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LZ-Gepräch mit Wissenschaftsminister Lutz Stratmann / 150 000 Euro für Kooperations-Projekte

"Kleine Museen sollten sich zusammenschließen"

Bückeburg. Er war nicht das erste Mal in Schaumburg - und er will wieder kommen: Lutz Stratmann (CDU), niedersächsicher Minister für Wissenschaft und Kultur. Anlässlich seines jüngsten Besuchs in Bückeburg sprach LZ-Redakteur Dr. Thomas Wünsche mit dem Minister über das Debakel der Erlebniswelt Renaissance, die Zukunft der Museen in der Region und - mögliche - Ziele für die kommenden fünf Jahre.

"Die Erlebniswelt war - und ist - ein gutes Projekt": Minister L

Herr Stratmann, die "Erlebniswelt Renaissance" (EWR) hat kapitalen Schiffbruch erlitten. Ist Ihr Kollege Wirtschaftsministers Walter Hirche (FDP), früher Motor und Promoter des Projekts, vielleicht zu technikverliebt? Oder wer ist da in Hannover von Beginn an zu blauäugig an die Sache heran gegangen? Die Frage, ob Projekte aus unseren EU-Strukturhilfefonds finanziert werden, hat nichts mit bestimmten Vorlieben zu tun. Technikverliebtheit hat in diesem Zusammenhang keine Rolle gespielt. Die Frage hat vielmehr etwas damit zu tun, ob schlüssige Anträge vorgelegt werden. Das war bei der Erlebniswelt Renaissance von Anfang an der Fall. Die Erlebniswelt war - und ist - ein gutes Projekt. Die Frage der Umsetzung ist keine Frage, die im Ministerium beantwortet wird. Ich denke nicht, dass man monokausal jemandem die Verantwortung für das Scheitern in die Schuhe schieben sollte. Wir sind klüger beraten, darüber nachzudenken, wie wir dieses gute Projekt für die Region doch noch sichern. Wäre es, statt Landesmittel in ein technisches Pilotprojekt wie die EWR zu pumpen, aus heutiger Sicht nicht besser gewesen, mit dem Geld etablierte Museen auch in den Mittelzentren zu unterstützen? Wir haben im Wissenschafts- und Kulturministerium in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen mit Kooperations-Projekten verschiedener Museen gemacht. Diese Erfahrungen sind so gut, dass wir dafür ab dem nächsten Haushaltsjahr zusätzliche Mittel bereitstellen. Das heißt also, dass Sie Kooperationen mit Mitteln des Landes fördern wollen ... Ja. Im Topf befinden sich 150 000 Euro. Es gibt viele Beispiele dafür, dass solche Kooperationen hervorragend laufen. Ich denke da zum Beispiel an die Ausstellung "Made in Germany", die ja eine Zusammenarbeit von Kunstverein, Kestner-Gesellschaft und Sprengel-Museum zum Hintergrund hatte. Weitere Beispiele gibt es im Nordwesten: Dort tun sich die Museen zusammen,die im Bereich maritime Geschichte ähnliche Anknüpfungspunkte haben. Ob es Sinn macht, in Sachen Weserrenaissance ähnlich vorzugehen, wäre zu klären. Konkret: Diese Kooperationen sind aus Ihrer Sicht auch für Museen im Schaumburger Land sinnvoll? Zum Beispiel für das um seine Existenz ringende Landesmuseum in Bückeburg? Natürlich. Wir wollen sie gerade in der Fläche zu den Kooperationen anregen. Denn Sie haben in einem großen Flächenland wie Niedersachsen häufig das Problem, dass sich Kultur in den Oberzentren, also etwa in Hannover, Braunschweig und Oldenburg, konzentriert. Auf dem Lande werden dagegen nur relativ kleinteilige Kulturangebote vorgehalten. Gerade in diesen Fällen macht es Sinn, stärker zusammenzuarbeiten. In Niedersachsen gibt es ganz wunderbare Häuser, die aber wegen ihrer Größe nicht wettbewerbsfähig sind. Wenn die sich zusammentun, kommt in der Summe mehr dabei heraus. Welche Voraussetzungen müssen kooperationswillige Museen denn erfüllen, um in den Genuss von Landesmitteln zu kommen? Sie müssen bei uns im Ministerium einen Antrag einreichen, der eine solche Kooperation zum Hintergrund hat. Anträge für Kulturprojekte werden bei uns fast ausschließlich von Fachkommissionen bewertet, die dabei entsprechende Voten abgeben. Die Entscheidung trifft der Minister. Allerdings habe ich inden vergangenen fünf Jahren nicht eine einzige Entscheidung getroffen, die vom Votum der Kommission abgewichen ist. Damit bin ich immer gut gefahren. Stichwort Hubschraubermuseum: Für dessen dringend nötige Erweiterung sind EU-Mittel beantragt. Die Exponate sind, wie Sie sicher wissen, weltweit einzigartig. Gleichwohl klafft für die Erweiterung noch immer eine Finanzierungslücke von 200 000 Euro ... Ich kenne das Hubschraubermuseum gut, war bislang drei Mal dort. Auch in Fragen der Finanzierung. Was wir tun konnten, haben wir dabei immer getan. Werden Sie sich jetzt nochmals für das Bückeburger Hubschraubermuseum verwenden? Das Museum soll auf mich zukommen. Das letzte Mal, dass wir miteinander Kontakt hatten, ist mehr als ein Jahr her. Das ist eine lange Zeit. Gesetzt den Fall, Ihre Partei gewinnt die Landtagswahl: Welche Schwerpunkte werden Sie in Ihrem Ressort setzen? Wir haben viel erreicht, sind aber noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Wir haben begonnen, die Hochschullandschaft so umzustrukturieren, dass wir stärker auf Vernetzung setzen. Deshalb führen wir zum Beispiel die drei technischen Universitäten Braunschweig, Clausthal und Hannover zur Niedersächsischen Technischen Hochschule zusammen. Ähnliches passiert im Nordwesten - Ländergrenzen überschreitend - bei den maritimen Wissenschaften. Diese Projekte lassen sich nicht in drei bis vier Jahren zuende führen, dafür brauchen wir mehr Zeit. Das ist aber sicher noch nicht alles ... Eines der weiteren großen Themen wird die "Offene Universität" mit berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildungs-Studiengängen sein. Spannende Frage dabei: Wie schaffe ich es, im Beruf gewonnene Erkenntnisse so zu bewerten, dass sie eine Zulassungsreife für Hochschulen ergeben? Neben dem Abitur wird es also weitere Wege geben müssen, die den Zugang zu einer Hochschule möglich machen. Die Anfänge haben wir bereits 1982 - als erstes Bundesland - mit dem Meisterabschluss gemacht. Das müssen wir jetzt erweitern. Denn warum soll jemand, der 40 Jahre alt ist und entsprechende Berufserfahrung hat, nicht studieren dürfen? Zumal wir den gigantischen Fort- und Weiterbildungsbedarf, den wir in Deutschland haben, nicht nur über die Abiturientenzahlen befriedigen können. In diesem Fall müssten wir nämlich die Standards senken - und das dürfen wir auf keinen Fall tun. Sie werden noch eine Stadtführung durch Bückeburg machen. Was verbinden Sie bis jetzt eigentlich mit der früheren Residenzstadt? Als Oldenburger verbinde ich mit Bückeburg und Schaumburg, dass wir beide eine ähnliche Geschichte haben. Nun ist Schaumburg durch seine geographische Kleinheit nicht so privilegiert, wie das für Hannover, Braunschweig und Oldenburg gilt. Aber Artikel 72: "Die überkommenen Kultureinrichtungen der untergegangenen Länder sollen weiter finanziert und gepflegt werden", gilt natürlich auch für Schaumburg. Deswegen müssen wir mit diesen Einrichtungen behutsam umgehen.

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