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Erika Rasch plant ein Wohnprojekt auf ihrem Hof

Kreative Rentnerin, 65, sucht Mitbewohner für WG

Oldendorf (top). Erika Rasch sitzt in ihrem Gartenstuhl. Glücklich lässt sie ihre Gedanken kreisen und den Blick in die Ferne schweifen. Die Schönheit der Natur und das Leben im Grünen ist es, was die Oldendorferin jeden Tag aufs Neue an ihrem Hof direkt an der Saale und großen Weideflächen gelegen schätzt. Diesen Blick möchte die 65-jährige auch gern in Zukunft noch genießen. Viel denkt sie zur Zeit darüber nach, wie sie leben möchte, wenn sie in Rente ist. „Im Laufe der vergangenen zwei Jahre habe ich mir oft die Frage gestellt, wie es denn sein würde, allein auf dem Hof zu leben. Schließlich wird man ja nicht jünger und das Haus, der Hof und der Garten möchten ja bewirtschaftet und gepflegt werden.“ Ihre Lösung: mehrere Generationen auf dem Hof. Dieser Plan soll nun verwirklicht werden. Ob sie mit fortschreitendem Alter den alten landwirtschaftlichen Resthof in seiner vollen Größe noch erhalten könne, daran zweifelte die pensionierte Kindergärtnerin. „Vor etwa zwei Jahren hörte ich das erste Mal von der Möglichkeit des gemeinschaftlichen Wohnens. Was das war, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.“ Erika Rasch recherchierte und fand an der Idee Gefallen, ein Wohnprojekt für mehrere Generationen zu schaffen. „Selbstbestimmt in Gemeinschaft zu wohnen heißt nicht, die eigene Freiheit aufzugeben, sondern im Alter füreinander da zu sein und die Vorzüge des gemeinschaftlichen Lebens zu nutzen“, ergänzt die naturverbundene Oldendorferin.

Die Idee vom gemeinschaftlichem Wohnen ist keineswegs eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Schon zu Beginn der 70er Jahre entstanden in Deutschland die ersten Formen davon. Diese wurden besonders als Alternative zu unzulänglichen Angeboten in Heimen genutzt, wie die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Doris Tjaden-Jöhren aus Hannover weiß. Im Laufe der Jahre strukturierte sich diese Lebensform immer wieder um, sodass es heute bei weitem nicht nur Wohngemeinschaften sind, in denen Senioren miteinander leben.

Kuhstall wird zusammen umgestaltet

In guter Nachbarschaft zu leben, zusammen etwas auf die Beine zu stellen und sich im Alltag zu unterstützen, das sind die Wünsche, die Erika Rasch an ihr neues Wohnprojekt stellt. „Denn älter werden wir alle, und mit der Hilfe untereinander besteht die Möglichkeit, auch noch im fortgeschrittenen Alter in der eigenen Wohnung zu leben und wenn nötig nicht gleich in ein Heim zu gehen, sondern die Hilfe von Pflegediensten vor Ort in Anspruch zu nehmen.“ Mithilfe von Freunden und dem Rückhalt aus der Familie ist sich die vierfache Mutter auch sicher, den Schritt zur Umsetzung ihres Wohnprojektes im Alter noch zu wagen und etwas Besonderes auf die Beine zu stellen. „Zudem fängt die Gemeinschaft schon vor dem Einzug an.“ Jeder der neuen Mitbewohner soll in die Planungen zur Umgestaltung des ehemaligen Kuhstalls auf dem über 3000 Quadratmeter großen Hof mit einbezogen werden. „Persönliche Wünsche in der Ausgestaltung der Räume, das Spiel mit Farben und Formen sowie die Planungen zur energetischen Nutzung des neuen Wohnhauses sollen von den neuen Mitbewohnern gestaltet werden“, sagt sie.

Grünes Licht für Architektenpläne

Die Entscheidung, im Alter nicht in die Stadt und aus der gewohnten Umgebung zu gehen, sieht Erika Rasch mit den Vorteilen, die auch das Landleben bietet. „Diese Hoflage mit der Ruhe und der schönen Natur ist einfach einmalig. So eine Umgebung bietet das Stadtleben nicht.“ Zudem würde die kreative Seniorin diesen Schritt nicht wagen, wenn die Infrastruktur vor Ort nicht so gestärkt wäre und es keine therapeutischen Möglichkeiten vor Ort gäbe. Doch all diese Wünsche werden am Standort im Flecken Salzhemmendorf gegeben. „Das ermöglicht es mir, aus meiner Idee in die Umsetzungsphase zu gehen.“ Die Entwürfe des Architekten stehen, und auch bei der Bauvoranfrage gab es grünes Licht für das im Flecken einmalige Projekt. Sechs Wohnungen mit Größen zwischen 50 und 75 Quadratmetern, sowie zwei Gästeappartements mit je 30 Quadratmetern sollen in den alten Stallungen entstehen. Neben den Wohnbereichen, die jeder für sich nutzt, wurde der Bau von Gemeinschaftsräumen für gemeinsame Aktivitäten, wie Kochen, Feiern, kreative Aktionen, sowie die Durchführung kultureller Angebote in die Planung einbezogen. Zudem plant Erika Rasch, die für ihr Handeln im Ort in diesem Jahr beim Aschermittwochsempfang für ihr Engagement geehrt wurde, Seminare anzubieten, um die Idee zu dieser Form des Zusammenlebens weiterzugeben. Da auf dem Hof noch viel Platz ist, können vielfältige Hobbys und Interessen verwirklicht werden. „Garten, Tierhaltung, handwerkliche und kreative Hobbys, künstlerische Gestaltung, ein kleines Café und ein Laden – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, meint Erika Rasch und genießt wieder den für sie einmaligen Blick in die Natur.

Auf Erika Raschs 3000 Quadratmeter großen Hof sind viele Pflanzen – darunter auch Rosen.




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