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Ein Stück Technik- und Industriegeschichte: Die Sanierung der Schlosserei Bornemann ist beendet

Jetzt raucht der Schornstein endlich wieder

Obernkirchen (rnk). Einen guten Schmied erkennt man nicht nur an der Qualität seines Produkts, sondern auch am Klang des Hammers, mit dem er das Eisen bearbeitet. Heinz-Jürgen Brandt setzt an, vier Schläge auf das Eisen, ein Schlag zurück auf den Amboss, zugleich folgt der prüfende Blick, dann wieder vier Schläge - alles in einem Rhythmus, der einem in der Schmiede schnell in Fleisch und Blut übergeht. Brandt hat den Dreh raus, lässig und zugleich konzentriert tanzt der Hammer. Der Stadthäger will einem alten Handwerk zu neuer Popularität verhelfen. Er ist Mitglied einer Hobbytruppe, die in Lüdersfeld auf einem Bauernhof eine Schmiedewerkstatt eingerichtet hat, er selber hat im Rahmen seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser drei Jahre lang Erfahrungen hinter dem Schmiedefeuer sammeln dürfen. Gestern demonstrierte er, wie in der Schlosserei Bornemann einst geschmiedet wurde.

"Der Schornstein raucht endlich wieder", freute sich Historiker und Kulturfenster-Vorsitzender Rolf-Bernd de Groot gestern bei der offiziellen Präsentation der restaurierten Werkstatt plus zweier Nebenräume und einem großen Flur. Hier hat Hermann Bornemann ab 1816 gearbeitet und Tiere gehalten. Es ist ein klassisches Ensemble seiner Zeit: Vorne, an der Straße, wurde gelebt, hinter dem Haus befand sich die Werkstatt mit den Tierställen.Geschlachtet wurde im Flur, auf den großen Sandsteinplatten, die heute noch erhalten sind. De Groot hatte gestern eine große Schlachtbank aufgebaut, auf der das notwendige Handwerkszeug für den Schlachter und auch für die Weiterverarbeitung der Produkte zu finden war. 1816 war eine gute Zeit für das Handwerk in der Bergstadt. Die Glashütten freuten sich über volle Auftragsbücher, der Bergbau boomte. Hermann Bornemann und sein älterer Bruder Johann Heinrich, der in der Langen Straße den Betrieb seines kinderlosen Onkels übernommen hatten, profitierten von der starken wirtschaftlichen Stellung der Stadt: Es ging ihnen und ihren Familien gut. Die jetzt sanierte Schlosserei stand lange Jahre auf der Kippe, nachdem der letzte Nutzer die Tür endgültig geschlossen hatte. "Wir wussten nicht so recht, was wir machen sollten", gestand de Groot gestern ein. Zwar wurde die Schlosserei für einen geringen und eher symbolisch zu nennenden Betrag an das Stadt- und Bergbaumuseum verpachtet, "aber es wurde nicht bespielt", erklärte de Groot: Es fehlte schlicht an Personal. Immerhin gab es in den ersten Gesprächen mit Vertretern der Firma Bornemann "kleine Anzeichen" (de Groot), dass die Firma helfen wollte. Alle Pläne, die Schlosserei abzubauen und in Gelldorf auf dem heutigen Bornemann-Firmengelände wieder aufzubauen, zerschlugen sich aber, zum Glück, wie de Groot befand, der sich mit dem "Verschleppen", wie er es gestern nannte, nie richtig anfreunden konnte. Das konnte übrigens auch die Denkmalpflege des Landkreises nicht, die darauf bestand, die Schlosserei dort vollständig zu erhalten, wo sie stand und steht: an der Neumarktstraße. Die Restaurierung der Schlosserei wurde so vorgenommen, wie sie auch ein Nutzer, etwa ein Schmied oder Schlosser, vorgenommen hätte: An der Decke wurden nur die Stellen gestrichen, die wirklich gestrichen werden mussten, auf dem Fußboden wurden nur die Bretter erneuert, die nicht mehr zu gebrauchen waren. Außen hat die Schlosserei einen Putzanstrich in Naturfarbe erhalten, lediglich ein Fenster wurde verändert. De Groot dankte gestern allen Beteiligten, von der Firma Bornemann über den Landkreis, den Lions-Club nicht nur für die finanzielle Unterstützung, sondern vor allem für den "guten Willen". Für die Öffentlichkeit wird die Schlosserei am 6. September geöffnet, wenn auf dem Kirchplatz das Museumsfest gefeiert werden wird. Und wer nicht weiß, wo sich die Schlosserei in der Neumarktstraße befindet, sollte einfach dem Klang nachgehen: Dort lässt Schmied Heinz-Jürgen Brandt den Hammer tanzen und den Schornstein rauchen.




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