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"Scherbenhaufen" im Kirchenamt: Steinwachs ruft Synode zur Reue auf

"Karren an die Wand gefahren"

Landkreis (ssr). Weil es für ihn "unerträglich wird, der öffentlichen Demontage unserer Kirchenleitung zuzusehen", hat sich der Bergkirchener Pastor Hartmut Steinwachs in einem vertraulichen, der Redaktion vorliegenden Schreiben an sämtliche Pastoren und Synodalen der schaumburg-lippischen Landeskirche gewandt. Titel des Schreibens: "Den Karren an die Wand gefahren..." Darin kritisiert er vor allem die Landessynode, die "einen Scherbenhaufen angerichtet" habe.

Das Landeskirchenamt sei deshalb mittlerweile derart entvölkert, "dass die Kirchenleitung ihren Aufgaben allein durch fehlende ,men-power' (Arbeitskraft) nicht mehr gerecht werden kann", diagnostiziert Steinwachs. Mehr noch: "Wenn demnächst auch der Oberverwaltungsrat seinen Posten in den Ruhestand verlässt, sind nur noch die Sekretärinnen ,Wissende'über die Leitungs- und Verwaltungsabläufe unserer Landeskirche!" Daher wäre es aus seiner Sicht "an der Zeit für ein reuiges Erschrecken der verantwortlichen Synode und der sie treibenden Kräfte". Wer diese treibenden Kräfte aus seiner Sicht sind, erwähnt Steinwachs nicht. Insbesondere die Initiative der Synode vor einem Jahr, "den Posten des Hausjuristen nicht wieder zu besetzen, hat sich bitter gerächt", schreibt Steinwachs. Der Geistliche nennt ein Beispiel für seine Analyse: Das Verfahren um die Suspendierung von Oberkirchenrat Werner Führer habe gezeigt, dass selbst klare Rechtslagen durch Formfehler zum Scheitern gebracht werden könnten. Denn die Voraussetzungen für eine Trennung von Führer seien doch eindeutig gewesen, schreibt Steinwachs: "Wenn ein subalterner (untergeordneter) Mitarbeiter eines Unternehmens öffentlich die Leitungskompetenz der Unternehmensprüfung bestreitet und eigene Richtlinienkompetenz behauptet, ist das ein sofortiger Kündigungsgrund, weil das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört ist. Diese Rechtslage hat sicher auch in der Kirche Gültigkeit." Steinwachs berichtet von einem Telefonat mit dem Bückeburger Kollegen Ingo Röder, in dem dieser sich über "fehlende Visitationen der Gemeinden" beschwert habe. Dazu berichtet Steinwachs aus eigener Erfahrung als Ortsgeistlicher über drei bischöfliche Visitationen: "Alle drei Visitationen wurden nicht abgeschlossen, die Visitationsberichte, die das eigentliche Ziel von Visitationen sind, sind nie erstellt worden! Dies ist meines Wissens auch in keiner anderen visitierten Kirchengemeinde der Landeskirche erfolgt. Visitationsberichte sollen die Gemeindearbeit würdigen, eventuell Kritik anbringen und Änderungen einfordern. (...) So aber waren es Gemeindebesuche, die sicher ihren Sinn haben, aber ich spreche diesen Gemeindebesuchen ab, als Visitationen gelten zu können." Als Schulpastor habe Johannesdotter ihn zwar nicht visitiert, aber "mit mehreren handschriftlichen Briefen und Telefonaten freundlich begleitet". Steinwachs lobt Johannesdotter in dem Schreiben: "Ansonsten möchte ich die Arbeit unseres Bischofs insofern einmal würdigen, dass er unsere Landeskirche nach außen gut vertreten hat."

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