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Regeln für den richtigen Umgang / Kurse bieten Möglichkeit zum Trainieren

Kind und Hund – geht das gut?

Er ist über alle Maßen treu, er schmust, er tobt rum, er fördert den Stressabbau und kann allein durch seine Anwesenheit glücklich machen. Unterm Strich kommt für die meisten Kinder raus: Ein Hund ist toll. Aber er hat auch ein kräftiges Gebiss, ist nicht immer berechenbar, muss regelmäßig raus und hin und wieder auch zum Tierarzt. Nicht alle Eltern sind begeistert, wenn sich der Wunsch des Kindes nach einem Hund Bahn bricht, denn die Frage ist: Kann das gut gehen – wuseliges Kind, das Rücksicht noch lernen muss, mit triebgesteuertem Tier? Natürlich kann es, wenn einige Hinweise beachtet werden.

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Als erstes ist da das Wesen des Hundes. „Ein Kuvasz hütet zwar, aber ganz Kleine gehören einfach zu seinem Beuteschema“, bringt Claudia Gebhardt, Leiterin des Tierheims in Hameln, ein Beispiel für eine Rasse, die sich für Familien mit kleinen Kindern nicht unbedingt eignet. Die Rasse und das Vorleben eines Hundes müssen bei der Wahl des passenden Tiers berücksichtigt werden. Einige Rassen sind weniger lärmempfindlich und haben ein ruhigeres Gemüt als andere.

Hunde, die früher einmal von Kindern geärgert wurden, werden in dem kleinen Zweibeiner keinen besten Freund sehen. Allerdings könne sich jeder Hund, unabhängig von der Rasse, an den Umgang mit Kindern gewöhnen, sagt Katrin Voigt, die Kind-Hund-Workshops beim Bundesverband für Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) anbietet.

Vor allem aber gilt: Es müssen klare Regeln eingehalten werden, damit die Beziehung „Tier – Kind“ funktioniert.

Dazu gehört: „Nicht beim Fressen und Schlafen stören!“ Wenn Claudia Gebhardt Kindern vermittelt, worauf sie achten müssen, greift sie zu diesem Beispiel: „Stell Dir vor, Du liegst in Deinem Bettchen und wirst plötzlich ruppig geweckt, weil jemand mit Dir spielen will.“ Keine gute Idee – auch der Hund braucht Plätze im Haus, an die er sich zurückziehen kann und an denen er dann auch sicher in Ruhe gelassen wird. Reagiert er nicht auf Lockrufe, wolle er nicht spielen, sagt Katrin Voigt. Der Hund sollte seinerseits lernen, dass er im Kinderzimmer, „und schon gar nichts im Kinderbett“ zu suchen hat.

Kein Kind aber will einen Hund haben und ihn den ganzen Tag in Ruhe lassen – und Hunde wollen das ja auch nicht. Spielen und Herumtollen gehören dazu. Aber: Kinder sollten den Hund nicht zu stark knuddeln, wenn beide zusammen spielen, warnt Katrin Voigt. Eltern behalten das besser genau im Blick und achten auch darauf, dass sich ihr Kind nicht auf den Hund legt.

„Das Problem ist, dass besonders Kleinkinder Hunde eher als Stofftiere sehen“, sagt Voigt. Wenn der Nachwuchs das Tier beim Herumtollen wie ein Kuscheltier behandele, sei die Gefahr am größten, dass der Hund das Kind mit den Zähnen verletzt, nicht selten am Kopf. Auch Claudia Gebhardt, die als Mutter selbst jahrelange Erfahrung mit Hunden und Kindern hat, rät dringend davon ab, Hunde und Kinder aus den Augen zu lassen. „Hunde haben oftmals eine andere Reaktion, als man glaubt“, sagt sie. Und meint damit auch, dass Hunde nicht immer böswillig zubeißen, sondern beispielsweise einem weinenden Kind mit einem beherzten Zupacken sogar helfen wollen – so, als würden sie einen wimmernden Welpen wegtragen.

Beim Fressen und Trinken gilt: Finger weg vom Napf. Der Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) erklärt in einer Broschüre: „Jede Störung beim Fressen betrachtet der Hund als Angriff auf sein Recht auf Futter.“

Andere Hundehalter wählen aber schon in der Welpenerziehung eine andere Richtung: Bei ihnen lernt der Hund von Anfang an, dass er zu akzeptieren hat, wenn ihm mitten beim Fressen der Napf weggenommen wird – wozu auch immer das gut sein soll.

Dass ein Hund aber nicht geärgert werden darf, sollte sich von selbst verstehen – letztlich dreht es sich bei allen Regeln auch darum, dass Kinder schon früh lernen, Tieren mit Respekt zu begegnen.

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