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Vor Gericht: Acht Monate mit Bewährung / Hinterrücks mit Schlagstock verprügelt

Kampfüber zwei Runden klar verloren

Bückeburg (ly). Was für ein Anblick: Mit nacktem Oberkörper, den Kopf blutverschmiert, steht ein völlig aufgebrachter Mann vor einem Bückeburger Haus und schreit wie am Spieß. "Komm raus!", fordert er. "Ich mach' dich platt!" Dann erscheint die Polizei, um noch Schlimmeres zu verhindern. Es ist kurz nach sechs Uhrmorgens.

Wie die Verletzungen entstanden sind - Schädelprellungen und Platzwunden - muss demnächst die Justiz in Bielefeld klären, wo ein Verfahren anhängig ist. Teil zwei der mysteriösen Geschichte hat jetzt das Bückeburger Amtsgericht beschäftigt. Am Ende verurteilte Richter Armin Böhm einen 27-Jährigen, vor dessen Wohnungstür sich die filmreifen Szenen abgespielt haben, wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung, verbunden mit Auflagen wie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. "Damit der Angeklagte seine überschüssigen Kräfte ein wenig austoben kann", so Böhm. Drei- oder viermal soll der Arbeitslose mit einem Teleskop-Schlagstock von hinten zugehauen haben. Er traf Kopf, Nacken und Schultern seines blutenden Gegners. Wunden, die das Opfer (29) bereits von einem vorausgegangenen Angriff in Bielefeld hatte, platzten offenbar wieder auf. Der Verletzte "wollte den Kampf zu Ende führen, wie das unter jungen Männern so üblich ist", glaubt Böhm. Und das ging schief. Runde zwei hatte denselben Verlierer. Die Vorgeschichte beginnt einige Stunden zuvor in Bielefeld. Dort soll das Opfer von mehreren Männern in einem Waldstück verprügelt worden sein, unter ihnen ebenfalls der Angeklagte, wie der Bückeburger behauptet. Angeblich hat der 29-Jährige überdies einen aufgesetzten Schuss mit einer Gaspistole abbekommen. Dass es bei dem Streit um Drogen ging, gilt zwar als denkbar, muss aber im Bielefelder Prozess geklärt werden. Sicher ist, dass der Verletzte nach der Ankunft in Bückeburg "noch einen Strauß ausfechten wollte" (Böhm). "Ich war auf 180", gibt er zu. Eine Scheibe soll zu Bruch gegangen sein. Opferanwalt Oliver Theiß geht davon aus, dass der Angeklagte anfangs in seiner Wohnung war, dann herauskam und sich von hinten anschlich, um den Erstschlag gegen Theiß' Mandanten zu führen, der mit einem Rohr bewaffnet war. "Wenn ich mir damit eine gefangen hätte, wäre Feierabend gewesen", meinte der Angeklagte. Beim Eintreffen der Polizei war die Klopperei bereits gelaufen. Der Wohnungsinhaber behauptet, sich in Notwehr verteidigt zu haben. Und selbst wenn: "Mehrere Schläge waren nicht nötig", wie Staatsanwalt Günter Wilkening und Böhm betonten.




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