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Konjunkturpaket zwei, drei, vier…

Wie uns aus gut unterrichteten Kreisen zugetragen wurde, plant die derzeitige Bundesregierung ein weiteres Konjunkturpaket. In Zeiten des Wahlkampfes ist eben nichts unmöglich und auf die paar Milliarden kommt es ja nun wirklich nicht mehr an. Es geht wieder um eine Abwrackprämie, aber – und jetzt wird es spannend – das neue Zauberwort heißt „Gartenprämie“. Wer seinen Garten abwrackt, erhält einen Bonus von Vater Staat hinzu. Sollten Sie dies als einen verspäteten Aprilscherz ansehen, so bleibt es Ihnen gerne selbst überlassen. Von weiteren Rückfragen Ihrerseits möchten wir dennoch dankend absehen, da unsere Telefonhotline bereits jetzt überlastet ist und wir Ihnen das Schmoren in der Warteschleife nicht zumuten wollen.

Die goldene Ratte: Ein missglückter Bär, der nicht weiß, was er

Autor:

Gabriele Schmedesund Jens Tippel

Mit der Gartenabwrackprämie wird beabsichtigt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. So sollen zum einen alle notleidenden Gärtner und Gartenmärkte, Baumärkte und Baumschulen unterstützt und zum anderen blühende Gartenlandschaften gezaubert werden. Diese geradezu geniale Idee gleicht der Quadratur des Kreises, denn durch das Manna in Euroform wird nicht nur die Wirtschaft angekurbelt, sondern gleichzeitig auch noch unser seelisches Wohlbefinden in Form schöner Gärten gesteigert.

Die Steigerung unseres Wohlbefindens wiederum lässt uns optimistischer in die Zukunft blicken, wodurch wir uns in der Folge am eigenen Schopfe aus der Krise ziehen können.

In einem internen Diskussionspapier geht die Bundesregierung sogar noch weit über die Gartenabwrackprämie hinaus. So formuliert sie forsch, dass insbesondere Regionen, die in Zeiten der Krise trotz Verschuldung gewaltig in ihre jeweiligen Stadtsäckel greifen, um die Innenstädte aufzuhübschen, mit einem sogenannten „Mutbonus“ belohnt werden sollen. Angedacht ist hierbei eine Bevorzugung der westlichen Bundesländer, da – wir erinnern uns – der unvergleichliche Helmut Kohl ja bereits die ostdeutschen Landschaften und Städte zum Blühen gebracht hat. Nun wäre es vermessen, überhaupt auch nur anzunehmen, dass seine Ziehtochter Angela sich ein ähnliches Denkmal für die alten Bundesländer setzen möchte. Sei’s drum! Entscheidend ist das Ergebnis.

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Hameln nimmt eine Vorreiterrolle ein

Wie wir aus einer namentlich nicht zu benennenden Quelle aus dem inneren Zirkel der Macht in Erfahrung bringen konnten, spielt gerade Hameln bei der Idee des Mutbonus’ eine Vorreiterrolle und wird in dem Diskussionspapier mehrfach lobend erwähnt. Diese Stadt zeigt Mut. Hat sie es doch geschafft, mit einer kniffligen Fragestellung ihre Bürger im Rahmen einer Volksbefragung davon zu überzeugen, dass die Innenstadt einer umfangreichen Sanierung bedarf. Dies alleine würde wohl nicht den Ausschlag dafür geben, dass in absehbarer Zeit das Füllhorn des Euro in Form des Mutbonus’ über der Rattenfängerstadt ausgeschüttet werden wird.

Nein, es ist eine klitzekleine Kleinigkeit, warum dieses pittoreske Städtchen überhaupt erst ins Visier der großen Politik aus Berlin geraten ist und als herausragendes Beispiel für Krisenbewältigung aufgeführt wird. Die Ratte war es – und zwar eine spezielle – die vermutlich jeder von Ihnen schon gesehen hat. Die goldene Ratte auf der Inselbrücke, die aus der Entfernung so aussieht wie ein missglückter Bär, der auf der Verstrebung der Brücke gelandet ist und gar nicht so recht weiß, was er dort soll. Diese Ähnlichkeit zwischen der kleinen Hamelner Ratte und dem großen Berliner Bären schafft eine Verbindung, die weit über Städtepartnerschaften hinausgeht und ein dauerhaftes Band knüpft zwischen den beiden ungleichen Städten. Hier die Politik im Kleinen, die dafür Sorge trägt, dass alles viel, viel schöner wird. Dort die große Politik in der Hauptstadt, die sich darum müht, es wirklich jedem recht zu machen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und einen Zusammenhang mit der Bundestagswahl im Herbst herstellt.

Mut und Weitsicht der Stadtväter…

Nehmen wir uns also ein Beispiel an dem Mut und der Weitsicht unserer uns umsorgenden Stadtmütter und -väter und handeln auch im Kleinen, indem wir zügig unsere Gärten in Angriff nehmen. Dank der kurz vor der Realisierung stehenden Gartenabwrackprämie wird uns dieses ein Leichtes sein und die blühenden Landschaften werden auch im schönen Weserbergland Einzug halten.



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