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Kampf um die Zukunft des Standorts

Bad Münder. Heute Vormittag weitere Sondierungsgespräche, am Nachmittag dann eine Betriebsversammlung: Bei Haworth wird mit Hochdruck an einer Verständigung auf das von der Geschäftsführung vorgelegte „Zukunftskonzept“ gearbeitet. Der Grund für den straffen Zeitplan: Noch in diesem Monat soll eine Einigung erfolgen, um den Fortbestand des Unternehmens nicht zu gefährden.

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Die Haworth-Geschäftsleitung hatte Ende September eine „Neuausrichtung“ ihrer deutschen Standorte in Bad Münder und Ahlen angekündigt. Während der Stadtort Ahlen komplett aufgegeben werden soll, sind für Bad Münder Umstrukturierungen vorgesehen. Details des Konzeptes hatten die Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter in den vergangenen Wochen hinterfragt und die von der Geschäftsleitung vorgelegten Zahlen analysiert. Ein tragfähiges Zukunftskonzept? „Nach heutigem Stand sehe ich für den Standort Ahlen keine Perspektive. Für Bad Münder hängt es an der Frage, welche Produkte zukünftig hier produziert werden“, erklärte der mündersche Betriebsratsvorsitzende Gerd Ahrens gestern auf NDZ-Nachfrage.

Überraschend sei für die münderschen Betriebsratsmitglieder bei der Durchsicht des Konzeptes gewesen, dass die Geschäftsleitung Teile der bislang in Ahlen ansässigen Produktion nach Bad Münder verlagern will, dafür im Gegenzug aber auch bislang in Bad Münder angestammte Bereiche ausgelagert werden sollen. „Nach Darstellung der Geschäftsleitung kommt es im Wesentlichen auf unsere Flexibilität an, was in Zukunft in Bad Münder produziert wird und was eventuell an andere Standorte geht oder sogar fremd vergeben wird“, erklärt Ahrens. Diese „Flexibilität“ bezieht sich, so die Wahrnehmung des Betriebsratsvorsitzenden, auf die Bereiche Arbeitszeit und Entlohnung. „Zwischen den Zeilen lese ich eine klare Aufforderung: Seht zu, dass ihr die Arbeitszeiten öffnet und ohne große Begrenzungen mit möglichst geringer Bezahlung arbeiten könnt, dann habt ihr ein hohes Produktionsvolumen.“ Seiner Auffassung nach sei es sicherlich möglich, an „der einen oder anderen Stellschraube zu drehen“, wichtig für ihn aber: Das dürfe nicht auf Dauer, nicht über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren hinaus angelegt sein. Und: Sollte sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens bessern, müssten die Bestandteile ganz oder in Teilen zurückgezahlt werden.

Für diese Position erhielt der Betriebsrat von den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten, die nach Angaben Ahrens rund 70 Prozent der Belegschaft ausmachen, ein Verhandlungsmandat.

Was sich in den vergangenen Wochen grundsätzlich als schwierig herausgestellt hat: Für verschiedene Verhandlungsaspekte hat die Geschäftsleitung unterschiedliche Verhandlungspartner. Für den Bereich Umstrukturierungen den Gesamtbetriebsrat, der Bereich Betriebsvereinbarungen sei Sache der örtlichen Betriebsräte, der Tariflohn-Aspekt bei der IG Metall und den Arbeitgeberverbänden angesiedelt. „Alle verhandeln unabhängig voneinander – allen wurde das gleiche Ziel vorgegeben: Ende November unterschriftsreife Ergebnisse präsentieren zu können“, so Ahrens. Sinnvoll wäre seiner Auffassung nach eine gemeinsame Verhandlungskommission, die alle Bereiche berücksichtigen würde.

jhr

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