weather-image

Jungbauern auf neuen Wegen

270_0900_12826_lkbm_wente_eier_2772.jpg

Autor:

Mira Colic

In der Region Bad Münder gehe der Trend in die andere Richtung, sagt zumindest die oberste Landfrau Niedersachsens, Barbara Otte-Kinast, die mit ihrer Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb in Beber führt. Sie sieht wenigstens über ihrem Bekanntenkreis das Damoklesschwert des Höfesterbens nicht hängen. Allerdings müsse der Hof so rentabel sein, dass es sich für den Nachwuchs lohne. Deswegen sind immer neue Ideen gefragt.

Seit wie vielen Generationen seine Familie den Hof in Nettelrede betreibt, kann Christian Wente so auf Anhieb gar nicht beantworten. Aber schon der Großvater seines Großvaters sei bereits Landwirt gewesen. Und der Hof ist immer weiter vererbt worden, so wie bei vielen Familien. Doch dies werde heutzutage immer schwerer, denn mit Landwirtschaft sei nur noch schwer Geld zu verdienen. So hat der 27-Jährige jetzt in ein Hühnermobil mit 246 Hühnern und vier Hähnen investiert – und damit in die Zukunft. Schließlich wünscht sich der junge Familienvater, dass auch seine Kinder (bisher hat er eine Tochter) mal den Betrieb weiterführen können. Doch derzeit reicht das, was die Bewirtschaftung des Hofes abwirft, nicht mal für die gesamte Familie. „Deswegen arbeite ich halbtags noch in dem Betrieb in Hilligsfeld, in dem ich gelernt habe“, so Wente. Der 27-Jährige glaubt, dass die Landwirtschaft in Zukunft wieder kleinstrukturierter werde, weg von den großen Einheiten. Aktuell sei bereits die Entwicklung zu beobachten, dass die Kunden gerne regional einkaufen. Und diesen Trend möchte der Jungbauer nutzen.

Wie schwierig es allerdings ist, seine eigenen Produkte vom Hof weg zu verkaufen, weiß auch Familie Kinast. Vor Jahren hatte es den Versuch gegeben, die Milch im Umland mit eigenen Wagen auszuliefern. „Das haben wir aber aufgrund der erhöhten Auflagen wieder aufgegeben“, sagt Moritz Kinast. Der 22-Jährige hat jüngst seine Ausbildung zum Agrar-Betriebswirt als Jahrgangsbester absolviert und ist vor zwei Monaten in den Familienbetrieb eingestiegen. Natürlich mache auch er sich Gedanken um die Zukunft der Landwirtschaft.

Milch oder Eier direkt aus Automaten vom Hof zu verkaufen, sei vor allem dazu geeignet, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und das Image zu verbessen, so Kinasts Einschätzung. „Man muss hoffen, dass der Absatz wenigstens so hoch ist, dass die Investitionskosten wieder reinkommen.“ Leider achte nur ein Bruchteil der Gesellschaft darauf, regional einzukaufen. Für seinen Abschluss hat er eine Facharbeit zu dem Thema geschrieben, wie er sich die Weiterentwicklung des Hofes Kinast unter Berücksichtigung von Jahresabschlüssen, dem verfügbaren Boden, der Zahl an Arbeitskräften und einer Investitionskostenrechnung vorstellt. Seine Ergebnisse? Aufgrund der aktuell niedrigen Milchpreise würde sich der Neubau eines Milchviehstalls – wie ihn seine Eltern in Erwägung ziehen – seinen Berechnungen zufolge nicht rechnen. Die Kinasts betreiben jedoch bereits seit 2007 eine Biogasanlage – als weitere Einnahmequelle und um Preisschwankungen zu kompensieren – neben den 100 Kühen im Stall und den 200 Hektar Land, die sie bewirtschaften.

Obwohl der elterliche Betrieb also auf lange Sicht gut aufgestellt sei, wisse er noch nicht, wohin ihn sein Weg führen werde. „Vielleicht werde ich auch noch studieren.“ Aber einen anderen Beruf zu ergreifen, dies habe für ihn nie zur Debatte gestanden. „Seitdem ich denken kann, wollte ich Landwirt werden.“

Und selbst wenn Moritz Kinast einen anderen Weg für sich wählen würde, müssten sich seine Eltern über den Fortbestand des Hofes wohl keine Sorgen machen, hat der jüngste Sohn doch auch gerade seine Ausbildung zum Landwirt angefangen – und ist damit beiden Geschwistern gefolgt. Die 24-jährige Tochter hat die Leidenschaft des Vaters für Kühe übernommen und ist Herdenmanagerin in einem Bremer Betrieb.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt