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Schaumburger IG Bauernhaus besichtigt Ackerbürgerhäuser / "Einmaliges für das Deister-Sünteltal"

Küchen bringen sogar Experten zum Staunen

Lauenau (nah). Seit gut einem Jahr gibt es an jedem Sonnabend und manchem Sonntag, an Urlaubstagen und weiteren Freizeitstunden für Karsten Dohmeyer nur ein Ziel: zwei marode Ackerbürgerhäuser in der Lauenauer "Theaterecke". Er hat sie erworben, um sie zu restaurieren. "Wir buddeln uns so durch", berichtete er jetzt Mitgliedern der Schaumburger Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB). Fast noch mehr Aufmerksamkeit fanden zwei Experten, die sich seit vielen Jahren mit der Architektur alter Gebäude beschäftigen: Michael Meier und Wilfried Ahrens haben einem der beiden Gebäude bereits tief hinters Gebälk geguckt. Nun soll auch das zweite Haus untersucht werden. Meier vermutet "Einmaliges für das gesamte Deister-Sünteltal".

Michael Meier (l.) und Manfred Röver (rechts neben ihm) erläuter

IGB-Vorsitzender Manfred Röver erläuterte den Anwesenden zunächst die jüngste Chronologie der fast schon zum Abriss verurteilten Gebäude. Sie zählten zu den "Sorgenkindern der Denkmalpflege". So nennt sich eine Liste erhaltungswürdiger Bauten in Schaumburg, die sanierungswillige Käufer und Nutzer suchen. Mit dem Bauingenieur Karsten Dohmeyer fand sich endlich ein neuer Eigentümer. Dieser hätte zwar nach eigenen Angaben lieber ein anderes Objekt in Lauenau erstanden; doch auch das Duo Lange Straße 11 und 13 reizte ihn: Die nicht nur äußerlich baufällig wirkenden Gebäude stecken "voller Überraschungen". Dem stimmte auch Meier zu; jedoch weniger hinsichtlich des Zustandes . Er hat zusammen mit Ahrens das Haus 13 gründlich untersucht und darüber eine Arbeit veröffentlicht. So wies er unter anderem nach, dass alle wesentlichen Wände aus der Bauzeit noch vorhanden sind. Aufgrund der Sparrenabstände der Dachkonstruktion muss das Gebäude früher mit Stroh gedeckt gewesen sein. Mithilfe dendrochronologischer Untersuchungen konnte Meier das Baujahr auf 1684 datieren - und damit die Angaben des Heimatforschers Karl Parisius bestätigen, der für 1682 einen großen Brand dokumentierte, dem auch die Häuser in der heutigen Lange Straße zum Opfer fielen. Als besondere Eigenart schilderte Meier neben der zweigeschossigen und zur Diele hin offenen Küche eine Reihe von einfachen Trennwänden, denen das stabilisierende Fachwerk fehle. Meier will in Kürze auch das Haus Nummer 11 untersuchen, weil sich dort ähnliche Beobachtungen machen lassen. Mehr noch als im Nachbargebäude falle die hohe Küchenlucht auf, für die es ebenfalls kein Beispiel in der Region gebe. In diesem Zusammenhang hofft Röver, dass die weitere Hausforschung aus öffentlichen Mitteln gefördert wird: "Die Sache ist es wirklich wert." Auf einen kleinen Zuschuss durch den Denkmalschutz hofft auch Eigentümer Dohmeyer. Schon wurden ihm aus EU-Mitteln und von der Landesdenkmalpflege erste Gelder signalisiert. Nun versucht er, auch beim Flecken Lauenau Gehör zu finden.

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