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Pläne des Heimatvereins zur Auslagerung des Landesmuseums vorerst vom Tisch

Kaum geboren, schon gestorben: "Haus für Schaumburger Geschichte"

Bückeburg. So rasch das Projekt aus dem Hut gezaubert wurde, so schnell ist es wieder in der Versenkung verschwunden. Auf einer Sitzung Anfang Juni begeisterte sich der Vorstand des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins für eine Auslagerung des Landesmuseums (oder großer Teile von ihm) nach Obernkirchen. Mehr noch: Im Stift sollte ein "Haus für Schaumburger Geschichte" entstehen, das die Grafschaft und Schaumburg-Lippe museal vereint. Inzwischen sind die Pläne Makulatur. Die Finanzierungszusage von Reiner Brombach für eine hauptamtliche Stelle im Museum hat dem abwanderungswilligen Vereinsvorstand den Wind aus den Segeln genommen.

Autor:

Frank Werner

Brombachs Vorstoß im Kultur- und Fremdenverkehrsausschuss (wir berichteten) erfolgte gezielt, nachdem der Bürgermeister vom Verlauf der Vorstandssitzung des Heimatvereins erfahren hatte. Dort hatte Vorsitzender Dr. Wolfgang Vonscheidt das Scheitern der bisherigen Bemühungen um eine zukunftsweisende Lösung bilanziert. Im Schloss seien nach Auskunft des Schlossverwalters keine geeigneten Räume für das Museum vorhanden, die Ausdehnung am jetzigen Standort (in Richtung des Installationsbetriebes) sei unrealistisch und Geld für eine hauptamtliche Stelle nicht zu erwarten. Wörtlich heißt es im Protokoll der Sitzung, der Verein gehe nicht davon aus, "dass der Bürgermeister der Stadt sich vehement für das Museum einsetzen werde". Vor diesem eher düsteren Hintergrund brachte Vize-Vorsitzender Dr. Klaus-Henning Lemme eine Alternative ins Spiel: Die Zukunft könnte an einem neuen Standort liegen, unter neuer Trägerschaft. Die Klosterkammer und die neue Äbtissin hätten sich aufgeschlossen gezeigt, ein Museumsprojekt im Obernkirchener Stift zu etablieren. Unter Trägerschaft der Schaumburger Landschaft, so Lemme laut Protokoll, könnte ein "Regionalmuseum" entstehen, an dem sich Museen der Grafschaft und Schaumburg-Lippes beteiligten. Auf jeden Fall müsse für das Projekt auf den Sammlungsbestand des Landesmuseums zurückgegriffen werden. Lemme, zugleich Vorsitzender der Schaumburger Landschaft und des Förderkreises Stift Obernkirchen, hätte mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der Heimatverein hätte sich in einer Art Befreiungsschlag vom Museum getrennt, das Stift wäre unter kompetenter Regie der Landschaft zu neuem Leben erweckt worden. Auch ein politisches Signal wollte Lemme setzen: Ein gemeinsamer Erinnerungsort sollte gegen das Auseinanderdriften der beiden Altkreise geschaffen werden. Ein Aspekt, der auch das Interesse des Landrats weckte - der Landkreis wurde bereits als potenzieller Mit-Finanzierer gehandelt. Unklar blieb indes, was die Schaffung eines Zentralmuseums auf Dauer für die existierenden Museums-Standorte im Landkreis bedeutet hätte. Lemme spricht nur von einer "Vernetzung des Vorhandenen", auch das Landesmuseum in Bückeburg hätte als Stadtmuseum mit entsprechenden Sonderausstellungen erhalten bleiben können. An diesem Punkt aber meldete zumindest ein Vorstandsmitglied des Heimatvereins auf der Sitzung am 9. Juni Zweifel an. Angesichts der vorgestellten Planungen hielt Wilhelm Gerntrup das Ende des Landesmuseums für besiegelt - obwohl noch längst nicht alles getan worden sei, um es zu erhalten. In einem Brief an den Vorstand warnte Gerntrup davor, die Museumslandschaft allein unter finanziellen Gesichtspunkten neu zu strukturieren. Das Museum des Landes Schaumburg-Lippe müsse in der ehemaligen Landeshauptstadt bleiben, forderte Gerntrup. Ein Argument, das von Bernd De Groot, dem Leiter des Arbeitskreises Museen der Schaumburger Landschaft, geteilt wird: Die Bestände des Landesmuseums seien zum Großteil an der Residenz orientiert, sie in die Bergstadt zu verlegen, käme einer "Sünde" gleich. De Groot hat eine andere Vision. Er möchte im Stift, im Schatten der Begräbniskirche Schaumburger Grafen, eine Art Christianisierungs- und Kirchenmuseum einrichten, angebunden an den Pilgerweg des Bistums Minden und bestückt mit einigen Objekten des Landesmuseums, die dort momentan ein Dasein als "bessere Papierkörbe" fristeten. Sigmund Graf Adelmann, Geschäftsführer der Schaumburger Landschaft, nennt nach einer Ortsbesichtigung im Stift einen weiteren Grund, warum ein "Haus für Schaumburger Geschichte" hier nicht entstehen werde: Die Räume seien zu beengt. Lemme und Vonscheidt, obgleich inhaltlich von ihrer Ideeüberzeugt, erklären das Thema Umzug nach Obernkirchen inzwischen für "erledigt". Die Stellenzusage Brombachs hat die Gedankenspiele wieder in die alte Richtung gelenkt: Priorität genießt laut Lemme eine Kooperation mit der Fürstlichen Hofkammer an einem Standort in Bückeburg. Eine wie auch immer geartete Anbindung des Museums an das Schloss gilt als Ideallösung. Brombach will bis Ende September eine Entscheidung des Ratesüber die Finanzierung der Stelle herbeiführen. Der Bürgermeister will dafür werben, die Attraktivität des Museums durch eine Fachkraft zu steigern, ohne auf die bisher geleistete ehrenamtliche Arbeit zu verzichten. Nur mit einer hauptamtlichen Leitung erschließen sich zudem weitere Fördermöglichkeiten. Eine Zustimmung des Rates erscheint nicht unwahrscheinlich. Sowohl Kulturausschuss-Vorsitzender Albert Brüggemann (SPD) als auch der Vorstand des CDU-Stadtverbandes haben sich bereits für die Stelle ausgesprochen.




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