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Kammerchor Hannover spürt dem "Warum" nach

Klangzauber erfüllt die Stadtkirche

Bückeburg. Die Stadtkirche hat am Sonnabend den repräsentativen Rahmen für das Debütkonzert einer besonderen Formation geliefert. Die Vokalisten des Kammerchores Hannover spürten in ihren beispielhaft entwickelten Darbietungen dem Thema "Warum? Klage - Verzweiflung - Hoffnung" nach und formten daraus ein bewegendes Ganzes. Dirigent Stephan Doormann hat das aus zwölf Sängerinnen und zwölf Sängern bestehende Ensemble im vergangenen Jahr gegründet. Der Qualitätsanspruch ist hoch und wurde in der ehemaligen Residenzstadt absolut eingelöst.

Autor:

Dietlind Beinssen

Das erwies sich bereits in Idebrando Pizettis (1880-1968) "Missa di Requiem" (1922), die wie alle gewählten Beiträge auf die Frage "Warum?" verwies. Mit Gespür für die verschiedenen Stimmungslagen brachte die auf Doormann eingeschworene Gemeinschaft in vorbildlicher Artikulation die Gefühlswelten dieses anspruchsvoll gesetzten Werkes nahe, um danach in differenzierter Deklamation die inbrünstigen Klänge von Maurice Duruflés (1902-1986) "Ubi caritas" (1960) genussvoll auszukosten. Dass sich die Crew besonders aufs Dramatische, Erzählerische versteht, bewies sie, als es auf der Empore galt, das 2008 uraufgeführte "O Welt ich muss dich lassen" (Stephan Doormann (1977)/Heinrich Isaac (um 1450-1517) flüsternd, singend und pulsierend zu entfalten. Gleichermaßen traf Brahms titelbestimmendes "Warum ist das Licht gegeben?" denNerv der Schaumburger, denn dem mit Intensität und viel Emotionalität intonierten Opus konnte sich kaum jemand entziehen. Ähnliche Anziehungskraft besaß das temperamentvollere zweite "Ubi caritas" (1978), das diesmal aus der Feder von Lennox Berkeley (1903-1989) stammte und durch seine plastische Umsetzung geradezu gegenwärtig wurde. In Nancy Telfers "De profundis" (2000) faszinierten die Hannoveraner zudem durch musikalisch-textliche Stringenz wie durch Bildhaftigkeit der Sprache. Tüchtig aufhorchen ließ zum Schluss die von dem Finnen Jaakko Mäntyjärvi 1997 geschaffene Vertonung zur Erinnerung an den Untergang der Autofähre Estonia. Das mal flüsternd fassungslose, mal solistisch durchsetzte, dann wieder aufbrausend tragische Geschehen fand eine packende, unter die Haut gehende Umsetzung, die Erschütterung hervorrief. Starker, anhaltender Beifall war hochverdient. Bleibt zu erwähnen, dass das Duo Joachim Meyer/Michael Dorst dieses nachwirkende Gastspiel zwischendurch mit Orgelvorträgen von Brahms sowie Improvisationen über "Aus tiefer Not" auf beeindruckende Weise verstärkt hat.




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