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Ralph von Follenius skizziert Zukunft für Rintelner Klinik / Förderverein übt Kritik an Zeitplan

Krankenhaus-Macher setzen auf Expansion

Rinteln (ll). Die Spenden für den Förderverein des Rintelner Krankenhauses liegen in diesem Jahr bei Null. Die Mitgliederzahlen sind rückläufig, Neuzugänge hatte der Fördervereinsvorsitzende Dieter Hanke bei der Mitgliederversammlung des Vereins am Mittwoch jedenfalls nicht zu vermelden.

Es scheint so, dass unter dem Eindruck der Entwicklungen auf dem Schaumburger Gesundheitsmarkt nicht einmal mehr Freunde und Förderer an eine Zukunft des Kreiskrankenhauses in Rinteln glauben.

Doch das alles soll sich wieder ändern, glaubt man dem Geschäftsführer der Krankenhausprojektgesellschaft Schaumburg (KPG), Ralph Freiherr von Follenius, der auch für das Management im Rintelner Krankenhaus verantwortlich ist und den Förderern des Krankenhauses Rede und Antwort zum Stand der Planungen gab.

„Rinteln ist von essenzieller Bedeutung für das Gesamtklinikum in Vehlen“, sagte von Follenius. Das ist zunächst einmal schwer zu begreifen. Denn: Über Jahre hinweg wurden die medizinischen Leistungen in Rinteln heruntergefahren; das Krankenhaus in Schaumburgs Westen arbeitet keinesfalls wirtschaftlich, knapp fünf Millionen Euro Defizit stehen jedes Jahr an; und viele potenzielle Patienten sind in der Vergangenheit in andere Kliniken, nach Minden, Hameln oder Lemgo, abgewandert. Dennoch: Von Follenius betont die neue Wichtigkeit des Rintelner Hauses für das Riesenprojekt in der Vehlener Feldmark. „Es wird keine Schließung bis zur Inbetriebnahme des Neubaus geben.“ Und: „Rinteln spielt eine besondere Rolle im Medizinkonzept.“ Aber: „Wir machen nicht mit denselben Sachen weiter.“

Neue Fachbereiche sollen in Rinteln etabliert werden, so von Follenius, und später dann ins Gesamtklinikum überwechseln. Damit würden diese Bereiche eine medizinische Grundlage für das künftige Gesamtklinikum auf dem hart umkämpften Gesundheitsmarkt sein. „Wenn wir es nicht tun, tun es andere“, so der KPG-Geschäftsführer. Rinteln soll dabei der Standort für neue Medizinbereiche werden, etwa für ein elektrophysiologisches Labor für Herzkatheteruntersuchungen oder auch für die Neurologie. Weitere Neuerungen habe das Management in Planung, die wollte von Follenius aber nicht kundtun. Auch sollen die Abteilungen Chirurgie und Geriatrie gestärkt werden. Die Kardiologie gewinnt darüber hinaus wieder am Standort Rinteln an Bedeutung – die Abteilung soll aber aus Stadthagen betreut werden.

Die neue Ausrichtung des Rintelner Hauses hat hauptsächlich zwei Gründe. Erstens: 30 Prozent fehlen an Erlösen laut von Follenius in Rinteln, um überhaupt wirtschaftlich zu arbeiten. Mit den Konsolidierungsmaßnahmen, die im Sommer dieses Jahres abgeschlossen worden sind, sei das Management aber an einem Punkt angelangt, wo im Bereich der Kosteneinsparungen nicht mehr viel ginge. Nun solle die Konsolidierungsstrategie in eine „Expansionsstrategie“ umgewandelt werden. Denn in Perspektive braucht das Krankenhaus in Rinteln wieder finanzielle Gewinne – mit neuen medizinischen Angeboten. Weitere Vermietungen von Räumen in der Virchowstraße soll es laut KPG-Geschäftsführer nicht geben. „Wir können den Platz noch brauchen“, so von Follenius.

Zweitens: Patienten müssen wieder stärker an das Rintelner 100-Betten-Haus gebunden werden. In Rinteln liegt die Fallzahl derzeit jährlich bei rund 4000. Sollen die Berechnungen für das Vehlener Gesamtklinikum nicht fehlschlagen, sind die Planer auch auf die Patienten angewiesen, die sich bislang in Minden, Hameln oder Lemgo behandeln lassen. „9000 bis 10 000 Patienten verlassen den Landkreis jedes Jahr“, so von Follenius. Es gelte, dieses Potenzial (wieder) zu gewinnen. „Ob es gelingt, Patienten zurückzugewinnen, kann ich heute auch noch nicht sagen“, so von Follenius. „Das wird sich erst zeigen, wenn der Neubau in Vehlen steht.“ Die Inbetriebnahme ist nach wie vor für das Jahr 2015 vorgesehen.

In Follenius’ Aussage „recht bald“ vermisste der Fördervereinsvorsitzende Dieter Hanke aber einen konkreten Zeitpunkt für die Einrichtung der neuen Fachbereiche. „Das muss so schnell wie möglich passieren“, sagte Hanke. „Das kann noch etwas dauern“, entgegnete von Follenius. Man müsse erst Personal dafür ausbilden, Fachkräfte seien schließlich rar.

Und überhaupt: das Personal. Im Zuge der „Harmonisierung“ der Krankenhäuser in Rinteln, Stadthagen und Bückeburg – und dies zudem noch unter dem Dach des neuen Hauptinvestors Agaplesion – gebe es noch etliche Herausforderungen für die Klinikplaner. Eine davon ist die Harmonisierung von drei unterschiedlichen Betriebskulturen in Rinteln, Bückeburg und Stadthagen. Dazu müssen laut von Follenius Strukturen und Prozesse in EDV, Pflege und Verwaltung vereinheitlicht werden. Was das medizinische Personal betrifft, werde es in Zukunft einen „Austausch der Mitarbeiter“ geben. Heißt: Personal, das in Rinteln angestammt ist, soll künftig auch in Bückeburg oder Stadthagen – und andersherum – eingesetzt werden. Das ist zumindest der „Wunsch“ der Krankenhausprojektgesellschaft – um einen „Know-How-Transfer“ im Zuge der Zusammenführung der drei Häuser zu bewirken. Schwierigkeit: Für die Mitarbeiter müssen erst Überlassungsverträge ausgearbeitet werden, denn noch sind das Krankenhaus Bethel und die Kreiskrankenhäuser Rinteln und Stadthagen unterschiedliche Gesellschaften.

Was aus dem Rintelner Krankenhaus wird, wenn der Neubau in Vehlen voraussichtlich 2015 in Betrieb ist, steht allerdings noch in den Sternen. Auf Nachfrage des Fördervereins, wie ab 2015 eine Nachnutzung an der Virchowstraße aussehen könnte, sagte von Follenius: „So weit sind wir noch nicht.“

Bis dahin wird der Rintelner Förderverein weiter das tun, was im Rahmen der Möglichkeiten finanziell unterstützt werden kann. In den vergangenen fünf Jahren haben die Freunde und Förderer immerhin 23 000 Euro beigesteuert. Die anstehenden Aufgaben wird der Verein mit dem bewährten Vorstand angehen: Dieter Hanke wurde ebenso wie Schatzmeister Torsten Clausing und Geschäftsführerin Iris van Houten-Eichler wiedergewählt.




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