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Frisches Geld ist für die Institute äußerst wichtig – davon können die Kunden profitieren

Klamme Banken locken mit hohen Sparzinsen

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Autor:

Jörn Benderund Thomas Thimm

A usgerechnet die IKB. Mit ungewöhnlich hohen Sparzinsen lockt das Düsseldorfer Institut aktuell Verbraucher – und wird prompt Testsieger der Zinsstudie von „Finanztest“. Zur Erinnerung: Vor viereinhalb Jahren stand die Mittelstandsbank am Abgrund, nur mit Steuermilliarden konnte sie vor der Pleite bewahrt werden. Aber auch andere Institute locken derzeit mit Sparzinsen, die deutlich über dem allgemeinen Zinsniveau liegen.

Auf den ersten Blick scheint das so gar nicht ins Umfeld zu passen: Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins im Euro-Raum im Dezember auf das Rekordtief von 1,0 Prozent. In der Regel reichen Banken Zinssenkungen rasch an die Kunden weiter. Verbraucherschützer machen üblicherweise die Erfahrung, dass Geldinstitute eine Leitzinssenkung immer deutlich schneller umsetzen als eine Zinserhöhung, wenn es um Produkte zugunsten der Kunden geht. Bei Krediten ist es normalerweise umgekehrt.

Doch derzeit ticken die Uhren anders: „Die verschärften Vorgaben der Bankenaufsicht motivieren die Geldhäuser, neues Geld von Kunden einzuwerben – und dazu sind attraktive Konditionen nötig“, erläutert die FMH-Finanzberatung in Frankfurt, die regelmäßig die Entwicklung von Zinsen erfasst, den aktuellen Trend. Die europäische Bankenaufsicht EBA verlangt bis Ende Juni 2012 von den Instituten eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent als Puffer für Krisenzeiten. Nach EBA-Berechnungen fehlen Europas Banken rund 115 Milliarden Euro – allein bei den großen deutschen Instituten klafft eine Lücke von insgesamt 13,1 Milliarden Euro. Zudem müssen die Institute gigantische Berge an Anleihenschulden tilgen, nach Schätzungen beläuft sich diese Summe auf rund 725 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Zwar hat die EZB ihre Geldschleusen weit geöffnet, doch die Institute brauchen nicht nur kurzfristig frische Liquidität, sondern langfristig eine verlässliche Kundenbasis. Das verlangen auch die strengeren Bankenregeln (Basel III), die ab 2013 greifen sollen. „Im Zuge von Basel III wächst die Bedeutung von Kundeneinlagen“, sagt Bankenexperte Christoph Kaserer von der Technischen Universität München. „Da müssen Banken versuchen, sich Marktanteile zu sichern – zumal man weiß, dass Privatkunden eher träge sind.“ Lockangebote habe es dabei schon immer gegeben, erinnert Kaserer. „Langfristig muss eine Bank aber schon durch entsprechend rentable Geschäfte die hohen Renditen bieten können. Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen.“

Wer aktuell bei der IKB Geld für drei Jahre festlegt, dem garantiert das Institut jährlich vier Prozent Zinsen. Da kann kaum eine andere der 93 von der Zeitschrift „Finanztest“ unter die Lupe genommenen Banken mithalten. Sind solche Angebote riskant? Nein, meint Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. „Die IKB ist im Einlagensicherungsfonds. Wenn der kein Geld mehr hat, wende ich mich an Frau Merkel.“ Die Kanzlerin hatte im Herbst 2008, kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die Latte hochgehängt. Um zu verhindern, das panische Anleger die Banken stürmen und ihre Konten plündern, verkündete Angela Merkel – ohne gesetzliche Grundlage – eine Garantie für alle privaten Einlagen: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“ Seit Dezember 2010 ist im Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz geregelt: Guthaben auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten, auf Sparbüchern und Sparbriefen sind bis zu einer Summe von 100 000 Euro geschützt – pro Kunde und Bank. Zudem ist etwa die IKB Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken, der aktuell mindestens 1,5 Millionen Euro pro Kunde und Kreditinstitut absichert. „Da wir diese sehr üppige Einlagensicherung haben, ist das Risiko für Privatkunden relativ gering“, bekräftigt Kaserer.

Branchenkenner raten allerdings, Angebote genau zu prüfen. Sie erinnern an den Fall der isländischen Kaupthing Bank: Tausende Sparer aus Deutschland ließen sich von den Isländern mit immens hohen Tagesgeldzinsen locken – und mussten nach der Pleite der Bank im Oktober 2008 um ihr Geld bangen.

Bei dem internationalen Wettlauf um hohe Zinsen, bei dem zum Beispiel auf Online-Vergleichsportalen die Bank of Scotland immer wieder ganz oben rangiert, wollen die eher regional tätigen Banken und Sparkassen nicht mitmachen. So sieht sich zum Beispiel die Sparkasse Weserbergland als Krisengewinner: „Auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase haben sich viele Kunden in den seriösen und sicheren Hafen der Sparkassen zurückgezogen. Die solide Anlage mit ruhiger Hand ist unser Geschäftsmodell und die Grundlage des gegenseitigen Vertrauens.“

Sparen lohnt sich wieder – zumindest machen die Banken verlockende Angebote. Der Wettbewerb um solvente Privatkunden ist in vollem Gange. Kundengelder sind in Zeiten schärferer Anforderungen der Regulatoren für die Institute wertvoller denn je.

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