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USA schicken Kampfdrohnen gegen Gaddafi – und düpieren damit die Nato

Krieg in Libyen: Obama verliert langsam die Geduld

Washington. Genau das wollte US-Präsident Barack Obama vermeiden, als er seine Soldaten in den Krieg gegen Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi schickte. Ein Konflikt, der sich hinzieht, der die Vereinigten Staaten in einen weiteren Krieg in einem muslimischen Land zieht.

Autor:

Marco Mierke

„Tage, nicht Wochen“ solle die Operation dauern, machte das Weiße Haus anfangs klar – und gab das Kommando am 4. April an die Nato ab. „Verantwortung und Kosten“ für den Einsatz müssten andere tragen, forderte Obama. Keine drei Wochen später haben die USA ihren Finger wieder selbst am Abzug.

US-Senator John McCain forderte gestern bei einem Besuch in der Rebellenhochburg Bengasi ein stärkeres Engagement seines Landes. „Es sind großartige Kämpfer und echte libysche Patrioten“, erklärte McCain. „Wir sollten uns auch stärker an den Militäraktionen der Nato beteiligen.“

Das US-Militär lässt jetzt seine unbemannten Kampfdrohnen über das Land fliegen. Es feuert wieder selbst auf Gaddafis Bodentruppen. Sitzt die Weltmacht nun doch wieder am Steuer? Die Regierung versucht, diesen Eindruck zu vermeiden. Es sei nur ein „bescheidener Beitrag“, wiegelte Verteidigungsminister Robert Gates ab. Jedoch: Die Fluggeräte vom Typ „Predator“ (zu Deutsch: Raubtier) leisten für das Kampfgeschehen einen großen Beitrag, meinen Fachleute. „Sie sind Werkzeuge für Hinrichtungen aus drei Kilometern Höhe“, schreibt der US-Kolumnist David Ignatus. Sie fliegen tiefer als Kampfjets, können Ziele besser sichtbar machen und bringen ihre Piloten nicht in Gefahr, weil diese vor einem Monitor sitzen statt im Cockpit. Garanten für tödliche Präzision also. Präzise genug, um Gaddafi gezielt zu töten, mutmaßt die „Washington Post“.

Der Einsatz der Drohnen sei „ein weiteres Zeichen für die lückenhafte Fähigkeit der Nato, komplizierte Kampfmissionen ohne US-Unterstützung durchzuführen“, kritisiert die „New York Times“.

Unterdessen haben Kampfjets in der Nähe von Tripolis Munitionsbunker zerstört. Insgesamt seien 62 Einsätze geflogen worden. Zehn Schiffe seien dabei, Hilfsgüter nach Libyen zu bringen. Ärzte berichteten aus der belagerten Stadt Misrata von Kindern, die mit Splitter- und Schussverletzungen behandelt werden mussten. In Libyen haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als eine halbe Million Menschen das Land verlassen. Diese Zahl nannte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon gestern und verlangte erneut eine Waffenruhe.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erwägt einen Besuch in Bengasi. Er habe dem dort ansässigen Übergangsrat seine Zustimmung für eine solche Visite gegeben, meldete die Nachrichtenagentur AFP gestern unter Berufung auf sein Amt.

US-Präsident Barack Obama befiehlt den Einsatz von Drohnen in Libyen. Foto: afp




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