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Dyna Energetics unter Druck / Fast 150 Menschen bei der Bürgerversammlung gegen Sprengungen

Kasper ganz allein in der Grube des Löwen

Kleinenbremen (ly). Ein heftiger Knall lässt fast 150 Menschen zusammenzucken. Aus dem Boden schießt eine gelbliche Staubwolke, erhebt sich weit über die höchsten Baumwipfel und wird vom Wind davongetragen. "Diese Wolke besteht aus Gas und Sand", kommentiert Dietrich Müller-Prasuhn, SPD-Kreistagsabgeordneter und Mitglied im Bezirksausschuss, die schockierenden Bilder. "Rund um die Sprengstelle sind alle Bäume abgestorben", fügt er hinzu.

Schwerer Stand: Wolfgang Kasper (mit dem Rücken zur Kamera) von

In diesem Moment hat Wolfgang Kasper verloren. Mehr als zwei Stunden lang bekommt der Mann von Dyna Energetics kein Bein mehr an die Erde. Es ist Donnerstagabend, und in einer Bürgerversammlung gegen weitere Sprengungen seines Unternehmens in der Kleinenbremer Barbara-Grube Bergmannsglück steht Kasper auf verlorenem Posten. Der Sprenglärm kommt bloß aus Lautsprechern, die Staubwolke macht sich auf einer Leinwand breit. Zu sehen ist ein Film über das hessische Dillenburg-Oberscheld. Dort hat Dyna Energetics (Siegerland) bereits einen Betrieb, in dem durch Sprengungen Metallplatten verbunden werden. Der SPD-Ortsverein, so Moderator Rainer Besser, hat den Film "bei einem unangemeldeten Besuch" von Anwohnern bekommen - unangemeldet bei der Firma, versteht sich. Was die Portaner Zuschauer da sehen und hören, macht sie nur noch wütender. "Wir wehren uns massiv, denn dies ist unsere Heimat", bringt Walter Caselitz, Vorsitzender des Heimatvereins Kleinenbremen, die Gefühle unter großem Beifall auf den Punkt. Immer wieder wird Dyna-Mann Kasper an seine frühere Zusage erinnert, wonach das Unternehmen gegen Widerstände aus der Bevölkerung nicht in Porta Westfalica investieren werde. Kasper reagiert nicht, fast kann er einem Leid tun. "Haben Sie keine andere Gegend, in die sie mit ihren paar popeligen Arbeitsplätzen gehen können?", schallt ihm aus der Grube des Löwen entgegen, dem Saal der Gaststätte "Zur schönen Aussicht". Bis zu 60 Stellen sollen es sein, aber die interessieren hier niemanden. Zu groß ist die Sorge um die Gesundheit, das Wohlergehen der Kinder, um den Wert des eigenen Häuschens. Berichte der hessischen Lokalpresse haben die Sozialdemokraten ebenfalls besorgt. "Als wackele der ganze Berg", heißt es darin über die Sprengungen, an manchen Tagen bis zu acht, angeblich sogar samstags nach 22 Uhr. Von Rissen in den Häusern ist die Rede, ohrenbetäubenden Knall, heftigem Luftzug. "Das Klirren der Gläser in den Schränken gehört schon zum Alltag." Da fragt sich nicht nur Friedrich Vogt, Vorsitzender des Bezirksausschusses, wer wohl noch nach Kleinenbremen zieht oder hier Urlaub macht, wenn diese Firma sich ansiedelt. "Keiner mehr", kommt die prompte Antwort aus dem Publikum. In Porta solle ein ganz anderes Konzept verfolgt werden als in Dillenburg, versucht Wolfgang Kasper zu beruhigen. Im früheren Steinbruch Schiewe seien von Anfang an Filteranlagen für die Sprengschwaden vorgesehen, versichert er. "Filter und Abgasanlagen verspricht man den Leuten in Dillenburg seit zwei Jahren", sagt Rainer Besser. In Kleinenbremen soll außerdem ein Drucktor eingebaut werden. Soll. Friedrich Vogt hatte "gehofft, die Barbara Erzbergbau würde heute Abend erklären, dass sie mit Dyna Energetics nicht mehr zusammenarbeiten will". Von der Barbara, die den Siegerländern eine Kammer ihrer Grube verpachten möchte, ist niemand gekommen, jedenfalls nicht offiziell. "Chance vertan", stellt Vogt fest und schlägt vor: "Wir sollten unserenDruck nicht allein auf Dyna Energetics richten, sondern auch auf die Barbara." Schließlich wohnt Barbara gleich nebenan. Nach der Veranstaltung tragen sich die ersten Portaner, Todenmanner und Rintelner in Listen zur Gründung einer Bürgerinitiative ein. Seit heute liegen sie bei Lotto/Toto-Vogt und in der Roland-Apotheke. Bloß keine Zeit verlieren. Walter Kunz, der mit in Dillenburg war, fordert: "Der Protest muss sich formieren." Schon geschehen.

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