen: "Der van Dongen roch noch nach frischer Farbe", beschwerte sich in diesem Zusammenhang einer der Kläger. Zu diesen Vorwürfen, über die unsere Zeitung bereits im April berichtete, nimmt Sack jetzt Stellung. "Wir haben nie behauptet, dass es sich dabei um echte Werke handelt und auch keine entsprechenden Zertifikate ausgestellt. Zuordnungen vor allem aus Nachlässen sind immer nur sehr schwer mit Eindeutigkeit zu treffen - der Käufer geht dabei natürlich ein spekulatives Risiko ein." Entsprechend günstig seien die Arbeiten ja auch verkauft worden: "Sie werden keinen eindeutig dokumentierten Liebermann für 7000 Euro bekommen!" Der Kunsthändler und seine unter dem Pseudonym Cara Gano als freischaffende Künstlerin tätige Lebensgefährtin hatten Videoaufnahmen von der Razzia damals ins Internet gestellt, "damit jeder sehen soll, wie respektlos der deutsche Staat mit den Grundrechten der Bürger umgeht und junge Künstler mit unverschämter Arroganz an der freien Berufsausübung hindert!", empört sich Thomas Sack. Und geht im Übrigen davon aus, dass seine "Öffentlichkeitsarbeit" per Internet die Staatsanwaltschaft veranlasste, diesmal in seiner Abwesenheit zu kommen. Es sei ihm deshalb bei diesem neuen Anlauf nicht gelungen, mehr als ein paar Sekunden zu filmen, "zumal mir die Polizei die Kamera aus der Hand gerissen hat", beschwert sich Sack, der selbst einige Semester Rechtswissenschaften studiert haben will. Auch habe man es versäumt, die für solche Maßnahmen bei Abwesenheit der Betroffenen vorgesehenen Zeugen herbeizuziehen. Im Wesentlichen habe die Polizei bei ihrer neuen Aktion auch nur noch ein weiteres Kunstwerk beschlagnahmt: "Vermutlich, um diese Maßnahme irgendwie begründen zu können." Seine Kritik dazu: "Wenn die wirklich glauben, mir Fälschungen nachweisen zu können, dann hätten die Polizisten doch eher Pinsel und Farben mitnehmen müssen, um durch Analysen der verwendeten Materialien zu ermitteln, ob die Bilder tatsächlich in meinem Atelier entstanden sind." Durch die Durchsuchungen werde letzten Endes auch seine Existenz gefährdet. Für rufschädigend hält der Angeschuldigte ferner Behauptungen, wonach die von ihm vertretenen Künstler Cara Gano und Ernst Cuno "nicht existieren und die Arbeiten selbstgemalt sind". Schließlich gehöre die Wahl eines Künstlernamens zur künstlerischen Freiheit und die angebotenen Bilder seienja nun real vorhanden.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt