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ver.di-Ortsvorstand alarmiert: Schließen Standorte? / Vorstandsmitglied: Zurzeit kein Thema

Kein Urlaubsgeld im Woolworth-Konzern

Rinteln (wm). Hans Jürgen Niemeier vom ver.di-Ortsvorstand ist alarmiert, nachdem die Kaufhauskette Woolworth kein tariflich vereinbartes Urlaubsgeld gezahlt hat. In gleicher Weise sei auch mit den tariflichen Ansprüchen zur betrieblichen Altersvorsorge verfahren worden, so Niemeier. Diese Entscheidungen von Woolworth seien für die rund vierzig Beschäftigten am Standort Rinteln natürlich gleichzeitig verbunden mit der Frage: "Behalte ich meinen Arbeitsplatz?"

Es gebe keinen Woolworth-Standort in Deutschland, der zurzeit zur Disposition stehe, damit auch Rinteln nicht, erklärte auf Anfrage dazu gestern Malene Volkers, Aufsichtsratsmitglied für ver.di bei Woolworth und bei der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin zuständig für den Einzelhandel. Vielmehr gehe es darum, neue Investoren für die Kaufhauskette zu finden, und sie sei da guter Hoffnung. Das Unternehmen müsse auf alle Fälle erhalten bleiben als wichtiger Faktor im Einzelhandel. Woolworth betreibt mit rund 13 000 Beschäftigten 340 Kaufhäuser in Deutschland und zwölf Filialen in Österreich. Was Niemeier besonders empört, ist der Verdacht, dass diesmal wohl keine zeitliche Verschiebung bei der Zahlung des Urlaubsgeldes vorgesehen sei, "sondern der dauerhafte Wegfall einer tariflichen Leistung". Der Gesamtbetriebsrat von Woolworth hatte im Vorfeld versucht, eine andere Regelung zu finden, nachdem sich abzeichnete, dass sich die wirtschaftlichen Probleme des Konzerns zuspitzen, nachdem ein Investor abgesprungen war. Über diese Betriebsräteversammlung ist im Internet nachzulesen: "Empörung und Wut bei 500 Betriebsräten" - zu lange habe der Konzern gewartet, ein ausgereiftes Konzept der Grundsanierung vorzulegen. Jetzt müssten letztlichdie Beschäftigten die Rechnung zahlen. Woolworth, davon geht Niemeier nach dieser Gesamtbetriebsratssitzung aus, strebe offensichtlich einen eigenen, betrieblichen Tarifvertrag an und da müsse man fragen: "Welche Konditionen erwartet denn wohl der Tarifpartner - bessere als im ohnehin schon niedrigen Lohnniveau des Einzelhandels doch wohl nicht?" Niemeier befürchtet, selbst wenn die Beschäftigten dazu ihre Zustimmung geben würden, sei langfristig wohl nicht auszuschließen, dass trotz solcher Vorleistungen in absehbarer Zeit weitere Rationalisierungsmaßnahmen folgen könnten und bei einem möglichen Eigentümerwechsel im schlimmsten Fall die vierzig Beschäftigten in Rinteln auf der Straße stehen. Hier hält Niemeier die Einschätzung, es würde nicht zur Schließung einzelner Standorte kommen für zu optimistisch. Beispiele in diesem Zusammenhang gebe es ja genug. Bereits im Vorjahr hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" spekuliert, dass möglicherweise bis zu ein Viertel der 330 Geschäfte in Deutschland geschlossen werden müssten, um den Konzern wieder rentabel zu machen. Niemeier: "Der viel beschworene Wirtschaftsaufschwung ist offensichtlich an dieser Stelle noch nicht angekommen."

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