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Was der Coppenbrügger Wochenmarkt mit Europa zu tun hat und warum ein Ratsbeschluss nötig ist

Kommt jetzt Juan mit spanischen Oliven?

Coppenbrügge (ist). Maischolle aus Bad Münder, zwischen Eiern aus Bessingen links und Mohnkuchen aus Bennigsen rechts, am Burggraben gegenüber Gemüse und Obst aus Pennigsehl an der Weser zwischen Hausmacher-Wurst aus Elze und Hachmühlen, die Mitte des Marktes teilen sich Blumen aus Groß Berkel und Bratwurst aus Bad Pyrmont: Das Angebot der acht Stände an diesem Freitag auf dem Coppenbrügger Wochenmarkt ist ebenso übersichtlich wie die Besucherzahl. Von Hand zu Hand über die Auslagen geht ausschließlich Regionales aus deutschen Landen frisch auf den Tisch. Was den meisten Besuchern („Hauptsache: Bratwurst!“) wie Gisela Bauer aus Marienau durchaus genügt. Wilfried Schnake und Adolf Hecht dagegen würden auch bei „ein paar“ Oliven gern mal zugreifen… Ein Wunsch, der aktuell – zumindest EU-verwaltungsrechtlich – durchaus in Griffnähe gerückt wird.

Mit Blumen und vor allem Bratwurst sind vor der Burg die besten

Das internationale Warenangebot an der Supermarkttheke ist längst Spiegel von erleichterten Handelsbeziehungen in Zeiten von Globalisierung und Europäisierung. Vereinfachte grenzüberschreitende und einheitliche Zulassungsbestimmungen für alle Dienstleistungsanbieter innerhalb der EU – wie unter anderem die Markthändler – sollen auch das Angebot der kommunalen Wochenmärkte über die Ernte des regionalen Gemüsegartens hinaus europäisieren.

Das sieht die EU-Dienstleistungsrichtlinie (DL-RL) vor. Im Zuge der Umsetzung sind die Kommunen aufgefordert, sämtliche Rechtsverordnungen, unter anderem die Marktsatzung, zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu fassen. „Ziel der Dienstleistungsrichtlinie ist die Förderung des Binnenmarktes für Dienstleistungen als einen der Grundpfeiler der europäischen Integration“, so die Europäische Kommission. Das heißt: gleiches Recht und Genehmigungsverfahren für den Olivenstand des spanischen Händlers oder die französischen Austernfischer wie für Fisch-Neumann aus Bad Münder auf dem Coppenbrügger Wochenmarkt. Das könnte heißen: breitere Angebotspalette für Marktbesucher, aber möglicherweise härtere Zeiten für regionale Anbieter.

Die Landkreisverwaltung werde als regionaler „einheitlicher Ansprechpartner“ vor Ort Schaltzentrale der elektronischen Antragstellung sein; Gleichzeitig sollen durch Einrichtung eines EG-Binnenmarktinformationssystems (IMI = Internal Market Information System) einheitliche EU-Qualitätsstandards geschaffen werden, erkärt Jens-Uwe Schaper von der Gemeindeverwaltung Coppenbrügge. Im Flecken wurde jetzt die Marktsatzung entsprechend geändert und die örtliche Marktgebührensatzung insgesamt überarbeitet und anschließend vom Rat abgesegnet.

Wenn Eier, dann aus der Nähe und aus Bessingen. Das gilt für vie
  • Wenn Eier, dann aus der Nähe und aus Bessingen. Das gilt für viele Marktbesucher schon seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als es den Wochenmarkt an der Burg noch gar nicht gab. Fotos: ist

Ob sich allerdings die Angebotspalette auf dem Marktplatz vor der Burg gesamteuropäisch verändern wird, bleibt abzuwarten. Der holländische Käsestand, den es irgendwann schon mal gab, wie sich Stammbesucher erinnern, sei auch ohne EU-rechtliche Vereinfachung irgendwann weggeblieben.

Und ob Juan aus Spanien wirklich schon lange auf die vereinheitlichte Standgenehmigung für seine mallorquinischen Oliven – freitags in Coppenbrügge statt in Palma – gewartet hat, bleibt abzuwarten.

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