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Gastspiel des Pianisten Menachem Har-Zahav wird zum Debakel

Klavierkonzert mit reichlich Misstönen

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Autor:

von Christoph Huppert

Doch der Pianist, der nach drei Jahren wieder einmal in Bad Münder zu Gast ist, lässt sich seine Enttäuschung nicht anmerken, nimmt am Flügel Platz und beginnt sein Konzert. Wie viel Schmerz muss eine Künstlerseele anlässlich so eines Debakels wohl ertragen können? Ein gähnend leerer Konzertsaal, eine einsame Kartenverkäuferin hinter einem Stapel unverkaufter CDs, zahlreiche leere Gläser beim Pausensekt. Kurzum: ein an Tristesse kaum zu überbietendes Veranstaltungsfiasko.

Über die Ursachen mag spekuliert, nach Entschuldigungen gesucht werden: falscher Ort, falsche Zeit, halbherzige Betreuung, Fehleinschätzung durch das Management. Rund 60 Auftritte pro Jahr, zumeist an Wochenenden, absolviert Menachem Har-Zahav. Auch sein letzter Auftritt 2013 an gleicher Stelle war gut besucht. „Am Vortag in Koblenz ist es auch prima gelaufen“, ringt die Managerin um Erklärung. „Wir wollten gerne mal wieder nach Bad Münder“, sagt sie, doch ihr Blick verrät, dass das wohl das letzte Mal gewesen ist. Nein, das sei nicht nur eine Null-Nummer, sondern ein sattes Minus-Geschäft gewesen, sagt sie. Saalmiete und Kosten für die Stimmung des Klaviers würden durch die 20 Euro Eintritt pro Nase bei Weitem nicht gedeckt. Bonn, Bielefeld, Höxter, Bad Neuenahr – alles Stationen mit zufriedenstellendem Besuch, erzählt die Managerin, Bad Münder aber sei ein Desaster.

Dabei präsentiert der Pianist mit seinem den russischen Romantikern gewidmeten Klavierkonzert eine rundum respektable Leistung, spielt Alexander Scriabins Etüden in cis- und dis-Moll mit Verve, bringt die wenigen Zuhörer mit Tschaikowskis Walzer in As-Dur in beste Stimmung, und läuft spätestens mit seinem Lieblingsstück, Sergej Rachmaninoffs „Sonate Nummer 2 in b-Moll, op. 36“, zu großer Form auf.

Ist der Veranstaltungs-Flop gar symptomatisch für die zu beobachtende zunehmende Lustlosigkeit städtisch betriebener Kulturveranstaltungen? „Die vermieten hier bloß und kassieren“, beklagt die Managerin die Betreuung. „Das Risiko tragen wir allein.“



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