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Bei einer Schlemmertour durch Umbrien führt kein Weg an Kultur und Geschichte vorbei

Köstliche Trüffel, kleine Trattorien und Giotto

Perugia. Weit mehr noch als die Touristen scheint Umbrien ein spezielles Licht anzuziehen – milde Sonnenstrahlen, die sich über die sanft gewellten Hügel dieser kleinen Schwester der Toskana legen. Umbrien gilt als das grüne Herz Italiens. Die traditionsreiche Region hat Kultur und Gastronomie immer hochgehalten – und so Heilige, Maler und Päpste angezogen. Schon die Etrusker und die Römer schätzten den bergigen Landstrich fernab des Meeres.

Autor:

Hanns-Jochen Kaffsack

Und heute? Weltweit bekannte Jazzfestivals, Theatertreffen und internationale Schokoladenmessen locken ihre Fans an. Und viele pilgern von den luftigen Höhen Perugias aus bei jedem Wind und Wetter in das nahe Assisi, wo der Heilige Franziskus gewirkt hat und begraben liegt. Die Region der mittelalterlichen Städte und Bergdörfer, umrahmt von Olivenhainen und Weinbergen, nimmt den Ansturm gelassen – zumal er sich auf wenige Zentren beschränkt. Hier könnte die Langsamkeit erfunden worden sein. Man sollte sich die Zeit und Muße nehmen, die zwischen Toskana, den Marken und Latium eingeklemmte Gegend zu befahren, den geschichtsträchtigen Trasimenischen See zu umrunden oder die beeindruckende Kathedrale von Orvieto zu bewundern. Auf der Route liegen stets auch einige umbrische Trattorien. Auf den Teller kommen schmackhafte Trüffel, ins Glas guter Wein.

Umbriens Metropole, das mittelalterliche Perugia, ist international und jugendlich, trotz ihres hohen Alters. Das liegt daran, dass die 150 000-Einwohner-Stadt seit bald einem Jahrhundert eine bekannte internationale Universität beherbergt. Sie lockt Tausende junge und lebenshungrige „Stranieri“, Ausländer aus aller Welt, nach Umbrien. In den Gassen Perugias ist immer etwas los. Ausgelassenes junges Volk nimmt Kurs auf die bevorzugte Pizzeria oder eine gemütliche Weinschenke.

Im Sommer bringt das renommierte Umbria Jazz Festival Größen wie Chick Corea, Herbie Hancock, Pat Metheny oder Manhattan Transfer in die heiligen Hallen des Teatro Morlacchi. Oder lässt sie ihre Musik im Oratorio di Santa Cecilia präsentieren. Halb Mittelitalien scheint die Straßen rund um die Fontana Maggiore und den Palazzo dei Priori zu füllen, wenn im Oktober das internationale Schokoladenfestival steigt. Hunderte von Ständen quellen über mit süßer Ware in fantasievoller Form. Es gibt Reißverschlüsse aus Schokolade, CDs zum Anknabbern, vom Drehspieß abgeschabten, zuckersüßen „Kebab“, Schokomasse fest und flüssig, von Weiß bis Pechschwarz. Bevor einem von all dem schlecht zu werden droht, liegt es nahe, eine der versteckten Osterien in einer Nebengasse aufzusuchen, für handfestere umbrische Kost. Auch wenn draußen keine Speisekarte hängt – drinnen warten landestypische Köstlichkeiten wie das „Risotto alla norcina“ oder die „Strangozzi“-Spaghetti. Aber genug mit der Schlemmerei. Umbrien bietet schließlich auch Geschichte.

Schöner Schlusspunkt: Von Castiglione aus lässt sich der Trasimenische See mit seinen Inseln überblicken.

Von Perugia aus erreicht der Reisende nach kurzer Fahrt Assisi. Hier kann er etwas von der religiös-revolutionären Luft des heiligen Predigers der Armut schnuppern. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass Ruhe und Beschaulichkeit in der Ober- und Unterkirche der Basilica di San Francesco Fremdwörter sind, ebenso in der Krypta des von Millionen verehrten Franziskus. Aber man sollte sie auf jeden Fall gesehen haben, diese meisterhaften und frisch restaurierten Fresken von Giotto und seinen Schülern.

Dem Staunen über die Freskenkunst folgt auf dem Weg nach Spoleto im Süden Umbriens ein kulinarischer Leckerbissen. Der Ort Torgiano hat sich unter Weinfreunden für seine edlen Tropfen einen Ruf erarbeitet, vor allem dank der Kunst der adeligen Familiendynastie der Lungarotti, das Beste aus den Trauben herauszuholen. Die Lungarottis beließen es nicht dabei, die Weinberge rund um Torgiano bestens zu pflegen. Auf sie geht auch das Weinmuseum zurück. In Torgiano achtet man darauf, was auf den Teller kommt und was ins Glas, vorzugsweise aus der Gegend und traditionell zubereitet. Ein Gedicht ist das Weinmuseum, das auf mehreren Etagen alles um den Wein und seine Geschichte zeigt. Die Entdeckungsreise durch das grüne Umbrien bleibt in ihrem abwechslungsreichen Rhythmus, wie den anmutig geschwungenen Linien der Berge und Hügel angepasst. Zehn Monate im Jahr gibt sich das Städtchen Spoleto kontemplativ. Im Juni und Juli aber brummt es vor Kultur. Spoleto scheint dann eine einzige Bühne für Musik und Theater, Oper und Tanz zu sein. Das Festival zieht die großen Namen ebenso an wie junge Performancekünstler. Peter Brook, Robert Wilson, Hans Werner Henze – sie alle kommen mit ihren Produktionen nach Spoleto. Zu Festivalzeiten ist kein Zimmer frei.

Einen Ausflug wert ist der nahegelegene Lago di Trasimeno: Hier hatte der karthagische Feldherr Hannibal einst den Römern eine ihrer blutigsten Niederlagen zugefügt. Heute liegt der See friedlich da – solange es die vielen Camper mit dem Lärm nicht übertreiben. Als letzte Station auf der Rundreise bietet sich Castiglione del Lago an, um über den See mit seinen Inseln gen Osten auf Umbrien zu blicken. Und die Fahrt durch das „grüne Herz Italiens“ noch einmal Revue passieren zu lassen.

Weitere Informationen: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt, Tel. 069/ 23 74 34, im Internet: www.enit.de, www.umbria-turismo.it.




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