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Künstlerische Qualität des Abends überzeugt Publikum

Konzert des Pyrmonter Salons

BAD PYRMONT. Jedes Jahr veranstaltet der Pyrmonter Salon ein Konzert speziell für seine Mitglieder.

Dieses Jahr stand dabei zunächst der Zyklus „6 Lieder Opus 38“ von Sergei Rachmaninov im Zentrum des Programms. Die Wurzeln des Werkes gehen auf das Jahr 1913 zurück, als Rachmaninov die Sängerin, Pianistin und Schauspielerein Nina Koshetz in Moskau kennenlernte. Er spazierte die Straßen entlang, als er plötzlich seine eigenen Werke wundervoll dargeboten aus einem Fenster klingen hörte. Neugierig klopfte er, um die Künstlerin kennenzulernen, es öffnete die damals 22-Jährige, die als Sängerin wie als Pianistin, später in den USA auch als Schauspielerin, Großartiges leistete. Er traf sie 1916 wieder, als er unter schweren Depressionen litt, und sie ihm als treue Freundin zur Seite stand und darüber hinweghalf. Er komponierte am 12. September 1916 an einem Tag fast den ganzen Zyklus und widmete ihn ihr. Das Werk umfasst sechs Lieder nach Texten von Dichtern aus dem „Silbernen Jahrhundert“, in der russischen Philologie ist dies ungefähr die Zeit von 1900 bis 1920, ihr wohl bedeutendster Vertreter ist Alexander Blok. Der Zyklus stellt sowohl die Sängerin wie auch den Pianisten vor außerordentliche Herausforderungen, Luisa Islam-Ali-Zade und dem Pianisten Juri Kudlatsch gelingt dies mit Bravour. Dabei sprengen die expressiven Passagen des Werkes die räumliche Dimension des Salons geradezu und Luisa Islam-Ali-Zade hat Gelegenheit, das enorme Volumen ihrer Stimme dynamisch und gleichzeitig subtil farbenreich zur Geltung zu bringen. Juri Kudlatsch gelingt das Kunststück, dieser großartigen Leistung Gleichwertiges auf dem Flügel entgegenzusetzen, wie dies von Sergei Rachmaninov, der ja selbst einer der größten Pianisten seiner Zeit war, auch beabsichtigt war. Schließlich gibt es durchaus Kommentatoren, die im Opus 38 von einem Klavierkonzert mit Gesangsbegleitung sprechen.

Als weiterer Höhepunkt des Abends war es dem Pyrmonter Salon gelungen, eine Welturaufführung nach Bad Pyrmont zu holen. Vladimir Genin, der das Tschaikowsky Konservatorium in Moskau absolvierte und heute in München lebt und arbeitet vertonte ein Gedicht der ukrainischen Journalistin, Übersetzerin und Lyrikerin Jewgenia Komarova, „Das Lied des Knappen“. Heraus kam ein unglaublich rhythmisches, forderndes, immer nach vorn drängendes, manchmal auch aggressives Lied, in dem der Knappe seinen Ritter fast schon demagogisch von der Seite seiner Frau weg in den Krieg reißt.

Das Publikum zeigte sich tief beeindruckt und dankte mit einem lang anhaltendem Beifall.red




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