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Diplompädagogin rät, dem Nachwuchs Grenzen zu setzen / Eltern als Vorbilder gefragt / Vielfältige Lebensentwürfe

"Kindern darf man nicht jeden Wunsch erfüllen"

Obernkirchen (sig). Welche Eltern kennen dieses Szenarium nicht: Ihr Kind nörgelt, schreit schließlich und wirft sich wutentbrannt auf den Boden, weil es nicht seinen Willen bekommt. Peinlich berührt ist man vor allem dann, wenn sich dieses Geschehen vor den Augen von Fremden abspielt, zum Beispiel im Supermarkt. Gibt man in diesem Fall nach, lässt man das Kind liegenoder versucht, es irgendwie zu beruhigen oder abzulenken? Der Rat der Diplompädagogin Birgit Schaper-Gerdes lautet: Grenzen müssen sein!

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Bei allem Recht jedes Kindes auf freie Entfaltung - alles darf man nicht durchgehen lassen. So sieht das jedenfalls die erfahrene Erzieherin, die als Referentin des Kinderschutzbundes bei einem Elternabend in der Kindertagestätte am Kleistring so manches elterliche Problem an der Wurzel packte. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt dabei bei Familien mit kleinen Kindern. Kein Zweifel: Dieses Problem besitzt einiges an Brisanz und wird auch bei kommenden Generationen nichts an Aktualität verlieren. Die Diplompädagogin von der Stadthäger Beratungsstelle verschweigt nicht, dass es immer mehr Klagen der Lehrkräfte an den Schulen über das schlechte Verhalten des Nachwuchses gibt. Sie sprechen von zunehmender Zügellosigkeit und mangelndem Respekt. Schaper-Gerdes: "Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass es keine Patentrezepte auf diesem Feld gibt. Erziehung ist eben auch Beziehung, und jedes Kind ist eine individuelle Persönlichkeit." Natürlich würden beim Bewältigen der Erziehungsaufgaben auch gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle spielen. Der autoritäre Erziehungsstil, der den Willen des Kindes mit Gewalt bricht, habe sich aber keinesfalls bewährt. Das gilt ebenso für das antiautoritäre Erziehungsmodell der vergangenen 60er Jahre, als die Eltern fast alles durchgehen ließen, um Ruhe zu haben und keinen Zwang auszuüben. Solche grundsätzlichen Ausrichtungen gibt es derzeit nicht. Schaper-Gerdes: "Heute sind die Lebensentwürfe vielfältiger; die Leistungsanforderungen und die Ansprüche steigen. Überall ist zu spüren, dass sich der Stärkere durchsetzt. In dieser Welt brauchen die Kinder ein festes Geländer." Deshalb komme es sehr auf das Vorbild der Eltern an. Was sie vorleben, sei wichtig und oft auch wegweisend für den Nachwuchs. Da sei es notwendig, dass sich die Eltern in Erziehungsfragen gut abstimmen. Es dürfe keine Unsicherheit und auch keine Unklarheit geben. Erziehung sei nun einmal auch Arbeit an sich selbst. Ein Familienklima, in dem gegenseitige Achtung, Liebe und Wertschätzung herrschen, sei prägend für jedes Kind, unterstrich Brigitte Schaper-Gerdes. Die zu setzenden Grenzen sollten stets dem Entwicklungsstand angepasst werden, empfahl die Sozialpädagogin. Die Kinder müssten spüren, dass ihnen Vertrauen entgegengebracht wird. Das fördere ihr Selbstwertgefühl. Auch Erwachsene müssten sich für eigenes Fehlverhalten ihren Kindern gegenüber entschuldigen. Natürlich gehe es nicht darum, dem Nachwuchs jeden Wunsch zu erfüllen. Aber die Ablehnung müsse ihnen plausibel begründet und dann auch konsequent eingehalten werden. Regeln für die Freizeit, für die Schule und andere Verpflichtungen sollten bestehen. Daran müssen sich Kinder und Eltern halten. Brigitte Schaper-Gerdes schloss mit dem Hinweis darauf, dass Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben. Das schließt auch die psychische Gewalt mit ein.



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