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Politik hält Schließungen aller vier bisherigen Standorte für möglich / „Darf keine Tabus mehr geben“

Künftig nur eine Grundschule – an der KGS?

Salzhemmendorf (hen). In die Debatte über die Zukunft der Schulstandorte im Flecken Salzhemmendorf kommt Bewegung: In einem Diskussionspapier schlägt die SPD-Fraktion als Zukunftsmodell einen Anbau an die Kooperative Gesamtschule Salzhemmendorf vor. Diese eine Grundschule soll langfristig – in einigen Jahren – die vorhandenen vier Standorte ersetzen. Fraktionsvorsitzender Walter Kramer betont ausdrücklich, dass es sich lediglich um ein Grobkonzept handele vor dem Hintergrund, dass „sich auf Sicht keine zwei zweizügigen Grundschulen zahlenmäßig darstellen lassen“.

Salzhemmendorf (hen). In die Debatte über die Zukunft der Schulstandorte im Flecken Salzhemmendorf kommt Bewegung: In einem Diskussionspapier schlägt die SPD-Fraktion als Zukunftsmodell einen Anbau an die Kooperative Gesamtschule Salzhemmendorf vor. Diese eine Grundschule soll langfristig – in einigen Jahren – die vorhandenen vier Standorte ersetzen. Fraktionsvorsitzender Walter Kramer betont ausdrücklich, dass es sich lediglich um ein Grobkonzept handele vor dem Hintergrund, dass „sich auf Sicht keine zwei zweizügigen Grundschulen zahlenmäßig darstellen lassen“. Als Zielsetzung konzentrieren sich die Sozialdemokraten nur auf eine Grundschule. Diese Idee, so wurde bereits in interfraktionellen Gesprächen geklärt, werde auch von der Mehrheitsgruppe mitgetragen. Allerdings mit Einschränkungen, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Friedrich-Wilhelm Knust sagt: „Es gibt noch viele offene Fragen.“ Vor allem wehren sich die Christdemokraten dagegen, schon in Kürze einen Beschluss zu fassen, der heute schon Ausgaben für das Jahr 2018 festzurren würde. Aber: „Der Gedanke ist gut; ob er so schnell umzusetzen und finanzierbar ist, wird sich zeigen.“ Knust wolle daher zurzeit auch lieber von einer Vision sprechen.

„Es handelt sich wirklich um ein langfristiges Konzept, und es wird wohl auch eine Übergangslösung mit zwei Schulstandorten geben müssen“, sagt Grünen-Chef Helmut Schmiedekind. Auf Grundlage des SPD-Vorschlags werde man nun weiter beraten und gemeinsam einen Plan erarbeiten. Auch Udo Stenger (BWG) findet das „KGS-Modell“ grundsätzlich „sinnvoll“.

Alle sind sich aber auch darin einig, dass man um Schließungen nicht herumkommen werde. „Wer das noch nicht erkannt hat, verkennt die Realität“, sagt Knust. Auch Kramer, stellvertretender Bürgermeister, sieht vor dem Hintergrund der Reaktionen von Eltern, Elternräten und Schulen nach dem jüngsten Forum die Politik gefordert, sich der Situation zu stellen und kurzfristig Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Zurzeit gebe es vier Grundschulen mit unterschiedlichen Schulkonzepten und einem mittelfristigen Investitionsbedarf von rund drei Millionen Euro. Prognostiziert wird, dass die Schülerzahlen auf 250 bis 270 Schüler im Jahr 2015 sinken. „1978 hatten wir noch 800 Kinder“, erinnert Knust. Auch Schmiedekind sagt: „Der letzte Geburtsjahrgang hatte 55 Kinder“ – dass das langfristig nicht für vier Schulen reiche, liege auf der Hand. „Wir geben pro Schüler immer mehr Geld aus; das ist bei der Finanzlage nicht machbar“, sagt Schmiedekind. Er fordert angesichts zu erwartender Widerstände: „Es darf keine Tabus mehr geben.“

Es müssten viele Gegebenheiten beachtet werden wie die Schuleinzugsgebiete, Elternbeteiligungen, Finanzierbarkeit, personelle Gegebenheiten oder Genehmigungsverfahren, sagt die SPD. Vor allem sei es wichtig, die Bevölkerung, speziell die Eltern, zu informieren und „mitzunehmen“. Zur Diskussion stellt die SPD-Fraktion eine „mindestens dreizügige Grundschule als Anbau oder separat am Standort der KGS Salzhemmendorf“, mit eigenem Eingang und Schulhof. Vorteile wären nach Meinung der Sozialdemokraten: ein einheitliches Schulkonzept für alle Grundschüler, keine Reibungsverluste durch Wettbewerb sowie ein gleiches Angebot und Niveau für alle. Auch die „gesicherte, weil vorhandene Logistik“ spreche für die Idee: Die Schülerbeförderung ist eingespielt, Mensa und Ganztagsbetreuung sind vorhanden; Sporthalle, Sportanlage, Hallenbad am Ort. Auch Udo Stenger sagt: „Da hätte die Sanierung des Hallenbades einen zusätzlichen Sinn.“

Selbst die Raumfrage dürfte laut SPD keine Probleme bereiten, da die Schülerzahlen der KGS von 1700 auf 1200 bis 1300 in 2015 sinken werden, dadurch möglicherweise Raumkapazitäten frei werden, rechnet die SPD vor.

Das ganze Modell sei nicht übers Knie zu brechen, sondern nur mithilfe eines Stufenplans umsetzbar, für den die genauen Zeitpunkte noch diskutiert werden müssten: Nach einer Schließung der Schule in Lauenstein und später der in Wallensen, müsse der Ist-Zustand (ob Ein- oder Zweizügigkeit) unter Berücksichtigung des Ausscheidens der Schulleiter für das weitere Vorgehen ausschlaggebend sein. Letzter Schritt könnte die Schließung der Grundschulen in Salzhemmendorf und in Oldendorf 2016/18 und der Umzug in die „KGS Grundschule“ sein. Über diesen Zeitplan müsse noch geredet werden, meinen die anderen Fraktionen.

Als Voraussetzung für all diese Zukunftspläne nennt die SPD Gespräche mit Landkreis und Schulbehörde; die Finanzierbarkeit müsse geprüft werden und auch die künftige Nutzung der alten Gebäude und Grundstücke geklärt sein. Schmiedekind und Knust geben zu bedenken, dass für die vorhandenen Standorte Fördermittel aus dem Konjunkturprogramm geflossen seien. Hier gilt es, Fristen zu berücksichtigen.

Die SPD-Fraktion schlägt vor, dass in einer der nächsten Ratssitzungen „ein Konzept mit einem ausgewogenen Stufenplan verabschiedet“ werden muss, „welches möglichst schlüssig und verlässlich ist“.Kommentar: Der schwierige Weg der VernunftVon Kerstin HasewinkelHut ab vor dem Mut der SPD – denn jetzt wird ganz bestimmt erst einmal ein Aufschrei durch Salzhemmendorf gehen. Hut ab vor der Mehrheitsgruppe und Udo Stenger, dass alle mitmachen wollen und nicht aus reinem Populismus auf Konfrontationskurs gehen. Die Politiker haben erkannt, dass ein so sensibles Thema nur gemeinsam angefasst werden kann. Der Protest ist schon zu erahnen – doch angesichts der sinkenden Schülerzahlen kann niemand mehr die Augen davor verschließen, dass vier Grundschulen einfach zu viel sind. Mehrfach wurde angemahnt, dass ein Gesamtkonzept her müsse – viel Zeit wurde schon planlos vergeudet. Und hinter den Schulmauern brodelt es. Man mag es als positiv erachten, dass durch die drohenden Schließungen unter den Schulen eine Art Konkurrenzkampf ausgebrochen ist – doch das ist eigentlich ein unfairer Wettbewerb. Niemand bestreitet, dass es engagierte Eltern und tolle Konzepte gibt. Um die einzelne Schule langfristig zu retten, reicht das aber nicht. Ohne Schüler nützt die beste Schule nichts. Es ist absolut verständlich, wenn jetzt wieder Wut und Angst hochkommen; es ist verständlich, wenn jeder seine Schule vor Ort halten möchte, in die er schon so viel Engagement investiert hat. Helfen kann da nur Klarheit. Salzhemmendorf ist zu wünschen, dass jetzt Vernunft regiert. Die Idee einer zentralen Grundschule an der KGS ist überdenkenswert; die Vorteile durch vorhandene Busanbindungen, Mensa und das Ganztagsangebot liegen auf der Hand. Und: Keine der bestehenden Schulen müsste sich als Verlierer sehen, weil es auch keinen Sieger gibt – sondern nur eine gemeinsame Suche nach der besten Lösung. Und dieser Weg wird bei einem derart mit Emotionen besetzten Thema schwer genug. k.hasewinkel@dewezet.de




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