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Nach nur sechs Monaten schließt Schulter-Gelenk-Chirurgie in Rinteln / Rogge: „Umzug unumgänglich“

Krankenhausbelegschaft ist entsetzt

Rinteln/Landkreis. Die Schulter-Gelenk-Chirurgie galt als Hoffnungsschimmer für das Kreiskrankenhaus in Rinteln. Seit dem 1. Oktober wurden in Zusammenarbeit mit der „Praxis am Wall“ wieder Gelenkoperationen in den Rintelner OPs durchgeführt. Doch nach einem halben Jahr ist jetzt schon wieder Schluss: Die Abteilung wird aus Rinteln abgezogen. Ab dem 1. April operieren die Ärzte Dr. Karl-Heinz Thielke und Dr. Florian Barth im Krankenhaus Bethel in Bückeburg.

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Vorbei also mit den Hoffnungen, die noch bei der Eröffnung der Abteilung im Oktober gehegt wurden. Dem Krankenhaus Rinteln und den dort stetig abgebauten medizinischen Leistungen hätte die Schulter-Gelenk-Chirurgie wieder einen kräftigen Schub geben können, hieß es vor sechs Monaten. Der Landkreis Schaumburg hatte dazu rund 250 000 Euro in moderne Gerätschaften investiert.

Dass nun die Verlegung von Rinteln nach Bückeburg kommt, ist „leider unumgänglich“, sagt Dr. Achim Rogge, Sprecher der Geschäftsführung der Krankenhausprojektgesellschaft (KPG) Schaumburg. Er gibt dafür mehrere Gründe an.

Einer davon: Der Blick sei geschärft auf das Gesamtklinikum in Vehlen, das Anfang 2017 an den Start gehen soll. Dazu gehöre, dass „unsere Fachabteilungen für Unfallchirurgie und Orthopädie und die Fachabteilung Schulter-Gelenk-Chirurgie unbedingt zum ,EndoProthetikZentrum‘, zertifiziert werden“, teilt Rogge mit.

Leiter des künftigen EndoProthetikZentrums soll Prof. Dr. Michael Jogodzinski werden. Er ist seit dem vergangenen Sommer Chefarzt der Fachabteilungen für Unfallchirurgie und Orthopädie an den Standorten in Stadthagen und Bückeburg. Diese beiden Krankenhäuser wurden somit ohnehin für die erwünschte Zertifizierung angemeldet. Einen dritten Standort – Rinteln – zu zertifizieren, sei aber nicht möglich. „Uns wurde mitgeteilt, dass nicht drei Standorte eines Klinikverbundes zertifiziert werden können“, erklärt Karl-Heinz Thielke, Leitender Arzt der Schulter-Gelenk-Chirurgie, zum Abzug aus Rinteln.

Bei der Zusammenarbeit des Agaplesion-Krankenhauses in Bückeburg und den Kreiskrankenhäusern in Stadthagen und Rinteln, die sich noch in kommunaler Trägerschaft befinden, haben sich laut KPG auch Schwierigkeiten mit dem Austausch des Personals dargestellt. Weil aber Dienstverträge zur Arbeitnehmerüberlassung zwischen der Mitarbeitervertretung in Bückeburg und der KPG-Geschäftsführung noch nicht in trockenen Tüchern sind, sei für das kommunale Haus in Rinteln nicht ausreichend qualifiziertes OP-Personal gefunden worden. Ohne Vertrag kann also kein Personal aus Bückeburg in Rintelner OPs arbeiten. Versuche, neue Mitarbeiter für Rinteln zu finden, seien gescheitert. „Es war nicht möglich, für den Standort Rinteln qualifiziertes OP-Fachpersonal, trotz überregional geschalteter Stellenanzeigen, zu finden“, sagt Geschäftsführer Rogge.

Bereits geplante Operationen, die ab April stattfinden, werden weiterhin durchgeführt – nur eben in Bückeburg. Die Operationstermine bleiben bestehen, angemeldete Patienten werden durch das Krankenhaus informiert.

Die neuere Entwicklung des Rintelner Krankenhauses kann man von zwei Seiten betrachten: Die Etablierung der Schulter-Gelenk-Chirurgie hat Geld und Mühe gekostet. Konzepte wurden erarbeitet, eine Station neu eingerichtet, der Operationssaal auf den neuesten Stand der Technik gebracht; die Mitarbeiter in Rinteln haben zumindest für die kommenden zwei Jahre wieder Licht gesehen.

Gestern Abend haben die Beschäftigten des Rintelner Krankenhauses einen offenen Brief verfasst und über die Gewerkschaft Ver.di verbreiten lassen: Sie sind „entsetzt“, heißt es darin – „über die Art und Weise, wie die Geschäftsführung mit den Mitarbeitern im Zusammenhang mit der Schließung der Chirurgie am Standort Rinteln umgeht“. Sie würden weder aus erster Hand unterrichtet, wie die Perspektiven im Klinikum Schaumburg aussehen, noch bekämen sie persönliche Auskünfte über ihre Zukunft im Gesamtklinikum. „Stattdessen wird über unsere Köpfe hinweg und ohne Beteiligung des Personalrats entschieden, wo und wie wir zukünftig zu arbeiten haben“, schreiben die Beschäftigten.

Achim Rogge sieht das so: Das Krankenhaus in Rinteln wird sich jetzt auf „Altersmedizin“ und die, noch nicht abschließend etablierte, Neurologie spezialisieren. „Es sind die Gesundheitsthemen der Zukunft“, sagt er. Dass Fachbereiche wie Geriatrie und Neurologie auf- und ausgebaut werden, sei für den Landkreis Schaumburg deshalb eine „große Chance“. Schon 2016 seien 31,6 Prozent der Bevölkerung im Schaumburger Land 60 Jahre und älter. „In 2025, so Erhebungen des Landesamts für Statistik, trifft das bereits auf 38,5 Prozent aller Bürger Schaumburgs zu.“ Bis dahin aber werden wohl alle Abteilungen längst von Rinteln nach Vehlen umgezogen sein.

Die Fachabteilung Schulter-Gelenk-Chirurgie wird vom Kreiskrankenhaus Rinteln ans Krankenhaus Bethel in Bückeburg verlegt. Die Rintelner Mitarbeiter werfen der Klinik-Geschäftsführung fehlende Information darüber vor. tol



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