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Keine Wohltaten, sondern erarbeitet

Zu: „Die Verteiler“, vom 4. April

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Die Kommentare zu unserem Rentensystem kann ich inzwischen nicht mehr hören und lesen. Die Alten empfangen Wohltaten und das zulasten der Jungen. Welch ein Unsinn. Wer 45 Jahre lang gearbeitet hat, wohlmöglich auf dem Bau oder am Hochofen, empfängt mit 63 Jahren keine Wohltaten, sondern eine Rente, für die er ein langes Arbeitsleben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt hat. Die Jungen werden das bezahlen müssen, so wie die Alten für ihre Elterngeneration bezahlt haben. Zu den Problemen unseres Rentensystems tragen die Rentner bei, die immer älter und damit immer mehr werden, aber auch die Jungen, von denen sich viele lieber in der Spaßgesellschaft vergnügen, als Kinder aufzuziehen. Zudem finden sie ein Land vor, das von den Alten nach dem 2. Weltkrieg erst wieder aufgebaut werden musste, inklusive einer intakten Infrastruktur, Freizeiteinrichtungen, Gesundheitswesen usw. Davon hört und liest man leider in keinem Kommentar etwas. Wer übrigens im Zusammenhang mit Renten von Wohltaten spricht, sollte sich einige Daten ansehen. Die Wohltaten sehen so aus, dass die Rentenerhöhungen in der gesetzlichen Rentenversicherung in den letzten zehn Jahren (2003 bis 2013) insgesamt brutto 7,69 Prozent und netto 5,57 Prozent betrugen. Der Verbraucherpreisindex ist in der gleichen Zeit um 16,6 Prozent gestiegen und die Löhne im IG-Metall-Bereich um 32 Prozent brutto. Die durchschnittliche Rente betrug 2013 monatlich 853,59 Euro, zugegeben ein statistischer Wert. Aber über 1200 Euro kommen selbst die meisten Rentner mit einer Lebensarbeitszeit von 45 Jahren nicht hinaus. Das Rentenpaket soll bis 2030 160 Milliarden Euro kosten. Wer kann das denn heute schon ausrechnen bei all den Unwägbarkeiten (nicht ausgestandene Eurokrise, Herr Putin würgt die Ukraine, Pulverfass Nahost usw.) und was kosten uns eigentlich die Beamtenpensionen bis 2030? Also, liebe Kommentatoren: Bringt die Generationen nicht gegeneinander auf. Die Jungen verdienen heute in aller Regel gutes Geld. Als 1957 das heutige Rentensystem eingeführt wurde, betrug der Beitragssatz 14 Prozent, heute sind es 18,9 Prozent, also abzüglich Arbeitgeberanteil 2,45 Prozent mehr als vor 57 Jahren. Das müsste doch bezahlbar sein. Die Rentner auf der anderen Seite müssen sich mit den Abzügen gemäß Rentenanpassungsformel zufriedengeben, so sehr die Nullrunden und die zum Teil unerträglich geringen Rentenerhöhungen (2013 0,25 Prozent) auch schmerzen. Eine absolute Gerechtigkeit wird es nicht geben.

Walter Reese, Aerzen



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