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In Brökeln gibt es noch ausreichend engagierte Jugendliche / Feuerwehr ist fester Bestandteil des dörflichen Lebens

Jugendfeuerwehr Hehlen bangt um den Nachwuchs

Brökeln/Hehlen (phi). Vincent hat Geburtstag. Mit einem dreifachen „Gut Wehr“ gratulieren ihm seine Kameraden, darunter seine beiden älteren Brüder, und Vincent gibt einen aus. Neunzehn Jahre ist er geworden, und heute Abend hat er Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Brökeln, wie immer montags. Mit ihm sind acht weitere Jugendliche zwischen sechzehn und einundzwanzig Jahren erschienen.

Im Gegensatz zu anderen Freiwilligen Wehren plagen die Brökelner Wehr, dem demografischen Wandel zum Trotz, keine Nachwuchssorgen. „In den vergangenen fünf Jahren ist bei uns ein ganzer Rutsch Jugendlicher nachgekommen, die auch alle sehr motiviert dabei sind“, erläutert Ortsbrandmeister Markus Ulbig. Derzeit hat die Wehr 211 Mitglieder, 26 davon aktiv. Ein guter Schnitt, wenn man bedenkt, dass die Einwohnerzahl des kleinen Bergdorfes nur 170 beträgt.

Ab sechzehn Jahren können die jungen Mitglieder die Truppmann-Ausbildung, als Grundlage weiterer Fortbildungen, beginnen und für Vincent, Arno, Christopher und die anderen Jungs war es keine Frage, dass sie sich mit dem sechzehnten Lebensjahr alle bei der heimischen Wehr verpflichten würden. Das sei so üblich, sind sie sich einig. Selbstverständlich seien auch ihre Väter Mitglieder, das werde so vorgelebt und setze sich fort.

Feuerwehr ist dann wohl keine Frauensache? Falsch. Kirsten ist zwar das einzige Mädchen in der Runde, dafür wird sie aber von Brandmeister Ulbig besonders gelobt: „Sie hat bei den Prüfungen immer als Beste abgeschnitten.“ Die blonde junge Frau ist in der Gruppe gut integriert und kann sich durchaus Respekt verschaffen. Außerdem kümmert sie sich in ihrer Freizeit um die Mitglieder der Jugendfeuerwehr in Hehlen. „Kirsten vermittelt den Kindern dort erstes Wissen über die Tätigkeiten eines Feuerwehrmannes und wir unterstützen die Jugendfeuerwehr gemeinsam mit anderen Wehren des Stützpunktes auch finanziell“, erläutert Ulbig.

Die meisten Jugendlichen, die heute in der Brökelner Wehr ihren Dienst versehen, waren vorher in der Hehlener Jugendwehr. Geleitet wird diese Hehlener Gruppe der Kinder und Jugendlichen von Annette Schrader, und sie sieht hier bereits die Probleme, die früher oder später die kleineren Ortswehren einholen werden. Fünfzehn Mitglieder hat die Jugendfeuerwehr der Gemeinde im Augenblick, aber vier wechseln dieses Jahr in die Wehr der Erwachsenen, „und bislang kommt niemand nach“, erklärt die junge Frau besorgt. Überhaupt lasse das Interesse an der Feuerwehr bei den Kindern stark nach. Zu Spitzenzeiten tummelten sich 41 Kinder im Dienst der Jugendfeuerwehr Hehlen. Anette Schrader selbst ist Frau der ersten Stunde und Gründungsmitglied der seit fünfzehn Jahren bestehenden Jugendwehr. „Inzwischen laufen Kampagnen auch in Niedersachsen, um die Kinder wieder für diese gemeinnützige Sache zu begeistern“, berichtet sie. Dabei verrichtet die Jugendwehr nicht nur Dienst im Gerätehaus. „Die Arbeit mit den Kindern besteht zu fünfzig Prozent aus Wissensvermittlung über die Wehr, die andere Hälfte sind Sport, Spiel und Spaß“, so die Feuerwehrfrau. Zeltlager, Segeltörns, Jugendfreizeiten, eigentlich genug Angebote für die Jugendlichen, trotzdem sind Nachwuchssorgen bei den Wehren ein allgegenwärtiges Problem. Geburtenschwache Jahrgänge und letztlich auch wenig finanzielle Mittel für die Nachwuchsarbeit machen die Schwierigkeiten unübersehbar.

Zufrieden mit dem ruhigen Leben

Einzig Brökeln scheint eine Insel inmitten des demografischen Wandels zu sein. Tatsächlich wollen die Jungen keineswegs ihren Heimatort verlassen, wenn es sich vermeiden lässt. Sie sind zufrieden mit ihrem ruhigen Leben im Dorf und fühlen sich sichtlich wohl. Nur Kirsten gibt zu bedenken, „dass man ja nicht weiß, was noch kommt“, und schließt einen Umzug nicht ganz aus, aber auch sie würde gern bleiben.

Inzwischen ist es dunkel geworden und die Brökelner Jugendlichen haben Dienstschluss. Nein, antworten sie, in den Schulen, die sie besuchen, sei es keineswegs mehr üblich, Mitglied in einer Feuerwehr zu sein. „Nur die, die vom Dorf kommen, sind manchmal noch in einer Wehr.“ Insgesamt finden sie, werde das Ehrenamt, das sie in ihrer Freizeit versehen, zu wenig geschätzt. „Dabei“, werfen sie ein, „ist das ja hier eben nicht nur eine Feuerwehr“, neben Sport- und Gesangverein sei die Wehr auch ein fester Bestandteil des dörflichen Zusammenlebens. Sie richtet Feste aus, unterstützt Veranstaltungen jeglicher Art und kümmert sich im Extremfall wie dem Sturm „Kyrill“ zusammen mit Handwerken, die am Ort wohnen, um Soforthilfe für die Betroffenen.




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