weather-image
Gerüchte über Schließung der Chirurgie in Rinteln – „Entscheidung braucht Zeit“

Kein Dementi von der Klinikleitung

Rinteln/Landkreis. Das Verhältnis zwischen den Mitarbeitervertretungen der Schaumburger Krankenhäuser und der Geschäftsleitung scheint auf einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt zu sein.

270_008_7696447_ri_kkh_ri_mrz15_3_2403.jpg

Die jüngsten Pläne der Krankenhausprojektgesellschaft (KPG) Schaumburg, die für die Überführung der drei Krankenhäuser in Rinteln, Bückeburg und Stadthagen ins Gesamtklinikum in Vehlen zuständig ist, haben die gewerkschaftliche Mitarbeitervertretung auf den Plan gerufen. Dabei geht es um die Verlegung der Schulter-Gelenk-Chirurgie von Rinteln nach Bückeburg. Die Mitarbeitervertretung verfasste am Dienstag einen offenen Brief und kritisiert darin die KPG scharf (wir berichteten).

Im Grunde geht es dabei um die Kritik seitens der Verdi-Betriebsgruppe nicht in die Entscheidung der Betriebsleitung, die Chirurgie-Abteilung nach Bückeburg abzuziehen, einbezogen worden zu sein. Darüber hinaus würden die Mitarbeiter von der Klinikleitung im Dunkeln gelassen. „Die Entwicklung des Rintelner Kranenhauses steht für uns völlig in den Sternen“, sagte Jan Bergmann, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe. Laut Bergmann kann durch die Verlegung der Schulter-Gelenk-Chirurgie der Eindruck entstehen, dass auf Sicht die komplette Chirurgie am Standort Rinteln abgezogen wird.

Derzeit gebe es noch zwei OP-Teams in Rinteln; wenn die Schulter-Gelenk-Chirurgie ab April in Bückeburg arbeitet, sei nur noch ein solches Team in Rinteln erforderlich. Wahrscheinlich ist, dass „überschüssiges Personal“ dann in Stadthagen seinen Dienst tut. Denn in vielen Fällen gelten Arbeitsverträge des Klinikum Schaumburgs mit den Standorten in Rinteln und Stadthagen für beide Krankenhäuser. Mitarbeiter können demnach sowohl in Rinteln als auch in Stadthagen eingesetzt werden.

Innerhalb der Belegschaft sorgt dieser Umstand für Missstimmung. Denn zum einen würden einigen Mitarbeitern finanzielle Nachteile entstehen, weil sie einen längeren Arbeitsweg hätten. Zum anderen ist es laut Bergmann so, dass nach derzeitigem Stand überwiegend ältere Mitarbeiter aus Rinteln künftig in Stadthagen arbeiten. Der Verdi-Vorwurf: Jüngere Mitarbeiter aus Stadthagen müssten dann gehen, weil befristete Verträge nicht verlängert würden. Die Gewerkschaft fordert Verhandlungen deshalb mit der Betriebsleitung über Vorruhestandsregelungen für ältere Mitarbeiter.

„Kein Verständnis“ für das Vorgehen der Betriebsleitung äußerte gestern auch Peter Bigalke, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung im Krankenhaus Bethel. Dass die Geschäftsführung im Hinblick auf die Verlegung der Schulter-Gelenk-Chirurgie von Rinteln nach Bückeburg argumentiert, es habe keine Einigung über „Dienstverträge zur Arbeitnehmerüberlassung“ zwischen der Bückeburger Mitarbeitervertretung und der Geschäftsführung gegeben, ist laut Bigalke eigentlich ein Punkt gewesen, bei dem Stillschweigen zwischen den Parteien vereinbart worden sei. Dass dieses Thema nun als einer der Gründe für die Abteilungsverlegung angeführt wird, sorgt auch in Bückeburg für Empörung, zumal die Gespräche über eine Einigung „noch nie so weit“ gewesen seien. Auch Bigalke betont, dass es um die „Zukunftsperspektive der Mitarbeiter“ geht. „Aber die Zukunftsperspektive gibt es bislang nicht“, meint er. Seit 2009 habe es Bemühungen gegeben, ein Entwicklungskonzept im Übergang zum Schaumburger Gesamtklinikum zu bekommen. Davon sei auch 2015 noch nicht viel erkennbar.

Dass die Chirurgie in Rinteln auf absehbare Zeit gänzlich dichtgemacht wird, wollte die Geschäftsführung gestern auf Anfrage so konkret nicht bestätigen. Zunächst handele es sich um ein „Gerücht“. Derzeit werde allerdings ein standortübergreifendes Konzept erstellt, teilte Klinikumsprecherin Nina Bernard mit. „Dazu gehören auch Überlegungen, wie die Teams der einzelnen Abteilungen schon in naher Zukunft die gemeinsame Arbeit beginnen können.“ Dass nicht persönlich mit den Rintelnern über die Verlegung der Schulter-Gelenk-Chirurgie gesprochen wurde, treffe nicht zu, sagt Bernard. Pflegedienstleitung und Pflegedirektion hätten über die Entscheidung der Betriebsleitung informiert.

Zu den Perspektiven stellt die Klinikumssprecherin dar: Die von der Geschäftsführung entwickelten Konzepte müssten von allen Gesellschaftern abgesegnet werden. Dazu gehören der Landkreis Schaumburg, die Stiftung Bethel Bückeburg und der christliche Gesundheitskonzern Agaplesion mit Sitz in Frankfurt. Bei allen Vorteilen, die eine so große Runde hat, sie habe auch einen Nachteil, sagt Bernard: „Jede Entscheidung braucht Zeit, manchmal viel Zeit.“ Und das treffe auch auf die Bestätigung oder das Dementi von Gerüchten zu.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt