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Bundesgerichtshof urteilt zu Samenspenderfall aus Bad Münder

Kinder haben ein Recht auf den Namen des Vaters

Bad Münder/ Karlsruhe. Kinder haben grundsätzlich ein Recht darauf, frühzeitig den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren. „Ein Mindestalter ist nicht erforderlich“, hat der Bundesgerichtshof (BGH) gestern entschieden. Geklagt hatten zwei heute 12 und 17 Jahre alte Schwestern gegen die Deutsche Klinik in Bad Münder. Das Amtsgericht Hameln hatte ihrer Klage im Juni 2013 stattgegeben, das Landgericht Hannover jedoch in zweiter Instanz nicht. Die Richter in der Landeshauptstadt meinten, die Klägerinnen könnten ihr Recht auf Kenntnis ihrer Abstammung erst geltend machen, wenn sie mindestens 16 Jahre alt sind. Diese Entscheidung hat der BGH nun gekippt.

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In der Deutschen Klinik Bad Münder, der größten Kinderwunsch-Klinik in Niedersachsen, war die Entscheidung mit Spannung erwartet worden. Sie wird, so hofft Dr. Arvind Chandra als ärztlicher Leiter der Klinik, für Rechtssicherheit sorgen. „Ich bin grundsätzlich für das Auskunftsrecht von Kindern, die durch Samenspende entstanden sind. Ich bin aber dagegen, dass Eltern, die mit uns einen Vertrag geschlossen haben, auf Herausgabe des Namens des Samenspenders drängen und diesem Wunsch stattgegeben wird“, erklärt Chandra. Seiner Auffassung nach waren es im vorliegenden Fall nicht die Kinder, die Auskunft über den biologischen Vater wollen, sondern die Eltern. „Spendersamen-Kinder dürfen den Namen des Spenders erfahren – hinter dieser Forderung stehe ich und unterstütze da auch den Verein der Kinder, die durch Samenspende entstanden sind, zu 100 Prozent“, sagt Chandrada. Für ihn ist es „durchaus sinnvoll“, Kindern von der Samenspende früh zu erzählen – „wenn sie vier bis fünf Jahre alt sind“. Kinder in diesem Alter würden den Sachverhalt zwar nicht in vollem Umfang verstehen, aber wie selbstverständlich damit leben und später nicht unter Identitätsproblemen leiden. „Wenn sie den Namen des Samenspenders dann erfahren wollen, sollen sie ihn erfahren.“

„Ein bestimmtes Mindestalter des Kindes ist dafür nicht erforderlich“, sagen auch die BGH-Richter. Wenn Eltern diesen Anspruch als gesetzliche Vertreter geltend machen, setze dies voraus, dass sie die Auskunft für die Information des Kindes verlangen. Auch müssten die Interessen des Kindes schwerer wiegen als die des Samenspenders.. Der BGH hob die hannoversche Entscheidung nun auf und verwies den Fall mit dem deutlichen Fingerzeig dorthin zurück.



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