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Vor Gericht: Bewährung für Brandstifter von der Georgstraße / "First-Class-Geständnis"

Klageüber eine halbe Million Euro droht

Bückeburg (ly). Knapp elf Monate nach einem Feuer an der Georgstraße hat das Bückeburger Schöffengericht den Brandstifter (26) gestern zu 17 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, diese aber zur Bewährung ausgesetzt. Verbunden ist die Entscheidung mit strengen Auflagen und Weisungen.

So muss sich der zuletzt obdachlose Trinker um eine feste Wohnung und einen Job bemühen. Er muss sich bei seinem früheren Arbeitgeber bewerben, an einer ambulanten Entzugstherapie teilnehmen sowie 50 Sozialstunden ableisten. Vorgeführt worden war der 26-Jährige in Handschellen, verlassen durfte er das Justizgebäude als freier Mann. Bis zur Verhandlung hatte der Brandstifter - mit einer Unterbrechung - insgesamt fünf Monate in Untersuchungshaft gesessen. Ausgestanden ist die Sache damit aber noch lange nicht. Nun wartet auf den Bückeburger "ein Schadensersatzprozess über mindestens 80 000 und bis zu 500 000 Euro", wie Verteidiger Andreas Bäsecke erklärte. Nachdem der Obdachlose am späten Nachmittag des 30. November einen Schrank neben seinem Matratzenlager im obersten Winkel angezündet hatte, wo er auf einen Trinkkumpan wartete, war der Dachstuhl des bewohnten Hauses (drei Stockwerke) fast komplett ausgebrannt. Für den Angeklagten sprach vor allem dessen "First-Class-Geständnis", mit dem Richter Dr. Dirk von Behren "nicht gerechnet" hatte. Bisher hatte der 26-Jährige die Tat entweder geleugnet oder angegeben, der Brand sei aus eigener Fahrlässigkeit entstanden. Als Motiv nannte der frühere Möbelpacker "Langeweile". Zur Tatzeit hatte er 2,4 Promille Alkohol im Blut. Was er angerichtet hatte, wurde dem Obdachlosen offenbar erst klar, als der Schrank schon lichterloh brannte und die Flammen auf den Raumübergriffen. Erste Löschversuche mit dem Inhalt einer Bierflasche fruchteten nicht. Der Täter gab sich daraufhin als Zeuge aus, meldete den Brand in einer benachbarten Gärtnerei, eilte zurück ins Haus und griff zum Feuerlöscher, wurde aber bald ohnmächtig - Rauchvergiftung. Unter Verdacht geriet der Bückeburger danach auch, weil er "zeitnah vor der Tat mehrere Brände gemeldet hatte", so Richter von Behren. Angezündet worden waren ein Toilettenhäuschen hinter der Stadtkirche, Mülleimer und Papierkörbe. Diese Taten konnten dem Angeklagten jedoch nicht nachgewiesen werden. Wiederholungsgefahr sei deshalb nicht zu belegen, wie ein vom Gericht bestellter Psychiater erklärte. "Was ich glaube, ist etwas anderes", sagte der Gutachter, nach dessen Erkenntnissen Brandstiftung "ein Signal" sein kann. "Ich glaube, dass es in einigen Monaten wieder ähnliche Hilferufe geben könnte, wenn sich an der Lebenssituation des Angeklagten nichts ändert." Soll heißen: wenn dieser weiterhin weder Job noch Wohnung hat und teilweise bis zur Bewusstlosigkeit trinkt. All das sollen die scharfen Bewährungsauflagen ändern.




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