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Kontrolle ohne Verkehr: Polizei überwacht Nienstedter Pass

EIMBECKHAUSEN/NIENSTEDT. Es kletterten einige Zweiräder am Sonnabend den Berg bis zum Nienstedter Pass hinauf – allerdings ohne Motor, wie die 15 Polizisten und zwei Mitarbeiter des Landkreises feststellen mussten: Die groß angelegte Verkehrskontrolle hatte nur mäßigen Erfolg.

Einzelfall am Sonnabend: Die Polizei winkt einen Motorradfahrer auf dem Nienstedter Pass raus. An der Maschine wurden zwar ein paar Teile ausgetauscht – bei dem Modell ist aber nach Begutachtung der Beamten nichts unerlaubt. Fotos: Dittrich
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

DIe Beamten standen am Sonnabend entlang der Strecke von Eimbeckhausen über Nienstedt bis nach Egestorf mit einer spezialisierten Einheit für frisierte Motorräder

„Bei dem Wetter sind nicht viele Gruppen unterwegs“, erklärte ein Beamter der „Krad-Kontrollgruppe“. Die Sondereinheit setzt sich aus Beamten aus dem gesamten Gebiet der Polizeidirektion Göttingen zusammen.

Kontrolliert werden beliebte Motorradstrecken bei Hildesheim, an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und im Harz. Die Kontrollen sind allerdings schon länger im Kalender der Beamten eingetragen und können nicht spontan umgelegt werden, wenn das Wetter nur vereinzelt Motorradfahrer auf den Asphalt lockt – so wie am Sonnabend in Nienstedt. Am Vormittag hingen die Wolken tief über dem Deister, die feuchte Kälte verschwand erst tagsüber. Kein Wetter für Motorradgruppen und selbsternannte Rennfahrer.

Entsprechend nüchtern fällt die Bilanz aus: Von 11 bis 16.30 Uhr wurden nur vereinzelt Motorräder und Autos mit der Kelle auf den Parkplatz gebeten. „Insgesamt 8 Geschwindigkeitsüberschreitungen“, bilanziert Polizeikommisar Jan Rückerl vom Kommissariat Bad Münder. Zwei davon waren über zwanzig Kilometer pro Stunde zu schnell. Getunte Motorräder fanden sich nicht darunter. Trotzdem warnt Polizeipräsident Uwe Lühring die Motorradfahrer: „Eine der Hauptunfallursachen ist nach wie vor überhöhte Geschwindigkeit.“ Vor allem zu Saisonbeginn überschätz sich der ein oder andere Fahrer, so Lührig, der selber Motorradfahrer ist.

Neben den Tempoverstößen hatten die besonders geschulten Polizisten frisierte Maschinen im Visier. „Bei Harleys sind fast 95 Prozent der Maschinen nicht mehr im Originalzustand“, erklärt ein Beamter, gleiches treffe auf Sportmotorräder zu. „Vieles ist nicht erlaubt. Außerdem sind die Maschinen oft schon an der Grenze des Erlaubten gebaut.“ Andere Reifen, neue Verkleidungen, Spiegel, Kennzeichenhalterungen und ähnliches – kein Problem. „Der Sportauspuff ist eigentlich die Regel.“ Für solche Veränderungen muss aber eine Betriebserlaubnis vorliegen – für viele Anlagen gibt es die aber nicht, und damit sind die Umbauten illegal. Vor allem laute, manipulierte Abgasanlagen erzürnen seit Jahren die Anwohner entlang der Landesstraße in Eimbeckhausen und Nienstedt (wir berichteten).

Die Bürgerinitiative gegen Motorradlärm in Eimbeckhausen hatte viel Hoffnung in die Kontrollen gesetzt. Vor allem in Eimbeckhausen knattern an sonnigen, warmen Tagen die Motorräder mit aufgedrehtem Gashebel durch den Ort. Der Verdacht: Die Fahrer, die den Pass als Rennstrecke sehen, haben die Maschinen oft aufgebohrt, damit sie schneller und sportlicher fahren – und vor allem auch deutlich lauter unterwegs sind. „Wir hatten immerhin einen ruhigen Sonnabend“, bilanziert Wolfgang Marquardt, Sprecher der Initiative, nüchtern.

„Es spricht sich aber immerhin rum, dass was gemacht wird.“ Eine seiner Befürchtungen bewahrheitete sich zumindest nicht: Der große Ansturm am Sonntag blieb nach den Kontrollen am Vortag zunächst aus. „Wir hatten schlimmeres erwartet“, so Marquardt, „Einen Tag nach den Kontrollen lassen sie es meistens richtig knallen.“

Auch wenn der Motorradlärm nicht direkt verboten ist, sehen die Anwohner das Recht auf ihrer Seite, denn die Straßenverkehrsordnung verbietet unnötiges hin- und her Fahren auf den Straßen – was auf dem Nienstedter Pass regelmäßig der Fall sei.

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