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Jetzt reicht’s aber

Mag das auch der fünfundvierzigste Gartenkolumnenbeitrag über einen der schlimmsten Feinde des Gärtners sein, der dieses Jahr in irgendeiner Gazette erscheint, es muss trotzdem noch einmal gesagt werden: Tod den Schnecken! Nach der kurzen Sommerphase kam der Regen zurück und mit ihm die kriechenden, schleimigen Gesellen, die sich geradezu unersättlich über unsere Lieblinge hermachen.

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Autor:

Gabriele Schmedesund Jens Tippel

Mag das auch der fünfundvierzigste Gartenkolumnenbeitrag über einen der schlimmsten Feinde des Gärtners sein, der dieses Jahr in irgendeiner Gazette erscheint, es muss trotzdem noch einmal gesagt werden: Tod den Schnecken!

Nach der kurzen Sommerphase kam der Regen zurück und mit ihm die kriechenden, schleimigen Gesellen, die sich geradezu unersättlich über unsere Lieblinge hermachen. Es sind dies die Funkien, von denen es eine große Auswahl gibt, eine schöner als die andere. Blattschmuckstauden allesamt und manche sogar mit einer duftenden Blüte – auch wunderbare Topfpflanzen, die im Schattenbereich eines Sitzplatzes die tonangebenden Akzente setzen können.

Als Profigärtner und aus langjähriger Erfahrung wissen wir um der Schnecken Lieblingsspeise und haben darum die edelsten Funkien in Terrakotten gesetzt. Doch scheint es, als erfreue sich die Disziplin des Gipfelstürmens größter Beliebtheit unter den Schnecken, denn in den höchsten Töpfen finden wir sie morgens oft am zahlreichsten. Wer das schon einmal erlebt hat, beginnt leise Reinhard Meys bekanntes Lied des mordenden Gärtners mitzubrummen und sich ernsthaft über Vergeltungsmaßnahmen Gedanken zu machen. Dem Militanten eröffnet sich nun ein breites Feld von allerlei nützlichem Kriegsgerät und chemischen Keulen. Auch der mehr bioökologisch Gärtnernde hat zahlreiche Mittel zur Verfügung, von denen die bekannte Bierfalle noch das humanste ist – doch leider auch mit dem Nachteil verbunden, dass dieses überaus gesunde Getränk dann weniger der Erfrischung des durstigen Gärtners zur Verfügung steht.

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Die Zerkleinerung der Schnecken mit der Rosenschere – zur Abschreckung von Artgenossen – ist unappetitlich und nur für robustere Naturen denkbar. Eine zumindest kleine Prise Sadismus sollte man auch für das Ansetzen einer Schneckenbrühe besitzen. Benötigt werden außerdem ein Topf kochendes Wasser und die Hauptakteure (im Grunde ist das wie Hummer à l’americain). Drei bis vier Tage ziehen lassen, ab und an umrühren, abseihen und mittels Gießkanne über die gefährdeten Pflanzen brausen. Eine Nasenklammer ist dazu empfehlenswert. Am schwersten hat es der eher zaghafte Gärtnertypus. Für ihn bleiben nur die defensiveren Maßnahmen: Schneckenzaunsysteme verschiedener Anbieter versprechen Schutz, prägen aber auch die Gesamtgestaltung des Gartens entscheidend mit, ebenso die Schnecken abwehrenden Pflanzen wie Kapuzinerkresse, Rainfarn und Senf. Basilikum eignet sich nicht, denn davon hat man für die eigene Küche nie genug, und selbst um dieses aromatische Kraut macht die Schnecke keinen Bogen. Die Verantwortung abwälzen auf die tierischen Feinde? Wäre eine Möglichkeit! Auf den Igel allerdings sollte man nicht bauen, er bevorzugt andere Nahrung und greift auf die Schnecke allenfalls während einer Hungersnot zurück. Als letzte Hoffnung bliebe die Indische Laufente, die paarweise gehalten werden muss. Für sie gilt die Schnecke als Hauptspeise. Von Jungpflanzen und Saatbeeten sollte die Ente allerdings ferngehalten werden. Über den Geschmack dieser Vögel ist uns leider noch nichts bekannt.

Unsere eigene Bekämpfungsmethode sei hier nur kurz skizziert, sie ist nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Mit viel Schatten, Feuchtigkeit und Naturbelassenheit bietet unser Garten die ideale Heimstatt für Schnecken. Hinter einer Hecke wohl verborgen des Nachbarn kahle, aufgeräumte Rasenfläche – für die Zukunft haben wir uns vorgenommen, einige besonders prächtige Exemplare zu markieren und schriftlich festzuhalten, wann sie von uns geflogen sind. Vielleicht können wir so ihre Reisegeschwindigkeit ermitteln.

Bedenklich wird es, wenn markierte Exemplare bereits am nächsten Tag wieder im eigenen Garten gesichtet werden. Spätestens dann ist auch unsere Geduld so überstrapaziert, dass wir uns ernsthaft mit dem Gedanken befassen, zur kriegerischen Gärtnerschaft überzulaufen. Doch im nächsten Jahr, milder gestimmt durch winterliche Schneckenabstinenz, löst sich der Entschluss in lauen Frühlingslüften auf – der Sommer könnte ja auch heiß und trocken werden und damit für Schnecken unerträglich. Und im Übrigen halten wir es mit Wilhelm Busch, der mal gesagt hat, dass die Geschichte eines Flohs so interessant sein könne, wie die Geschichte des alten Griechenlands, und wer weiß schon, ob sich das mit der Schneckengeschichte nicht ähnlich verhält.

Liebe Leserin, lieber Leser: Genau sechs Jahre oder 156 Kolumnen lang waren wir darum bestrebt, Ihnen ein kleines samstägliches Lächeln beim Lesen zu entlocken. Mit der Kolumne „Jetzt reicht’s aber!“ hatten wir begonnen, und da sie zurzeit wieder hochaktuell ist, möchten wir hiermit auch abschließen.

Ihre Zaungäste

Der Feind des Gärtners: Die gefräßigen Nacktschnecken raspeln oftmals leider besonders hübsche Schmuckstauden weg. Zu ihren Favoriten zählen unter anderem Funkien.

Foto: ey



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