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Vor Gericht: Staatsanwalt fordert bis zu vier Jahre und zwei Monate Haft

Jugendbande führt akribisch Buchüber kriminelle Aktivitäten

Rinteln/Bückeburg (ly). Zwei gut organisierte Hehler, ein Lager, genaue Buchführung über den Ein- und Ausgang der Waren: Fast wie ein Unternehmen hat eine Rintelner Diebesbande ihre kriminellen Aktivitäten koordiniert, jedenfalls nach Überzeugung von Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein. Später sollte offenbar ein florierender Drogenhandel aufgebaut werden.

Die Sache hatte also System. Ein System, das Rabe von Kühlewein vor allem mit dem Namen des Hauptangeklagten verbindet, "dem Zentrum und Motor der Gruppe". Für ihn hat die Staatsanwaltschaft gestern vier Jahre und zwei Monate Jugendhaft gefordert. Auf das Konto des 21-Jährigen sollen 40 Diebstähle und vier Betrügereien gehen. Für zwei weitere Angeklagte beantragte Rabe von Kühlewein ebenfalls Jugendstrafen ohne Bewährung, einmal zwei Jahre, einmal 14 Monate. Mit zwei Jahren auf Bewährung beziehungsweise zwei Wochen Dauerarrest soll es bei den beiden übrigen Männern gut sein. Die Anträge der fünf Verteidiger lagenzum Teil deutlich darunter. Freispruch verlangte keiner. Am Mittwoch verkündet Richterin Dr. Birgit Brüninghaus, Vorsitzende der 1. Großen Jugendkammer am Bückeburger Landgericht, die Urteile. Von einer Bande wird dann womöglich keine Rede mehr sein. Zumindest im juristischen Sinne sieht der Staatsanwalt den vom Bundesgerichtshof geforderten Nachweis nicht erbracht, dass sich mindestens drei Personen zu einer Bande verabredet haben. Von 124 Straftaten in wechselnder Beteiligung sind 91 geblieben. Der Rest wurde gestern eingestellt, weil eine zusätzliche Verurteilung wegen dieser Taten kaum weiter ins Gewicht fallen würde. Was bleibt, dürfte reichen. Es geht um handfeste Betrügereien, Einbrüche und Diebstähle im großen Stil, um an Geld für Drogen zu kommen. In die Hände fielen den jungen Männern etwa Fernseher, Bohrmaschinen, Laptops oder hochwertige Uhren. Als "dickstes Ding" bezeichnete der Staatsanwalt den Einbruch in eine Rintelner Boutique, deren Schaufensterscheibe die Täter im Juni 2006 eingeworfen hatten. Beute: Markenartikel für bis zu 8500 Euro. Alle sieben Angeklagten haben die Vorwürfe eingeräumt oder Teilgeständnisse abgelegt. Zwei von ihnen sind bereits verurteilt worden, der eine zu 14 Monaten Haft, ein anderer als Hehler zu 500 Euro Geldstrafe. Tatorte sind Geschäfte in Rinteln, Bückeburg oder Minden, der Tatzeitraum liegt zwischen Januar 2005 und Juni 2006. Besonders abgesehen hatte es die Staatsanwaltschaft gestern auf einen Angeklagten. Im August vergangenen Jahres soll der Bursche bei einer Zollkontrolle mit fast 200 Gramm Marihuana erwischt worden sein. "Er dreht weiter dicke Dinger", meint Rabe von Kühlewein. Zu dem Zeitpunkt war die Anklageschrift im aktuellen Verfahren jedenfalls schon lange erhoben.




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