×
In Zukunft mehr Schlaganfallpatienten / 90-Jährige kann nach Ergotherapie wieder Haushalt führen

Klinik für demografischen Wandel gewappnet

Hessisch Oldendorf (ah). Die Menschen werden immer älter, Schlaganfälle und Herzinfarkte nehmen zu. Der Grund hierfür liegt in Gefäßverkalkung, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen, altersbedingten Erkrankungen, die die Gefäßwände schädigen und das Schlaganfallrisiko überproportional ansteigen lassen. Darauf muss sich die medizinische Versorgung einstellen, müssen auch Spezialkliniken reagieren.

In Hessisch Oldendorf befindet sich die BDH-Klinik, die ehemalige Neurologische Klinik, mitten in der Stadt und doch ein wenig verborgen auf einer Anhöhe gelegen. Erst vor wenigen Jahren wurde dort eine Stroke Unit eröffnet, die eine Akutversorgung mit hochqualifizierter Frührehabilitation neurologisch schwerstbetroffener Patienten bietet. Wie bereitet sich diese Klinik auf den demografischen Wandel vor? Längst hat sie ihn selbst zu spüren bekommen, ist doch der Altersdurchschnitt der behandelten Patienten im Zeitraum von 2004 bis 2007 um fast zehn Jahre, von 54 auf 64 Jahre, gestiegen.

„Für die Neurologie sind wir ein echter Primärversorger, der Rettungsdienst liefert akute Schlaganfallpatienten bei uns ein, weil jede Minute zählt“, berichtet der Geschäftsführer der Klinik, Uwe Janosch. Da es eine Warteliste für den Bereich Frührehabilitation auf der Intensiv- und Überwachungsstation gibt, ist geplant, die Plätze von 13 auf 25 zu erweitern. Dafür notwendige Baumaßnahmen stellte die Klinikleitung erst im vergangenen Monat Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann vor, um im aktuellen Krankenhausinvestitionsprogramm des Landes berücksichtigt zu werden. „Ich bin angesichts des nachweislichen Bedarfs und der Einmaligkeit unseres Angebotes zuversichtlich, dass wir die Intensiv-Erweiterung bereits Ende 2010 eröffnen können“, so Janosch. Er fährt fort: „Außerdem werden wir auf allen Stationen den Unterbringungsstandard verbessern, Dreibettzimmer abschaffen und für größere, moderne, voll behindertengerechte Räumlichkeiten sorgen.“ Bereits im Oktober beginnt eine Baumaßnahme, bei der bei gleichbleibender Bettenzahl eine Fläche von jeweils 450 Quadratmetern an die Stationen 1 und 2 angebaut wird.

Trotz hochmoderner Technik hebt sich die BDH-Klinik, in der viele Fachdisziplinen gerade im Bereich der Therapie zusammenarbeiten, von großen medizinischen Versorgungszentren ab. Die Akut-Medizin macht nur einen kleinen Teil ihres Angebotes aus. Der besondere Charme der Klinik liegt in der sogenannten phasenübergreifenden Rehabilitation, der durchgehenden Reha-Kette von der Intensivstation bis zur Station 3 beziehungsweise bis in die Berufswiedereingliederung. Dieses Behandlungsziel hat sich in der letzten Zeit verändert: Es gilt, den zunehmend älteren Patienten die Rückkehr in die Eigenständigkeit zu ermöglichen. Dafür müssen die Therapeuten, die früher jüngere Menschen, Verkehrsunfallopfer behandelten, andere, alters- und alltagsspezifische Übungen entwickeln und durchführen. Hierzu ist der Bereich der hauswirtschaftlichen Ergotherapie mit traditioneller Kücheneinrichtung und normalen hauswirtschaftlichen Geräten bestens geeignet. Dort können die Patienten die Zubereitung von Mahlzeiten, das Waschen von Kleidung, Bügeln und Zusammenlegen trainieren. Diese zielgerichteten, sehr alltagspraktischen Übungen motivieren insbesondere die Patientinnen. Im Bereich der Physiotherapie steht die Sicherung der Koordination der Bewegungen im Vordergrund. Nicht nur das Gehen, auch Treppensteigen steht dabei auf dem Programm. Spezielle sozialpädagogische Angebote, zu denen unter anderem Gedächtnis- und Konzentrationsübungen gehören, unterstützen die Rückkehr möglichst in die gewohnte Umgebung. Uwe Janosch berichtet von einer über 90-jährigen Patientin, die bis zu ihrem Schlaganfall eigenständig ihren Haushalt führte. Nach erfolgreicher Lyse-Therapie auf der Stroke Unit und anschließendem Reha-Programm, das sie gerade in der Ergotherapie auf ihre Tätigkeiten in der eigenen Wohnung vorbereitete, wird sie selbstständig weiterleben können.

Der Geschäftsführer der Klinik verliert nicht aus den Augen, „dass unser eigenes Personal durch zumeist langjährige Mitarbeit ja auch dem Alterungsprozess unterworfen ist“. Dem demografischen Wandel wird die BDH-Klinik daher nicht nur mit baulichen und therapeutischen Veränderungen, sondern auch mit entsprechender Personalplanung begegnen.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt