weather-image
Ardagh-Betriebsratsvorsitzender Hans-Georg Diekmann beklagt Hütten-Förderung im Osten

„Kapazitäten im Weserbergland gefährdet“

Bad Münder (st). Die Schließung dreier Wannen in der münderschen Gashütte 2009 hat über 250 Arbeitsplätze in der Kurstadt vernichtet, noch heute leidet die Stadt unter den Folgen. Sind jetzt auch noch die übrigen rund 150 Arbeitsplätze in Gefahr? Betriebsratschef Hans-Georg Diekmann will nicht den „schwarzen Teufel an die Wand“ malen. Schließlich ist Bad Münder durch seine spezielle Produktpalette im Chemieglasbereich gut aufgestellt. Aber: Durch eine trotz Marktübersättigung errichtete Glashütte in Gardelegen (Altmark, Sachsen-Anhalt) „sind Kapazitäten im Weserbergland gefährdet“.

Glasflaschen aus Bad Münder haben eine lange Tradition – auch noch eine lange Zukunft?

Und das regt den ambitionierten Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmer auf. „Wettbewerb wäre okay, aber nicht so. Was zurzeit in Gardelegen abgeht, ist unfairer Wettbewerb von Leuten, die nur Subventionen kassieren wollen“, empört sich Diekmann. In Bad Münder seien drei Wannen geschlossen worden, zudem eine in Obernkirchen, eine in Nienburg – „und da wird ein neues Werk auch noch gefördert.“ Für Diekmann nicht nachzuvollziehen. „Die Kapazität wird einfach nicht gebraucht.“

Seit 2010 betreibt die 2008 gegründete Agenda Glas AG das Werk in Gardelegen, musste in diesem Frühjahr bereits Insolvenz anmelden. Ein indisches Unternehmen will die Glashütte weiterführen – sogar noch einmal um eine zweite Wanne erweitern. „Wenn das alles mit dem Geld eines privaten Investors passieren würde, dann wäre das Wettbewerb, und wir müssten das akzeptieren. Aber hier fließen Subventionen, hier werden Fördermittel in Anspruch genommen, obwohl es keinen Bedarf gibt“, regt sich Diekmann auf. Der offizielle Eigenanteil der Inhaber soll laut eines Berichtes der Magdeburger Volksstimme abzüglich direkter Fördermittel und Kredite bei staatlichen Geldinstituten nur 4,2 Millionen Euro betragen haben – gekostet habe das Werk rund 50 Millionen.

„Und die Inder haben für die zweite Wanne bestimmt auch schon wieder Fördergelder in Aussicht“, mutmaßt Diekmann. „Und dann zahlen die da auch noch Dumping-Löhne.“ Dem SPD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Stefan Schostok sagte der Betriebsratschef bei dessen jüngstem Besuch im Ardagh-Werk: „Wenn die zweite Wanne in Gardelegen kommt, dann macht im Weserbergland eine Wanne dicht. Das verspreche ich Ihnen.“ Der stellvertretende Werksleiter der münderschen Glashütte, Frank Lübbering, brachte die Wut der Münderaner auf den Punkt: „Da hat man doch das Gefühl, dass man seinen eigenen Arbeitsplatz mit seinen eigenen Steuern vernichtet.“

Diekmann schlägt eine Neuordnung der Subventionsregelungen vor. „Es müsste eine neutrale Bewertung durch die EU-Kommission oder das Bundeswirtschaftsministerium geben“, sagt Diekmann und fügt hinzu: „Das kann nicht jedes Land selber entscheiden, nur weil es strukturschwache Regionen hat.“ In Gardelegen habe es ein Gutachten gegeben, dass die Sinnhaftigkeit des Werkes belegen würde. „So ein Gutachten würde ich für Bad Münder auch bekommen, wenn ich es bezahle“, sagt Diekmann.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt