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WGS rügt "unerträglichen Flächenverbrauch", Kritik auch von Grünen und SPD / Rat hat letztes Wort

Kontroverse Diskussion um Kirschenallee

Rinteln (wm). Das Neubaugebiet "Kirschenallee" in der Nordstadt, für das jetzt ein Bebauungsplan aufgestellt werden soll, hat unter Kommunalpolitikern eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Auf rund 30 000 Quadratmetern Ackerland nördlich des Helene-Brehm-Weges sollen etwa 35 Einfamilien- oder Doppelhäuser entstehen. Der Ortsrat stimmte für den Bebauungsplan, im Bauausschuss ist das Thema vertagt worden, der Verwaltungsausschuss sprach sich in der letzten Woche für die "Kirschenallee" aus - jetzt hat der Rat das vorläufig letzte Wort.

Das Luftbild zeigt, was die Grünen und die WGS stört: Das Neubau

Vehemente Gegner dieser Bebauung in Waldrandnähe sind die Wählergemeinschaft (WGS) wie die Grünen. Für Antje Rinne und Gert Armin Neuhäuser von der WGS ist das "unerträglicher Flächenverbrauch". Gerhard Helmhold (Grüne) listete eine ganze Reihe von Gründen auf, die gegen das Neubaugebiet sprächen: Neue Häuser führten zu neuen Leerständen, damit zum Verfall von Immobilienpreisen und Bausubstanz, Stichwort "Schandflecke". Einig sind sich WGS und Grüne, eine schrumpfende Bevölkerung müsse die neu geschaffene Infrastruktur unterhalten. Hier stimmt auch CDU-Ratsfrau Barbara Leibelt-Menzel zu: Jede Straße, jeder Kanal, auch der Schülertransport - alles gehe letztlich auf Kosten der Steuerzahler. Auch in der SPD gibt es kritische Stimmen. Dieter Horn zeigte sich wenig glücklich über die Entscheidung des Verwaltungsausschusses, der sich über den Beschluss des zuständigen Bauausschusses hinweggesetzt habe. Es gebe keinen Grund, sich hier unter Zeitdruck zu setzen. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz kann den Widerstand nur bedingt nachvollziehen. Alle Parteien hätten den geltenden Flächennutzungsplan beschlossen, in dem dieses Gebiet bereits ausdrücklich für eine weitere Wohnbebauung berücksichtigt sei. So argumentiert auch Achim Lüders von der Sparkassen-Tochter Immobilien Development Gesellschaft (IDB) Schaumburg, die die Fläche erschließen will: Das Gebiet sei seit Jahren "Bauerwartungsland". Lüders geht davon aus, dass die Immobilienabteilung Ende 2008 mit der Vermarktung beginnen könnte. Die Grundstücke sind um die 700 Quadratmeter groß, was auch die Anlage einer Rasenfläche rund ums Haus ermögliche, seien gedacht für mobile Familien, die stadtnah, aber trotzdem im Grünen wohnen wollen. Das von den Allee-Gegnern immer wieder vorgebrachte Argument, es gebe 288 Baulücken in der Stadt, sei zwar richtig, so der Bürgermeister, aber relativ, weil diese Flächen zunächst nur auf dem Papier verfügbar sind: Wenige seien bereit, so ein Grundstück zu verkaufen. Buchholz betonte mit Blick auf die Grünen, man werde sicher in diesem Baugebiet ökologische Vorgaben festschreiben, die von den Bauherren auch eingehalten werden müssten, wie beispielsweise den Einbau von Photovoltaik-Technik oder Wärmepumpen. Und selbstverständlich werde die Hanglage bei der Erschließung berücksichtigt: "Der Investor muss ein Regenrückhaltebecken bauen." Helmhold sieht die Situation grundsätzlicher: Die Ausweisung immer neuer Wohnbau- und Gewerbeflächen laufe auf einen Verdrängungswettbewerb hinaus, auch die Rechnung, man könne Nachbarstädten "Kaufkraft abluchsen", werde nicht aufgehen, "denn dort rüstet man ja in gleicher Weise auf". Helmhold: "Wir müssen in der Stadtentwicklung einen drastischen Kurswechsel einleiten." Hier hakt auch Barbara Leibelt-Menzel ein: "Die Rezepte von vor 20 Jahren funktionieren nicht mehr." Und selbst Buchholz geht angesichts der demographischen Entwicklung davon aus: "Es wird sicher einer unserer letzten Bebauungspläne werden."



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