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Vor Gericht: Bewährung für Betrüger

Krimiverdächtig: Geldwäsche in der Badewanne

Niedernwöhren/Bückeburg (ly). Geldwäsche in der Badewanne: Der Trick ist alt, und trotzdem fallen bundesweit immer noch Menschen darauf herein. Zwei Geschäftsleute aus der Samtgemeinde Niedernwöhren haben sich jedoch nicht übers Ohr hauen lassen, sondern die Polizei eingeschaltet und so den entscheidenden Beitrag zur Auflösung eines haarsträubenden Falls geleistet.

Einer der beiden Täter, ein Schwarzafrikaner (36) aus Hannover, ist in einem Berufungsverfahren vor dem Bückeburger Landgericht wegen versuchten Betrugs zu zehn Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt worden. Es ging um "Wash-Wash", eine angebliche Methode zur Reinigung schwarz gefärbter Geldscheine, die aber eher an Zauberei erinnert und nicht funktioniert. Natürlich nicht, denn es handelt sich um geschwärztes Papier. Der Nigerianer und ein bereits zuvor verurteilter Komplize aus Kamerun hatten dem Ehepaar vorgegaukelt, sie seien im Besitz eines Koffers mit etwa 800 000 Euro in schwarz gefärbten Scheinen. Auf diese Weise seien die Banknoten am Zoll vorbei nach Deutschland geschleust worden. Zur Entfärbung, quasi einer Geldwäsche im wörtlichen Sinne, sollten die Schaumburger 400 000 Euro in bar besorgen. Tatsächlich war bloß schwarzes Papier im Koffer. Für die Bereitstellung des Geldes wurde dem Paar ein Anteil von rund einem Drittel versprochen. Bei den genauen Summen gehen die Angaben etwas auseinander. Verhandelt wurdeüber das "Wash-Wash"-Verfahren in einem Hannoverschen Hotel, wohin die Betrüger ihre Opfer mit der Aussicht auf ein anderes Geschäft gelockt hatten, das aber nie zustande kam. Saubere Euro-Noten, so die Gauner, müssten schichtweise unter die schwarzen Scheine gemischt und beide mit einer speziellen Tinktur aus Paris beträufelt werden, dann verschwinde die Farbe unter Druck. Wie zum Beweis demonstrierte einer der Männer das Verfahren an einem 50-Euro-Schein, was aber bloß ein billiger Taschenspielertrick war. Um heil aus der Sache herauszukommen, sicherten die Schaumburger Geschäftsleute einen kleineren Betrag von weniger als 50 000 Euro zu, den sie zuhause hätten. Als die Afrikaner das Geld im Mai vergangenen Jahres in der Samtgemeinde Niedernwöhren abholen wollten, wurden sie kurz vor Erreichen des einsam gelegenen Hauses aus dem Verkehr gezogen. Polizisten hatten sich auf die Lauer gelegt. Gewaschen werden sollten die Scheine in der Badewanne des Paares. "Ein fast krimiverdächtiger Fall", fasste Richter Peter Rohde während der Urteilsverkündung zusammen und lobte die "Zivilcourage der Eheleute''. Mit der Rolle von Hauptdarstellern in diesem Krimi war das Paar jedoch alles andere als glücklich. "Ich hatte einfach nur Angst um meine Familie", gab die Frau als Zeugin vor Gericht zu. "Dass das Verfahren nicht funktionieren würde, war uns klar." Vergessen wird sie die unheimliche Begegnung nie: "Ich werde das mit ins Grab nehmen." Der bereits inhaftierte Angeklagte, der nach eigenen Angaben seit 2005 in Deutschland lebt, muss sichübrigens mit dem Gedanken an Abschiebung vertraut machen. Ende August hat das Landgericht Hannover ihn wegen Drogenhandels zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig.




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