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Klinik-Übernahme: Aus Nachbarn werden Kollegen

BAD MÜNDER. Symbolträchtiger geht es kaum: Kaum sind die Mitarbeiter der Rehabilitationsklinik über die geplante Übernahme durch die Mediclin AG zum 1. Mai informiert, werden die Verbindungen intensiviert – durch direkte Datenleitungen, die die benachbarten Kliniken am Deisterhang zu einem System zusammenschließen.

Kaum 100 Meter trennen die Reha-Klinik von der Mediclin-Einrichtung am Deisterhang. Techniker verlegten gestern Datenkabel zwischen den Kliniken. Fotos: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Dass die Mediclin AG, die in Bad Münder bereits die Deister-Weser-Klinik, einen Pflegedienst und eine Seniorenresidenz betreibt, auf der Suche nach Erweiterungsmöglichkeiten war, war am Deisterhang bereits seit Längerem bekannt. Erst vor wenigen Jahren hatte der Mediclin-Konzern seine Klinik am Standort aufwendig erweitert, dabei wurde allerdings auch auf Schwierigkeiten weiterer Erweiterungen im Bebauungsplan hingewiesen. Weitere Klinik- und Bettenkapazitäten in direkter Nachbarschaft zur bestehenden Einrichtung – die Idee, sich um die Reha-Klinik der insolventen Awo-Gesundheitsdienste zu bemühen, lag nah. Dennoch hat es mehr als ein Jahr gedauert, bis auch für die letzte verbliebene Einrichtung der Awo GSD ein Käufer gefunden wurde. Zum 1. April 2016 waren die Deister-Süntel-Klinik und die Präventions- und Rehabilitationsgesellschaft der Awo GSD verkauft worden.

Mehr als ein Jahr, das für die Beschäftigten eines insolventen Arbeitgebers eine ständige Ungewissheit über die Zukunft ihres Arbeitsplatzes mitschwingen ließ – und sich zu Beginn auch auf die Belegungszahlen auswirkte. Der große Vorteil der Reha-Klinik gegenüber anderen Awo-GSD-Einrichtungen allerdings war, dass schwarze Zahlen geschrieben wurden, ein Verkauf in Ruhe vorbereitet werden konnte.

„Die Rehabilitationsklinik wird künftig ein wesentlicher Bestandteil der Mediclin Deister-Weser-Kliniken am Standort Bad Münder sein“, heißt es in der Mitteilung, mit der die Übernahme angekündigt wird – und bei der Mehrzahl der Mitarbeiter hat diese Ankündigung für Erleichterung gesorgt. Zwar kündigt Jan Kiemele, Kaufmännischer Direktor der Mediclin Deister-Weser-Kliniken, an, dass „sich bietende Synergieeffekte bestmöglich“ genutzt werden sollen, gleichzeitig aber könnten die Arbeitsplätze in der Rehabilitationsklinik durch die Übernahme weitgehend erhalten bleiben. Komplett übernommen werden sollen die Beschäftigten im ärztlichen Dienst, Pflegedienst, medizinisch-technischen Dienst, Funktionsdienst und im technischen Dienst. Rund 100 Mitarbeiter sind derzeit in der Rehabilitationsklinik beschäftigt. Nach NDZ-Informationen sollen die eigene Küche der Reha-Klinik sowie das klinikeigene Reinigungspersonal nicht übernommen werden. Betroffen wären dadurch rund 35 Mitarbeiter. Allerdings sei, so berichten Mitarbeiter, signalisiert worden, dass in Tochtergesellschaften der Mediclin eine größere Anzahl neuer Stellen geschaffen werde und sich dadurch die Zahl der Mitarbeiter, die nach der Übernahme ohne Job sein werden, deutlich reduzieren könnte. In diese Richtung deutet auch die Ankündigung Kiemeles: „Den Mitarbeitern, die nicht übernommen werden können, wird die Möglichkeit geboten, sich auf Stellen innerhalb des Mediclin-Konzerns zu bewerben.“

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