weather-image
24°
Emotionale Diskussion im Stadtverband / Unterbezirkschef Becker: "Landkreis nicht als Feindbild sehen"

Krankenhaus-Zukunft: Riss durch die SPD

Rinteln (crs). Beim Thema Krankenhaus geht ein Riss durch die SPD. Unterbezirksvorsitzender Karsten Becker und Kreistagsmitglied Klaus Wißmann gaben sich bei der Mitgliederversammlung des Stadtverbandes am Donnerstag alle Mühe, um Verständnis für die Optionen Neubau oder (Teil-)Privatisierung zu werben - entgegen schlug ihnen teils hoch emotional geäußertes Unverständnis.

Dass sein "Impulsreferat zu Schaumburger Themen" bei der Rintelner SPD nicht allein zu Jubelstürmen führen würde, hatte der Unterbezirkschef schon geahnt. "Harmonie soll ja bekanntlich verblöden", begrüßte Becker die Rintelner Genossen - und gab gleich Entwarnung: "In diese Gefahr kommen wir jedenfalls nicht." Trotz seiner klaren Präferenz für die Neubau-Lösung um ein gesundes Maßan Harmonie bemüht, stellte Becker die Gemeinsamkeiten an den Beginn: "Ein Krankenhaus muss öffentlich kontrolliert sein, in dieser Frage sind wir völlig einig." Vor anderen Lösungen "graust es mir persönlich". Das war es dann aber auch mit Gemeinsamkeiten. Becker warb offen dafür, das Krankenhaus am Wohnort zugunsten einer höherwertigen medizinischen Versorgung aufzugeben. "Was nützt euch denn ein Krankenhaus, das in den kommenden Jahren so richtig vor die Wand gefahren wird?", fragte er angesichts der desaströsen finanziellen Lage bewusst provokant. Sicher sei es schön, ein Krankenhaus vorm Haus zu haben, wenn man sich in den Finger geschnitten habe. "Wenn es aber ans Eingemachte geht, müssen wir konkurrenzfähig zu Minden oder Hameln werden", sah Becker in einem zentralen Krankenhaus-Neubau in Obernkirchen große Chancen. Die dann mögliche Schwerpunktversorgung stelle eine deutliche Verbesserung für ganz Schaumburg dar und garantiere langfristig Wirtschaftlichkeit. "Das ist die optimale Möglichkeit, einen ökonomischen Betrieb und eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zusammenzuführen." Wohlwissend, dass diese Position in der Rintelner SPD derzeit nicht mehrheitsfähig ist, bat Becker darum, "den Landkreis nicht so als Feindbild zu sehen", sondern als Verwaltungsebene, die einen Ausgleich herbeiführen müsse, "aber einen schwierigen Job hat". Entsprechend müssten auch die Rintelner Kreistagsabgeordneten eine andere Sicht der Dinge haben - und zwar den Blick auf gesamt Schaumburg. "Absolute Priorität hat der Standort Rinteln und die öffentliche Hand darf sich nicht aus dem Krankenhauswesen zurückziehen": Mit diesem Statement hatte sich Stadtverbands-Vize Dieter Horn als Sitzungsleiter - die Vorsitzende Astrid Teigeler-Tegtmeier fehlte wegen einer schweren Erkrankung in der Familie - schonzu Beginn auf die Seite von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz geschlagen. In einer streckenweise sehr emotionalen Diskussion - Horn musste mehrmals zur Mäßigung aufrufen - stützten unter anderem Gerd Beu, Jürgen Evers und Klaus Helmentag diese Position. Befürchtungen wurden laut, das neue Krankenhaus könne noch näher an Stadthagen ranrücken, würde womöglich mehr als 100 Millionen Euro kosten und doch die Wettbewerbsfähigkeit zu den Häusern der Umgebung nicht garantieren. Als Einziger positionierte sich der Rintelner Ratsherr und Kreistagsabgeordnete Klaus Wißmann für die Pläne des Landkreises: "Bitte habt Verständnis dafür, dass es nur diese beiden Möglichkeiten gibt." Diesen Prozess des Umdenkens, der im Widerspruch zur im März vom Stadtrat einstimmig verabschiedeten Resolution zum Erhalt des Standortes Rinteln steht, begründet Wißmann im Gespräch mit unserer Zeitung mit der mittlerweile verbesserten Informationslage. "Bei einem Neubau wird die medizinische Versorgung erheblich besser sein", sagt er. Und weiß zugleich: "Das wird weiten Teilen der Rintelner nur ganz schwer zu vermitteln sein."

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare