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Krankenhaus-Aus: Besucher beklagen „Werbeveranstaltung“

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VON SASKIA HELMBRECHT

Das Unternehmen hatte eine Bilanz angekündigt – und Infos zur Notfallambulanz. Was es stattdessen aus Sicht vieler Besucher gab: eine Werbeveranstaltung für die Gehrdener Klinik.

Klinik-Referent Holger Dorl hatte der NDZ schon vor einigen Tagen auf Anfrage mitgeteilt, es werde auch um die Notfallambulanz gehen. Chefarzt Dr. Martin Memming sprach dagegen plötzlich von einer Falschmeldung. Unter dem Strich sollte die umstrittene Ambulanz außen vor bleiben: „Wir stellen nur heraus, was wir aus der Schließung gemacht haben“, betonte Memming. 60 Betten aus Springe waren vor einem Jahr nach Gehrden verlagert worden.

Gemeinsam mit Prof. Jochen Wedemeyer, Marc Merx und Dr. Jens Uffmann versuchte Memming, die Gemüter zu beruhigen. Einige Springer verließen vorzeitig den Saal. Nach rund 20 Minuten konnten die vier Ärzte ihren Vortrag fortsetzen.

Sie stellten die Entwicklung des Gehrdener Klinikums vor und präsentieren die Arbeit ihrer Klinikbereiche. Gastredner Dr. Uwe Mai informierte danach über Krankenhauskeime. Zum Schluss konnten die Springer Fragen stellen – schnell kamen sie wieder auf die Notfallambulanz zurück.

Einige betonten, sie seien in der Notfallambulanz mit ihren Anliegen mehrfach abgewiesen worden. Andere berichteten, dass die Notaufnahme in Gehrden oft überlastet sei und sie auch dort wieder abgewiesen wurden.

Ein Mitarbeiter vom Rettungsdienst sei sogar mit seinem Patienten zu einer anderen Klinik geschickt worden. „In Springe ist das nie passiert“, betonte er unter Beifall der Besucher, darunter zahlreiche heimische Politiker. „Unser Ziel ist es, die Menschen so gut wie möglich zu versorgen“, entgegnete Memming.

„Das ist hier eine reine Werbeveranstaltung für das Krankenhaus in Gehrden“, rief ein Besucher. Dieser Meinung schloss sich auch Bürgermeister Christian Springfeld an. „Ich hatte mit Zahlen gerechnet. Es ist hart für die Springer, zu hören, wie es jetzt in Gehrden läuft. Ich kann die Reaktionen verstehen, aber die Vortragenden können nichts dafür“, so Springfeld. Die Wunde durch das geschlossene Krankenhaus sei noch lange nicht verheilt. Überrascht habe ihn die Ankündigung, dass das Klinikum an einer Evaluation der Ambulanz arbeite. „Das war mir so bisher nicht bekannt.“

KOMMENTAR Von Christian Zett

„Klinikum Springe – ein Jahr nach der Verlagerung“. Unter diesem Titel hatte das Regionsklinikum seine Veranstaltung angekündigt. Und im Vorfeld noch mal bestätigt, auch die Notfallambulanz solle an diesem Abend ein Thema sein. Und dann? Erst stellt sich Chefarzt Martin Memming vor die versammelte Bevölkerung und bezichtigt die NDZ der Falschmeldung. Danach wird der Abend zur Werbeschau für Gehrden. Aber so geht das nicht: Wer als Verantwortlicher für die Notfallambulanz zum Jahrestag der Krankenhaus-Schließung nach Springe kommt – der muss sich Fragen gefallen lassen. Und der muss erklären, was noch nicht rund läuft und warum – oder wie viele Menschen die Ambulanz tatsächlich nutzen. Alles andere ist nicht nur realitätsfern. Es befeuert auch das Gefühl vieler Springer, wie der Rand der Region behandelt zu werden.



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