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Das Duo Marie Rosa Günter und Stanislas Kim verzaubert sein Publikum beim Jahresauftakt im Schaafstall

Jugendlicher Charme und große Reife

gestorf. „Junges Jahr – junge Künstler“, so lautet das Motto des traditionellen Jahresauftaktkonzerts im Egestorfer Schaafstall. Seit zehn Jahren ist das Januarkonzert dem musikalischen Nachwuchs gewidmet. Mit der 1992 in Braunschweig geborenen Pianistin Marie Rosa Günter und dem zwei Jahre jüngeren, aus Frankreich stammenden Cellisten Stanislas Kim hatte Vereinsvorsitzender Ernst Jürgen Kirchertz auch diesmal wieder eine mehr als glückliche Wahl getroffen. „Die beiden haben vor eineinhalb Jahren anlässlich meines runden Geburtstages bei mir gastiert und so nachhaltig begeistert, dass wir sie einfach in den Schaafstall einladen mussten“, berichtet Kirchertz.

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Widrige Witterungsverhältnisse waren der Grund dafür, dass viele der ursprünglich angemeldeten Gäste auf eine weite Anreise verzichteten. 60 Zuhörer erlebten ein Duo voll jugendlichem Charme, das seinem vielfach preisgekrönten Ruf absolut gerecht wurde. Schon der Auftakt, Bachs Gambensonate D-Dur BWV 1028, brillant, wenngleich im Diskant des Flügels eine Spur zu heftig. „Da hätte ich mir etwas mehr Dämpfung gewünscht“, so Marie Rosa Günter nach dem Konzert.

Schlichtweg grandios, sensationell und das Haupterlebnis des Abends dann aber der Soloauftritt der 23-Jährigen, die Ludwig van Beethovens Klaviersonate Nr. 30 E-Dur op. 109 mit einem fast überirdisch anmutenden Einfühlungsvermögen interpretierte. Keine Frage, dass eine solche Künstlerin ein Stück technisch perfekt spielen kann, darf erwartet werden. Doch Günter fügt ihrer Interpretation noch jenes Quäntchen hinzu, dass sehr gute von Ausnahmepianisten unterscheidet. Sie gibt sich mit teils geschlossenen Augen den Klängen Beethovens ganz hin, hämmert die Stakkati des taub werdenden Meisters nur so in die Tasten, um gleich drauf ohne auch nur eine Spur von Sentimentalität in dessen zartesten Emotionen zu schwelgen. Und nach dem explosiven E-Dur Adagio im 2/4tel Takt herrscht sekundenlang eine Stille im Raum, deren Spannung fast zu bersten scheint. Kurz: Was dieses kleine, fragile Persönchen aus dem Flügel herausholt, ist schlicht einzigartig.

Aber auch als Duo erweisen sich Marie Rosa Günter und ihr Partner Stanislas Kim, die seit 2008 zusammen musizieren und bereits eine CD eingespielt haben, als musikalisches Traumpaar.

Reich beklatscht Beethovens Cellosonate Nr. 2 g-Moll op. 5 und ebenfalls mit Bravo-Rufen und anhaltendem Applaus honoriert die beiden so kontrastreichen Sätze von Schumanns Fantasiestücken op. 73.

Am Ende bleibt festzustellen, dass schon viele später zu Stars aufgestiegene Musiker in ihren frühen Tage im Schaafstall zu Gast waren. Dass Marie Rosa Günter und Stanilas Kim auf dem Weg in den Musiker-Olymp bereits ein gutes Stück vorangekommen sind, davon konnten sich die Besucher auch dieses Jahresauftaktkonzertes überzeugen.hzs



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