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Deep Purple rocken vor 3000 Fans die Swiss Life Hall

Kein Verfallsdatum in Sicht

Hannover. Sänger Ian Gillan ist 70, Bassist Roger Glover wird es in zehn Tagen, während Drummer Ian Paice stolze 67 Lenze auf dem Buckel hat. Die drei letzten Überbleibsel der legendären Deep-Purple-Mark-II-Formation deshalb als Altherrenriege zu bezeichnen, wäre ein großer Fehler.

Einmal mehr beweisen die drei gestandenen Hardrocker vorgestern in der Swiss Life Hall, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen des Rock ’n’ Roll zählen. Dazu gesellen sich Gitarrist Steve Morse und Keyboarder Don Airey, die sich längst so gut in die Band eingefügt haben, dass keiner mehr Gitarren-Gott Blackmore noch Jon Lord am Keyboard vermisst.

Dass man Titel wie „Child In Time“ recht selten auf der Setlist des grandiosen Quintetts findet, ist verständlich, denn die doch in die Jahre gekommene Rockröhre des Frontmannes erreicht bei Weitem nicht mehr die Höhen vergangener Zeiten. So richtet sich der Fokus bei Livekonzerten zunehmend auf eine der wohl besten Rhythmussektionen des Hardrock: Bassist Roger Glover und Drummer Ian Paice. „Fünfzig Prozent der Songs kennen die Fans, vom Rest weiß nur Gott, wie er klingen wird“, erklärte Gillan in einem Interview. Dass er dabei augenzwinkernd auf das Improvisationstalent des Weltklassegitarristen Steve Morse anspielt, hat seine Gründe.

Morse ist der uneingeschränkte musikalische Leistungsträger der Band, veredelt fast jeden Song der Gruppe mit akzentuierenden Soli. Dass er ab und an die Saiten seiner Gitarre überspannt, ist scheinbar insbesondere von Gillan so gewollt. Er stellt die Saitenkünste seines Bandkumpels mehr als einmal ins Scheinwerferlicht.

So ignoriert der Opener „Highway Star“ weiterhin jede Geschwindigkeitsbegrenzung, während Aireys psychedelischen Hammond-Einlagen das Songmaterial der Formation mit einem soliden Klangteppich untermauert. Auch nach mehr als 47 Jahren hat Deep Purples monumentaler Sound nichts von seiner früheren Intensität eingebüßt.

Aus ihrem aktuellen Album „Now What?!“ (2013) spielt die Hardrock-Legende mit „Vincent Price“, „Uncommon Man“ und „Hell To Pay“ nur drei Stücke, versorgt das Publikum dafür lieber mit Rock-Perlen wie „Strange Kind Of Woman“, „Perfect Strangers“ oder „Space Truckin“.

Der Altersdurchschnitt dürfte an diesem Abend deutlich über 60 Jahre liegen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Ohrenstöpsel durchaus zu den begehrten Mitbringseln der Konzertbesucher gehören – kann das Rock-Urgestein doch 1975 immerhin auf einen Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ als „lauteste Popgruppe der Welt“ zurückblicken.

Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt einmal mehr mit „Smoke On The Water“. Die wohl bekanntesten Riffs der Rockgeschichte verfehlen immer noch nicht ihre Wirkung. Jetzt ist sogar bei vielen Hardrock-Fans „Headbanging“ angesagt – die Hardrock-Hymne hat es immer noch in sich. „Die „working class band“ hat wieder ganze Arbeit geleistet – das „Fire In The Sky“ hat einmal mehr die Swiss Life Hall hell erleuchtet.

Auch mit 70 noch gut bei Stimme – Deep-Purple-Frontmann Ian Gillan bei „Highway Star“.

Texte und Konzertfotos: Lars Andersen

Mit viel Hingabe: Saiten-Magier Steve Morse und Sänger Ian Gillan.




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