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Vor Gericht: Dealer kommt zur Einsicht

Jugendlichen Hasch verkauft: Bewährung

Stadthagen/Bückeburg (ly). Eine Zitterpartie mit glücklichem Ausgang hat ein früherer Drogendealer (23) aus Stadthagen hinter sich. Über rund zweieinhalb Jahre hatte der junge Mann jeden Monat mehrere hundert Gramm Haschisch oder Marihuana gekauft und einen Großteil überwiegend an Jugendliche abgegeben. "Als Erwachsener hätte er dafür eine mehrjährige Haftstrafe bekommen", wie die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus jetzt in einen Drogenprozess vor dem Bückeburger Landgericht erklärte. Weil der Angeklagte aber nach dem eher moderaten Jugendstrafrecht verurteilt wurde, bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht, kam er mit zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung davon.

Verbunden ist die Entscheidung der 1. Großen Jugendkammer allerdings mit strengen Auflagen. So bekommt der 23-Jährige einen Bewährungshelfer. Er muss 200 Stunden gemeinnützig arbeiten, alle drei Monate zum Drogentest, eine bereits begonnene stationäre Therapie fortsetzen und anschließend zur ambulanten Nachbetreuung. "Wenn ich im klaren Kopf darüber nachdenke, tut mir alles sehr Leid", erklärte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Zur Tatzeit zwischen November 2004 und Juni 2007 hatte der Stadthäger selten einen klaren Kopf. Bis zu 15 Gramm "Stoff", so die Angaben des Angeklagten, brauchte dieser zeitweise für den eigenenBedarf. Dazu reichte das knappe Geld bei dem Hartz-IV-Empfänger nicht annähernd. In dieser Situation begann der Süchtige mit Drogengeschäften, die bald zu einem schwunghaften Handel anwuchsen und auch strafrechtlich gewaltige Ausmaße annahmen: In 162 Fällen hat der 23-Jährige gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Juristisch werden die meisten Taten obendrein als Verbrechen eingestuft, weil die Abnehmer der Portionen, meistens ein oder wenige Gramm, minderjährig waren. Den Schwerpunkt sah die Kammer in einer Zeit, als der Angeklagte noch Heranwachsender war, jünger als 21 Jahre also - deshalb Jugendstrafrecht. So ist es im Gesetz geregelt. "Manchmal scheint der harte Weg der richtige zu sein", stellte Richterin Brüninghaus im Rückblick fest. Geplatzt sei die Bombe mit der Festnahme am 21. Juni. "Zwei Monate Untersuchungshaft waren eine harte Zeit", so die Vorsitzende. "Aber sie waren auch eine notwendige Zeit, um die Kehrtwende zu vollziehen." Auf dieser Kehrtwende beruhe das Urteil, "nicht auf Gnade oder unvertretbarer Milde". Bewährung sei für solche Straftaten "keinesfalls selbstverständlich". Was der 23-Jährige verbrochen hat, nannte Brüninghaus inakzeptables Unrecht. Dem Angeklagten, einem jungen Mann "aus gutem Hause", attestierte sie zumindest für die Tatzeit schädliche Neigungen. Zu Gunsten des nicht vorbestraften Stadthägers sprachen dessen umfassendes Geständnis und die Tatsache, dass er über Verkäufer und Abnehmer ausgepackt hatte. Nach einem Paragraphen im Betäubungsmittelgesetz kann die Strafe in solchen Fällen gemildert werden.



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