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Karl-Heinz Harms soll mit seinem Wochenmarkt-Stand umziehen

BAD MÜNDER. Vor vier Jahren bekam er eine Urkunde von der Stadt, für seine große Wochenmarkt-Treue. Inzwischen bekommt Karl-Heinz Harms vor allem einen dicken Hals. Der Gemüsestand-Betreiber soll am Donnerstag nach 28 Jahren den Standplatz seines Familienbetriebs räumen und an den Rand des Marktgeschehens umziehen.

2001 übernahm Karl-Heinz Harms den Wochenmarkt-Stand seines Vaters; seit 28 Jahren verkauft die Familie an gleicher Stelle Obst und Gemüse. Nun soll sie an den Rand des Trubels ziehen. FOTO: ARCHIV
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Warum – das ist ihm bis heute nicht so richtig klar.

Fest steht: Für Harms kam die Entwicklung aus heiterem Himmel. Während er vor zwei Wochen auf dem Markt seine Kunden bediente, habe sich die Stadt bei ihm gemeldet und ihn für den gleichen Tag zum Gespräch gebeten, erinnert er sich.

Dort sei ihm dann eröffnet worden, was er wenige Tage später auch schriftlich bekam: Er soll von der Marktstraße – in Höhe des Optikers Hasenfuss – weichen. Und stattdessen künftig seinen Stand nahe der Ecke Petersilienstraße/Obertorstraße aufbauen. Oder wie Harms es sagt: „Lauflage ist das nicht mehr.“ Ersetzen sollen ihn am alten Standort ein Obst- und Gemüsehändler, der aus der Obertorstraße umzieht. Und ein neuer Beschicker, der Wurstwaren anbietet.

Was den 56-Jährigen besonders wurmt: Er kann die Begründung der Stadt für den Umzug nicht nachvollziehen. In dem Schreiben des Ordnungsamts ist von Brandschutz und Rettungswegen die Rede. Im Bereich der Obertorstraße sei „ein Befahren mit Einsatzfahrzeugen (...) zur Zeit nicht gegeben“. Deshalb sollen dort statt größerer Verkaufsstände wie dem von Harms „weitgehend nur noch Verkaufsfahrzeuge“ zugelassen werden. Doch Harms steht ja bislang gar nicht an der Obertorstraße – sondern soll dorthin umziehen.

Der Obst- und Gemüsestand, der ihn ab heute beerbt, sei sicher einen Meter tiefer als sein eigener, sagt der Marktbeschicker. Offenbar ein Grund, warum der Konkurrent von der Obertorstraße weg soll: „Aber dann wird es ja wieder an der Markstraße enger für die Feuerwehr.“

In dem Brief wirft die Stadt Harms auch vor, „nicht an allen Markttagen teilgenommen“ zu haben. So entstehe „am Beginn des Marktes immer eine große Lücke“, die „ein schlechtes Bild für den gesamten Wochenmarkt ergibt“. Konkret sei von 15 Fehltagen im Jahr 2016 die Rede, sagt Harms selbst. Ziehe man jedoch seinen Urlaub und ein mehrwöchiges Arbeitsverbot wegen angebrochener Rippen ab, komme man nur noch auf acht Tage. Und: Er leide bis heute unter den Spätfolgen eines Schlaganfalls aus dem Jahr 2013. „Aber kann man denn jemanden rauswerfen, weil er krank ist?“, fragt Harms. Und aus seiner Sicht läuft der Schritt der Stadt tatsächlich auf einen Rauswurf hinaus. Denn am neu zugewiesenen Platz könne er seinen Stand gar nicht nutzen: Die Lücke zwischen zwei Bäumen sei nur wenige Zentimeter länger als sein Stand. „Da kann ich nicht reinrangieren.“

Durch eine Mauer sei außerdem der hintere Zugang für die Warenanlieferung blockiert. Deswegen fehlt Harms heute auch komplett. Das hat er gestern auch Bürgermeister Hartmut Büttner noch einmal gesagt. Der spricht gegenüber der NDZ von einem „schwebenden Verfahren“ und Gesprächen mit Harms, will sich nicht weiter äußern. Und sagt auf Nachfrage dann doch, es gebe „erfreulicherweise“ neue Standbeschicker – in dem Zusammenhang seien Änderungen erforderlich. Davon wiederum ist in dem Brief nicht die Rede.

Harms hat schon vor einer Woche seine Kunden informiert – und gleich mehr als 60 Unterschriften gesammelt, einige wandten sich mündlich und schriftlich an die Stadt.

Deren Brief an Harms endet mit der Bitte um Verständnis – und dem Hinweis, gegen den Bescheid könne Klage beim Verwaltungsgericht Hannover erhoben werden.



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